Chapter 16
Kapitel 16 Konfrontation im Verborgenen
Der kalte Atem der Nacht kratzte wie scharfe Splitter an Lukas’ Haut, als er durch die verlassenen Korridore der Akademie schlich. Jeder seiner Schritte hallte dumpf wider, als ob das uralte Gemäuer selbst den Verrat verarbeiten musste. Sein Herz pochte unregelmäßig, jede Faser seines Körpers angespannt wie ein gespannten Bogen.
Vor wenigen Minuten hatte er die Nachricht erhalten – direkt, schnörkellos, unmissverständlich. Der Verräter würde sich heute Nacht in der verborgenen Halle melden. Ein geheimer Treffpunkt, an dem nur wenige wagen würden, sich ungeschützt zu zeigen.
Lukas spürte, wie das Gewicht des bevorstehenden Moments sich auf seine Schultern legte. Nicht allein die Angst vor der Konfrontation, sondern die aufgewühlte Frage: Warum? Warum gerade einer seiner engsten Vertrauten? Das nagende Gefühl unter seiner Brust, das wie ein schwarzes Loch jedes Vertrauen einsog, war intensiver als je zuvor.
Er bog in einen schmalen Gang ein, dessen Wände von vergilbtem Stein und verblasster Schrift überzogen waren. Das fahle Licht der phosphoreszierenden Pilze warf flackernde Schatten auf den Boden, die wie fingerlose Hände nach ihm griffen.
Plötzlich eine Bewegung – fast zu schnell, um sie zu fassen. Ein flüchtiger Schatten glitt an der Ecke vorbei. Lukas blieb stehen. Die Stille zerschnitt seine Aufmerksamkeit wie ein Messer.
"Hast du mir wirklich nichts zu sagen, Lukas?" Eine Stimme – kalt, schneidend, vertraut.
Seraphine Voss. Wie immer perfekt gekleidet, ihre Augen funkelten im dämmrigen Licht wie Dolche, mit der unheimlichen Ruhe einer Raubkatze kurz vor dem Angriff. Ihr Lächeln war weich, doch hinter den Lippen lauerte Gift.
„Seraphine,“ sagte Lukas, seine Stimme fester als er sich fühlte. „Ich weiß, dass du mich beobachtest. Jetzt sag mir, was du wirklich willst.“
Sie trat einen Schritt näher, ihre Präsenz füllte den Raum wie ein dunkler Mantel. „Willst du dich selbst zerstören, Heller? Du spielst mit Kräften, die du nicht verstehst.“
Das Kribbeln auf seinen Armen ließ seine Haare aufrichten. „Und du hast den Verräter in meiner Nähe. Sag mir, wer es ist. Ich verlange es.“
Seraphines Augen blitzten. „Manchmal muss man verlieren, um wirklich zu gewinnen.“
Lukas ballte die Fäuste. „Das ist eine Ausrede. Wer hat mein Vertrauen gebrochen?“
Die Stille legte sich wie ein Tuch zwischen ihnen, dick und erstickend. Dann, ohne Vorwarnung, griff Seraphine nach einem schmalen Dolch, der blitzschnell aus ihrem Mantel glitt.
„Ich gebe dir eine letzte Chance, Lukas. Gib das System auf. Oder du wirst heute Nacht verschwinden.“
Sein Herzschlag rannte gegen die Ketten der Vernunft. Ohne zu zögern, warf er sich zur Seite, gerade als Seraphine zustach. Die Klinge schnitt durch die kühle Luft und riss eine winzige Fetzen von seinem Ärmel.
Doch bevor er zurückschlagen konnte, hallte ein dumpfer Knall. Ein grelles Flimmern ging durch den Raum. Dunst sammelte sich, zischte über den Boden.
Plötzlich ein stechender Schmerz in seinem Rücken – heiß und alles durchdringend, wie glühende Eisenruten, die sich in seinen Körper gruben. Lukas taumelte, sank auf die Knie.
Seraphine zog lächelnd ihren Dolch zurück. „Das war nur eine Warnung. Das nächste Mal bekommst du keine zweite Chance.“
Mit einem letzten kalten Blick verschwand sie im Dunkel.
Der Schmerz pulsierte in Lukas’ Hals, die Welt schemmerte, zugleich klar wie ein zerbrechliches Glas. Seine Hände tasteten verzweifelt die Verletzung ab. Das Gefühl von Verrat und Gefahr kroch wie schwarzer Nebel durch seine Adern.
Und hinter ihm, verborgen in den Schatten, löste sich eine weitere Gestalt aus der Dunkelheit. Ein leises Knacken, kaum wahrnehmbar.
Lukas hob den Kopf, das Flimmern seiner Sinne kämpfte gegen das nahende Dunkel.
„Wer bist du …?“ flüsterte er, bevor alles um ihn herum bröckelte – und Stille ihn verschluckte.
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Fortsetzung folgt…