NoveliqaSchatten über dem Herrenhaus: Blutgeheimnis im Prunk / Das doppelte Spiel :0%
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Chapter 14

Das doppelte Spiel

Kapitel 14 – Das doppelte Spiel

Der kalte Nachthauch kroch über Claras nackte Arme, obwohl sie ihre Jacke fest um sich gezogen hatte. Friedrichs Erscheinung, so unvermittelt und klingenscharf, hallte in ihrem Kopf nach wie ein unangenehmer Echo-Ton, der nicht schweigen wollte. Sie atmete flach, spürte, wie das Herz unter der brennenden Kälte wummerte, als wollte es gegen ihre Rippen klopfen.

Sie drehte sich um, auf der Suche nach niemandem und doch erwartetem Zuspruch. Stattdessen blitzte ihr die geschlossene Tür zum Salon entgegen, ein dunkles Hindernis, das die Trennung zwischen ihr und Sicherheit bildete – oder war es vielmehr die Grenze zu einem weiteren Geheimnis?

Ein Klirren.

Clara zuckte zusammen. Jemand hatte etwas fallen lassen, ungewollt, oder als stumme Botschaft? Ihr Blick huschte zum Fenster, wo der mondverhangene Garten schemenhaft und still dalag. Die Schatten der Bäume knisterten im schwachen Licht, als würden sie flüstern – oder warnen.

Mit einem leisen Seufzer schloss sie ihre Notizmappe und schob sie unter den Arm. Noch einmal spürte sie Friedrichs eisige Präsenz hinter sich, obwohl er längst verschwunden war.

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Zurück im verlassenen Büro, das sie sich mit ihrem Verbündeten, Jonas Engel, teilte, ließ Clara die schwere Tür hinter sich ins Schloss fallen. Jonas drehte sich ruckartig um, sein Blick scharf wie ein Skalpell, aufgewühlt und zugleich zurückhaltend.

„Du siehst aus, als hättest du gerade das Böse höchstpersönlich getroffen“, sagte er mit einem bitteren Grinsen, das kaum Täuschung brauchte.

Claras Augen verengten sich. „Friedrich von Sternberg. Er ist noch näher dran, als ich dachte. Seine Kälte ... sie macht alles schwieriger.“

Jonas schüttelte den Kopf. „Du darfst ihm nicht zu viel Raum geben. Er spielt sein Spiel, wie immer.“

Clara drehte sich weg, suchte in ihrer Jacke nach ihrem Handy und öffnete die Gesprächsnotizen. Jedes Wort, jede Aussage von Jonas in den letzten Tagen lag vor ihr – aber plötzlich stimmte etwas nicht.

„Jonas“, begann sie zögernd, ihren Blick wieder auf ihn gerichtet, „ich habe deine Berichte durchgesehen. Du hast gesagt, du warst am Abend des Mordes in der Nähe des Westflügels. Aber ich habe einen Zeugen, der dich ganz woanders gesehen hat.“

Ein kurzes Zucken in Jonas’ Miene verriet ersten Zweifel – oder war es Panik?

„Vielleicht bist du verwechselt worden“, antwortete er schnell, doch seine Stimme verlor an Selbstsicherheit.

„Das geht nicht auf“, beharrte Clara, trat näher, ihre Präsenz eine Mischung aus Enttäuschung und Entschlossenheit. „Ich habe mich mit Franziska Müller unterhalten. Sie hat dich eindeutig kurz vor Mitternacht auf der Terrasse gesehen – während du behauptet hast, in deinem Büro gewesen zu sein.“

Jonas’ Mund verzog sich zu einem dünnen Strich. „Franziska ... du weißt, wie Gerüchte sich drehen in diesem Haus.“

„Aber das gefällt mir nicht, Jonas“, flüsterte Clara und spürte, wie ihre Stimme schärfer wurde. „Du hilfst mir, doch diese Lüge – was verbergst du?“

Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Jonas trat zurück, ein Schatten von Bedauern und Sorge lag in seinem Blick. Die Finger ballten sich zu Fäusten, sein Atem stolperte.

„Clara... Es gibt Dinge, die du nicht wissen solltest. Und es gibt Gründe, warum ich dich schützen musste – nicht nur vor Friedrich, sondern auch vor mir selbst.“

Ein eisiger Stillehauch krabbelte durch den Raum. Claras Herz hämmerte, die Worte türmten sich wie unsichtbare Mauern zwischen ihnen auf.

„Du bist nicht ehrlich zu mir“, sagte sie starr, „Und ich brauche die Wahrheit. Wenn wir das hier zu Ende bringen wollen, darf es keine Schatten geben – weder von Friedrich ... noch von dir.“

Jonas’ Blick senkte sich, dann hob er langsam den Kopf, als hätte er eine Entscheidung getroffen. Seine Stimme war kaum mehr als ein raues Flüstern, doch jeder Ton baute sich wie ein Donnerschlag auf.

„Clara, es gibt eine zweite Identität. Nicht nur metaphorisch – ich habe eine Vergangenheit, die ich vor dir versteckt habe. Und vielleicht ist sie der Grund, warum Friedrich dich so fokussiert.“

Unwillkürlich trat Clara zurück, ihr Magen drehte sich. Ein doppeltes Spiel – und sie stand mittendrin.

Bevor sie noch etwas sagen konnte, erklang ein leises Klopfen an der Tür.

Ein Schatten streckte sich durch den Türspalt.

Ein kaltes Lächeln blitzte auf.

Jonas machte einen Schritt zur Seite und flüsterte: „Du wirst es gleich herausfinden. Viel Glück, Clara.“

Das Knopfen wurde hartnäckiger.

Und plötzlich wusste Clara: Nicht nur Friedrich, sondern auch Jonas verbarg mehr, als sie sich jemals vorgestellt hatte.

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Fortsetzung folgt...