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Chapter 13

Neues Training, neue Opfer

Kapitel 13 Neues Training, neue Opfer

Lukas zog die Deckel des Buchs langsam auf. Die Seiten wirkten leer, doch ein leises Knistern erfüllte den Raum, als ob unsichtbare Worte zwischen den Zeilen pulsieren würden. Seine Finger zitterten, nicht nur vor Anspannung, sondern auch vor etwas anderem – einer wachsenden Schwere in seinem Herzen, die sich wie Schattenfinger um seine Seele legten.

Ein kalter Luftzug strich durch das Zimmer, ließ die flackernde Kerze an seinem Schreibtisch tanzen. Lukas atmete tief ein. Der bittere Geruch von altem Papier vermischte sich mit dem metallischen Nachgeschmack von Blut, das noch von dem gestrigen Training auf seinem Handrücken haftete.

Er schloss die Augen und sah sich selbst in der Halle. Die Nakletten, die knirschenden Schritte der anderen Schüler in den dunklen Gängen der Akademie, das leise Zischen entfesselter Magie – all das vermischte sich in seiner Erinnerung zu einem undefinierbaren Albtraum, der in seinem Kopf widerhallte.

„Warum spürst du mich jetzt?“ Eine raue Stimme riss ihn aus der Trance. Er öffnete die Augen. Vor ihm stand Seraphine Voss, ihre blasse Haut fast leuchtend im Halbdunkel, während ein dünnes, unheilvolles Lächeln ihre Lippen umspielte. Ihre Augen, kalt und durchdringend, schienen all seine Gedanken zu lesen.

„Du suchst Antworten, Lukas. Aber manche davon kosten mehr als du bereit bist zu zahlen.“ Das Flüstern schwebte wie giftiger Rauch im Raum.

Lukas schluckte schwer. Die Erkenntnis bohrte sich wie ein Stachel in seine Brust: Diese Frau, die für viele eine Legende war, wusste mehr über das System, über die strengen Gesetze seiner Macht, als er.

„Ich habe keine Wahl“, sagte er leise, doch seine Stimme zitterte vor Unruhe. „Wenn ich hier überleben will, muss ich stärker werden.“

Seraphine schritt näher, ihre Schritte hallten gedämpft auf dem Steinboden. „Stärker... aber um welchen Preis? Das System fordert Opfer, Lukas. Nicht nur dein Blut, sondern deine Seele.“ Ihr Blick zog sich in Schatten zurück, die ihre Miene unergründlich machten.

„Vielleicht bin ich bereit, sie zu bringen“, murmelte er, während seine Lippen trocken wurden. Die Angst kroch wie kalte Finger an seinem Nacken hoch, doch zugleich brannte eine Herausforderung in seinem Blick.

Mit einem knappen Nicken wandte sich Seraphine ab. „Dann zeig mir morgen deine Entschlossenheit. Die Trainingshalle erwartet dich.“

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Der Raum seines Trainings war karg und kalt, die hohen Fenster ließen das fahle Licht des späten Nachmittags nur spärlich herein. Die Luft war schwer, der Boden von unzähligen Kämpfen gekratzt und zerschrammt.

Lukas ließ sich wenig Zeit mit Gedanken. Er breitete die Arme aus, spürte den Schmerz in den Muskeln von gestrigen Übungen, aber er zwang sich, noch weiterzugehen. Jeder Schlag gegen den harten Sandsack war wie ein Verzweiflungsschrei, jedes Ausatmen ein Stück seiner Angst, das er verpuffen ließ.

Seine Hände waren blutig aufgerissen, das Fleisch zwischen den Fingernägeln eingerissen. In seinem Kopf hallte das System mit digitalem Rauschen. Es zeigte Werte an, Effizienz, Ausdauer, Fokus – doch neben diesen Zahlen breitete sich ein dunkles Warnsymbol aus, das er immer mehr ignorierte.

Die Schatten in der Ecke schienen sich zu bewegen, ihr Flüstern mischte sich unter das Dröhnen seines Herzschlags.

