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Chapter 15

Verrat in den Reihen

Kapitel 15 Verrat in den Reihen

Das Heulen des Windes draußen schlug scharf gegen die kalten Fenster der verlassenen Turnierhalle. Lukas spürte den metallischen Geschmack von Angst in seinem Mund und ein brennendes Pochen hinter den Augenlidern. Trotz der drückenden Stille vibrierte die Luft vor Spannung, als sein Blick unbeweglich auf die Stelle gerichtet blieb, an der der Schattenmann kurz zuvor verschwunden war.

Seine Hände zitterten, die Worte des Systems klangen noch in seinem Kopf wie ein Echo aus einer anderen Welt. „Gefahr. Verrat in nächster Nähe. Vertraue niemandem.“

Lukas biss die Zähne zusammen, während die Finsternis der Halle seine reflektierende Augenhöhlen zu verschlingen drohte. Jedes Knarren des Holzfußbodens ließ ihn zusammenzucken. Er wusste, der Schattenmann war nur ein Werkzeug; der wahre Feind stand viel näher.

Oder... war es jemand, der ihm längst vertraut war?

„Warum gerade jetzt?“, flüsterte er und schloss die Augen, um den pochenden Blutstrom in seinen Ohren zu beruhigen. „Warum ausgerechnet ich?“

Ein scharfes Kratzen riss ihn aus seinen Gedanken, als plötzlich eine Hand fest seine Schulter umklammerte.

„Lukas.“ Die Stimme war leise, doch sofort durchdringend, ein vertrauter Klang, der einen Stich tief in sein Herz setzte.

Er fuhr herum und blickte in die Augen von Marie. Ihre blonden Locken fielen wirr über die Schultern, die sonst so unerschütterliche Miene zeigte sich jetzt von Verunsicherung gezeichnet.

„Marie?“ Lukas’ Stimme zitterte. „Was... was machst du hier? Warum so spät?“

Sie wich seinem Blick aus, suchte das schwache Licht der Laternen, das auf den wippenden Schatten ihrer langen Wimpern lag. „Ich musste mit dir reden. Es gibt Dinge, die du wissen musst.“

Ein fieser Geschmack von Bitterkeit kroch in Lukas’ Magen. „Jetzt? Warum redest du nicht früher mit mir? Warum nicht, bevor alles auseinanderbricht?“

Marie schluckte schwer. „Weil ich... weil ich es nicht konnte. Nicht ohne Gefahr.“

„Gefahr?“ Lukas’ Stimme wurde härter, Misstrauen sickerte in jede Silbe. „Gefahr für wen?“

Sie atmete tief ein und ließ die Schultern hängen. „Für uns beide.“

Plötzlich schoss ein kalter Stromstoß durch Lukas, die Worte schnitten wie Messer. „Du meinst, ich kann dir nicht vertrauen?“

Marie öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder, als hätte sie Angst, dass die Wahrheit zerbersten könnte, wenn sie ausgesprochen wird. Ein dumpfer Klang hallte durch den Raum, als sie hastig ein Stück Pergament aus der Jackentasche zog.

„Les das. Bitte.“

Zögernd nahm Lukas das zerknitterte Blatt entgegen. Die Handschrift war bekannt – Krümmelige, akkurate Zeichen, die aus vielen Nächten heimlichen Schreibens entstanden sein mussten.

Es war ein Bericht. Ein verhülltes Geständnis, das enthüllte, wie lange Marie dem Schattenrat Informationen über Lukas zukommen ließ – kleine Details, Treffen, Bewegungspfade. Beweise dafür, dass sie als eine von ihnen agierte.

Der Boden schien unter seinen Füßen zu schwinden, als seine Augen die Zeilen überflogen. Jeder Satz war wie ein Dolchstoß. Das, was sie für ihn getan hatte? Ein einziges Netz aus Verrat.

„Marie... warum?“ Sein Ton war kaum mehr als ein ersticktes Flüstern, unfähig, dem Sturz in den Abgrund zu widerstehen.

Tränen glänzten in ihren Augen, als sie endlich zu sprechen wagte: „Ich habe nie aufgehört, dich zu mögen, Lukas. Ich wollte den Schattenrat davon abhalten, dich zu brechen. Ich habe versucht, dich zu schützen – auf meine Weise.“

Lukas spürte, wie Wut und Schmerz sich vermischten, unkontrollierbar, roh und zerrissen. Ein Gefühl, intensiver als alles, was er je zuvor erlebt hatte. „Beschützen... indem du mir in den Rücken fällst?“ Seine Stimme brach. „Das bist du nicht.“

Marie drehte sich weg, Tränen glitten über ihre Wangen. Ihre Schultern zitterten unter der Last des Eingeständnisses, doch da blieb auch eine eiserne Entschlossenheit.

„Vielleicht nicht. Aber ich kann dir nicht mehr helfen. Ich muss gehen.“

Die Worte hingen wie ein schwerer Vorhang in der kalten Luft. Lukas wollte sie festhalten, wollte ihr die Fragen stellen, die ihn auffraßen, doch die Kälte ließ es nicht zu.

Marie drehte sich abrupt um, die Tränen getrocknet, die Maske zurück – und in ihren Augen blitzte der kalte Ehrgeiz eines Schattenratsagenten.

„Pass auf dich auf, Lukas. Es gibt Kräfte, die größer sind als wir.“

Und mit diesen Worten verschwand sie, rannte in die schwärzliche Nacht hinaus, umhüllt vom Schatten und dem Geheimnis ihres wahren Ichs.

Lukas blieb allein zurück, die Pergamentfetzen in der Hand, das System pulsierte in seinem Kopf mit Warnungen, die auf Messers Schneide standen.

Wer hatte Lukas wirklich verraten – und warum?

Ein Sturm aus Zweifeln und Misstrauen bewegte sich hinter seinen Augen, während der Schatten der Akademie dichter wurde, drohend, unbarmherzig.

Der Kampf war erst begonnen.

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Fortsetzung folgt…