NoveliqaSchatten über dem Herrenhaus: Blutgeheimnis im Prunk / Das geheime Tagebuch :0%
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Chapter 8

Das geheime Tagebuch

Kapitel 8: Das geheime Tagebuch

Das Klopfen hallte durch den kahlen Flur, als wäre es direkt in Clara eingehämmert. Ihre Knie gaben beinahe nach, der kalte Schweiß glänzte auf ihrer Stirn. Jeder Atemzug schien schwerer, während das dumpfe Pochen ihres Herzens das einzige Geräusch war – oder doch nicht?

Ein leises Kratzen, kaum hörbar, kam von der Tür. Klopfend, winselnd, als wolle sich etwas oder jemand unbedingt hineindrängen. Clara tastete nach dem schweren, damastartigen Vorhang am Ende des Flurs – dem Zugang zur Bibliothek. Sie musste hier raus, musste irgendetwas finden, das ihr den Weg aus diesem Albtraum wies. Ihre Finger umschlossen das kühle Metall eines kleinen Messers, das sie still aus ihrer Tasche gezogen hatte.

Langsam öffnete sie die Tür zur Bibliothek, aus der der schwache Schein einer einzigen Kerze schimmerte. Dort, auf einem massiven Eichentisch, lag ein Buch – dick, mit Leder gebunden, dessen Rücken von einer eingravierten Lilie geziert wurde. Ihre Fingerspitzen zitterten unmerklich, als sie das Buch aufschlug.

Das Tagebuch des Patriarchen.

Claras Herz stolperte. Wie hatte niemand dieses Buch erwähnt? Friedrich von Sternberg war zurückhaltend, ja, fast aggressiv, wenn es um sein Familienerbe ging. Doch dieses Tagebuch – es schien die verborgene Seele des Hauses zu offenbaren.

Sie schlug die vergilbten Seiten auf. Die Schrift war alt und krakelig, mit Tintenflecken und gelegentlichen verwischten Korrekturen. Doch es war lesbar – eine Mischung aus lateinischen Phrasen und einem eigens angefertigten Code, der intelligent, aber nicht unmöglich zu knacken war.

Mit zitternden Händen begann Clara, die ersten Einträge zu studieren.

„Der Feind lauert nicht nur außerhalb der Mauern, sondern auch im Schatten des Blutes. Meine Feinde sind zahlreich und gnadenlos.“

Ein Frösteln lief ihr über den Rücken.

Wer waren diese Feinde? Sie suchte nach Namen, Hinweisen, irgendeiner Verbindung zu dem Mord in dieser Nacht.

Ein weiterer Eintrag ließ ihren Atem stocken:

„Johann van der Velde hat den Bund gebrochen. Seine Gier nach dem Erbe ist größer als sein Verstand. Er wird büßen.“

Clara riss die Augen auf. Johann van der Velde – ein alter Rivale der Familie von Sternberg, von dem bisher niemand gesprochen hatte. Doch was meinte der Patriarch hier mit „Büßen“?

Die Seiten raschelten unruhig, als ein Luftzug durch den Spalt der leicht geöffneten Fenster zog. Die Schatten der Bücherregale tanzten gespenstisch an den Wänden, während die Kerzenflamme flackerte.

Plötzlich entdeckte Clara zwischen den Seiten eine kleine, silberne Schlüsselkarte, deren aufgenietetes Wappen den von Sternbergs ähnelte – jedoch mit einem winzigen, kaum wahrnehmbaren Kratzer über dem Emblem.

Das Herz schlug ihr bis zum Hals.

„Ein geheimer Zugang?“, flüsterte sie, die Karte vorsichtig berauschend zwischen den Fingern drehend.

Sie hörte Schritte.

Schnell schob sie das Tagebuch unter einen losen Dielenbrett, das sie zuvor mit dem Messer angehoben hatte. Ihr Blick huschte zur Tür.

„Wer ist da?“

Die Stimme war rau, männlich – Friedrich.

Clara presste die Finger gegen den halboffenen Türspalt, während Friedrich mit einem misstrauischen Blick eintrat, die Augen funkelnd im Kerzenschein. Sein Auftreten war elegant, doch kalt wie Winterstahl.

„Du hast also doch den Schlüssel gefunden“, sagte er und lächelte dünn. „Das Tagebuch birgt zu viele Geheimnisse, Clara. Manche müssen im Dunkeln bleiben.“

Sein Blick glitt durch den Raum. „Du riskierst zu viel. Für deine Neugier.“

Clara wich keinen Millimeter zurück und erwiderte scharf: „Und du riskierst, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Das hier...“ Sie deutete vage zum Bücherregal. „...ist nicht nur Geschichte. Es ist Blut.“

Friedrichs Lächeln schnürte sich langsam zu einem kalten Schnurren zusammen. „Blut vergisst nie. Es bindet und zerstört zugleich.“

Ein Schatten flackerte hinter ihm auf. Die Spannung war greifbar. Clara spürte das Gewicht einer ungesagten Drohung, die zwischen ihnen hing wie ein unsichtbares Messer.

„Du solltest besser wissen, wann Schluss ist“, flüsterte Friedrich, bevor er sich umdrehte und mit schweren Schritten aus dem Raum schritt, die Tür hinter sich ins Schloss ziehend.

Clara stand allein da. Der kalte Hauch von Gefahr kratzte an ihrem Nacken.

Langsam hob sie das Dielenbrett zurück und griff nach dem Tagebuch.

Ihre Augen blieben an einer kryptischen Notiz hängen:

„...das wahre Vermächtnis schlummert hinter dem verschlüsselten Wort. Nur die Wahrheit bringt Erlösung – oder Tod.“

Ihr Herz hämmerte. Wer hatte diesen Code hinterlassen? Was für ein finsteres Geheimnis verbarg sich in den Wirren von Blut und Verrat?

Mit einem Mal schien das Herrenhaus nicht nur ein Ort der Prunk und Dekadenz zu sein. Es war eine lebende Falle, ein Puzzle, das leben und sterben konnte.

Die Schatten der Nacht pressten sich dichter gegen die Fensterscheiben, während Clara das Tagebuch fest umklammerte. Der Schlüssel lag in ihren Händen – doch welchen Weg würde er ihr offenbaren?

Das Dröhnen eines unerwarteten Donners riss sie aus ihren Gedanken, und plötzlich vibrierte die Stille erneut, als ginge etwas Unausweichliches auf sie zu.

Die Wahrheit war näher, als sie ahnte.

Doch war sie bereit, das Dunkel zu entfachen?

*

Welche Geheimnisse verbergen sich hinter dem verschlüsselten Tagebuch?

Welche alten Feinde erwachen aus dem Schatten?

Und welches Blutopfer wird die Wahrheit fordern?

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Ende Kapitel 8