„Du verbringst zu viel Zeit damit, die Grenzen deines Körpers zu erzwingen“, sagte eine Stimme, die nicht zu ihm gehörte. „Und der Geist? Was ist mit seinem Zerfall?“

Lukas schnappte nach Luft, drehte sich um und sah nur Leere. Doch das Gefühl, beobachtet zu werden, würde ihn nicht loslassen.

Sein Blick fiel auf den großen Spiegel an der Wand. Das Bild, das ihn anstarrte, war blass, mit schwarzen Ringen unter den Augen. Die Haut schien spannungsgerissen, nicht nur müde, sondern von innerer Furcht zerfressen.

"Du verlierst dich," flüsterte eine verborgene Stimme in seinem Inneren. "Dein Körper mag stärker werden, doch dein Herz wird brennen."

Er biss die Zähne zusammen. Der Drang, sich zu beweisen, war stärker.

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Schon in den ersten Tagen des intensiven Trainings spürte Lukas, wie die Grenze sich verschob. Das physische Aufgeben war eine Qual, doch das geistige Ausharren wurde zur Folter.

Nächte, in denen die Schatten nicht mehr nur um ihn schleichen, sondern in seine Träume eindrangen. Szenen von Machtverlust, Isolation, Versagen überfluteten seinen Geist. Und doch zwang er sich, aufzuwachen, fröstelnd im kalten Schweiß seiner Angst.

Einmal saß er zusammengekauert in einer dunklen Ecke der Bibliothek. Die Bücher um ihn herum waren gespenstisch still, als ob sie seine Verzweiflung spüren könnten.

Sein Atem war flach, und die Gedanken huschten wie entfesselte Tiere durch den Kopf.

Warum er? Warum musste er der sein, der zwischen den Schatten taumelte, während die Anderen sicher schienen?

Plötzlich zerriss ein lautes Krachen die Stille. Lukas fuhr erschrocken hoch.

Vor ihm erschien eine vertraute Gestalt. Es war Mia, seine einzige Verbündete, deren Augen ernst und sorgenvoll funkelten.

„Lukas, du musst aufhören. Du kannst dich nicht kaputtmachen, um stärker zu wirken. Das System... es frisst dich auf. Das habe ich gesehen.“

Seine Stimme war kaum mehr als ein Hauch: „Ich habe keine Wahl, Mia. Wenn ich... wenn ich schwach bleibe, bin ich verloren.“

Sie trat näher, legte ihm eine Hand auf die Schulter, deren Berührung wie ein Anker inmitten eines Sturms wirkte.

„Vielleicht... Vielleicht findest du Stärke nicht im Kampf gegen dich selbst, sondern in dem, was du schützen willst.“

Doch Lukas fühlte, wie diese Worte an seiner Panzerung abprallten.

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Schon am nächsten Morgen berichtete das Flüstern in den Gängen von der neuen Ankündigung. Die Nachrichten verbreiteten sich wie ein Lauffeuer:

In der großen Halle der Schattenakademie ertönte die Stimme des Direktors über den uralten Lautsprecher.

„Schüler und Schüler der Akademie – bereitet euch vor. Ein Turnier wird ausgerufen. Nicht für die Schwachen, nicht für die Zaudernden.“

Lukas spürte, wie sich die Atmosphäre um ihn herum zu verdichten begann. Die Anderen sahen sich aufgeregt an, einige mit Furcht, andere mit gierigen Blicken.

„Das Turnier,“ murmelte er leise, „ist mehr als nur ein Kampf. Es ist ein Test. Und vielleicht eine Falle.“

Sein Herz hämmerte wild, während vor seinem inneren Auge Bilder von blutigen Arenen, zersplitterten Klingen und verschwörerischen Schatten vorbeischossen.

Die Schattenakademie hatte gesprochen. Und mit jedem Schritt näher rückte eine grausame Wahrheit: Nur wer bereit war, wirklich alles zu opfern, konnte überleben.

Lukas ließ die Faust zur Wand knallen, Fingernägel gruben sich in das raue Mauerwerk. Ein letzter Blick auf das System – es blinkte: „Bereit?“

Ein eiskalter Strom raste durch seinen Körper, als die Stimme aus den Lautsprechern erneut ertönte:

„Möge der Stärkste siegen.“

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Fortsetzung folgt…