Chapter 13
Kapitel 13 Die versteckte Kammer
Das Knarren hallte in der Stille nach, wie ein düsteres Echo in Claras Ohren. Ihre Finger verharrten auf der kühlen, lederbezogenen Griffleiste hinter dem Kamin, die sich nun als eine verzierte Tür offenbarte. Ein eisiger Schauer krabbelte ihr den Rücken hinauf, das Herz schlug ihr Polka gegen die Rippen, während ihr Atem flach und hastig aus der Lunge schoss.
Unsichtbare Augen — die letzten Sekunden der Dunkelheit schienen sie zu beobachten, als wär die Luft selbst mit unheimlicher Präsenz geladen. Clara zwängte sich näher an die verborgene Öffnung. Ihre Fingerspitzen tasteten die kühle Oberfläche ab, spürten die leicht rauen Maserungen des Holzes, das an dieser Stelle der Wand, sonst so glänzend und prunkvoll, unpassend roh wirkte.
Mit einem kehligen Flüstern, kaum lauter als ein Atemzug, rief sie sich zu: »Jetzt oder nie.«
Langsam zog sie an der Griffleiste. Trotz des rostigen Widerstands gab die Tür nach, schob sich einen Spalt breit auf und offenbarte den Eingang. Ein schmaler Spalt fiel der Dunkelheit zum Opfer. Ein modriger Duft schlug ihr entgegen, vermischt mit dem alten, süßlichen Geruch vergilbten Pergaments und etwas, das wie altes Leder stank.
Claras Augen mussten sich an das fahle Licht gewöhnen. Eine kalte Brise kroch ihr entgegen, begleitet vom Klirren splitternder Glasstücke und einem leisen Knistern.
Die Kammer dahinter war winzig, kaum größer als ein Kleiderschrank. Doch in ihrem Inneren lag ein Holztisch, übersät mit Stapeln vergilbter Papiere, vergessenen Fotografien und verstaubten Büchern. Auf der gegenüberliegenden Wand hing ein verblichenes Porträt eines Mannes mit scharf geschnittenen Zügen – Friedrich von Sternberg vermutlich, doch seine Augen schienen regelrecht in den Raum zu bohren, wie gelegentliche Schatten darin tanzten.
Clara trat vorsichtig ein, kniete sich nieder und begann, die Dokumente zu durchwühlen. Die alten Papiere raschelten unter ihren Fingern, das Pergament knisterte dumpf. Es waren Briefe, Tagebuchseiten und Verträge, sorgfältig beschriftet mit Friedrichs Handschrift.
Ihr Herz setzte einen Schlag aus, als sie eine Mappe mit dem schwarzen Wappen der Familie entdeckte. Fingerspitzen begleiteten die oberste Seite einer uralten Urkunde, deren Tabellen Verbindungen offenbarten — Gelder, seit Jahren verschoben, auf Konten in unbekannten Ländern.
Klars Augen flogen über eine besonders brüchige Seite, die in zittriger Schrift mehrere Namen aufzählte, darunter Nicht nur Familienmitglieder, sondern auch Regierungsbeamte und sogar ein Richter. Vertrauliche Absprachen — eine Schattenwelt von Korruption und Verschwörung.
Ein leises Klicken ließ sie zusammenzucken. Von irgendwoher, in der Finsternis hinter ihr, schien sich ein Mechanismus zu regen.
Eilfertig schob sie die Dokumente in eine Tasche, die sie heimlich mitgebracht hatte. Gedankenrasend zog sie eine brennende Kerze aus ihrer Tasche, um die letzten Winkel zu erkunden.
Am hintersten Ende der Kammer entdeckte sie eine verborgene Luke im Boden, kaum sichtbare Kratzer am Holz und eine rostige Öse, die nach Jahren des Schweigens weiter dort hing.
Unwillkürlich zitterte ihre Hand, als sie die Luke anhob. Darunter öffnete sich ein dunkler Schacht, modrige Luft stieg empor wie ein fauliger Atem aus der Tiefe.
Bevor sie etwas tun konnte, ertönte erneut dieses Klicken.
Plötzlich spürte sie einen kühlen Luftzug, der durch eine Öffnung im hinteren Teil der Kammer hereinströmte. Ein Hauch von Verfall und Geheimnis umfing sie; der Raum fühlte sich wie ein Grab an, das an der Schwelle zu grausamen Wahrheiten stand.
Sie holte tief Luft, ein stechender Geruch, halb Leine von altem Blut, halb von abgestandener Feuchtigkeit, stieg ihr in die Nase. Ihre Gedanken blitzten zu der schattenhaften Gestalt, die sie gerade vor der Kammer gehört hatte.
War sie noch immer da? Wartete sie ab, erwartete ein Fehltritt?
Jede Faser ihres Körpers schrie vor Warnung, doch ihre Neugier übertrieb jede Vorsicht.
»Es gibt hier etwas, das sie um jeden Preis verbergen wollen«, murmelte Clara, während die Finger ihrer linken Hand unwillkürlich um die Tasche mit den Dokumenten krallten.
Mit einem letzten Blick zur Tür – die mittlerweile wieder geschlossen und scheinbar verriegelt war – veränderte sich die Atmosphäre in der Kammer schlagartig.
Ein kaltes, dumpfes Pochen begann, fern und doch nah zugleich, als fühlte der Raum selbst den Herzschlag seines alten Bewohners.
Sie ließ den Blick noch einmal über die Dokumente schweifen. Und dann fiel ihr Blick auf ein Foto, halb vergraben unter anderen Papieren.
Das Bild zeigte Friedrich von Sternberg – jung, mit einem unverkennbaren Ausdruck von Bitterkeit in den Augen, umrahmt von einer Gruppe finster dreinblickender Männer. Doch es war das Motiv auf der Rückseite, das Claras Geist erstarren ließ:
In krakeliger Federhandschrift stand dort ein Satz:
„Das Blut muss rein bleiben. Die Wahrheit darf niemals ans Licht.“
Ein eisiger Kloß bildete sich in Claras Hals.
Was für ein dunkles Geheimnis lag hier verborgen? Ein Geheimnis, das offenbar nicht nur die Familie, sondern die ganze Stadt in den Abgrund reißen könnte.
Ihre Finger umklammerten die Fotos und Briefe, das Feuer in ihren Adern brannte auf.
Und in diesem Moment durchzuckte sie der Gedanke: War sie die Nächste auf der Liste?
Noch bevor sie reagieren konnte, ertönte ein Knall – von der anderen Seite der versteckten Kammer.
Eine Stimme, tief und gefährlich, schnitt durch die Stille:
»Du hättest besser nicht gesucht, Clara.«
Der Raum schien den Atem anzuhalten.
Im Schatten löste sich eine Gestalt.
Friedrich von Sternberg trat hervor, die Augen kalt und unerbittlich.
Ein weiteres Geheimnis, das scharf wie eine Klinge lag – und Clara wusste: Der Kampf hatte erst begonnen.
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Fortsetzung folgt...