NoveliqaSchatten über dem Herrenhaus: Blutgeheimnis im Prunk / Das unerwartete Geständnis :0%
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Chapter 10

Das unerwartete Geständnis

Kapitel 10 Das unerwartete Geständnis

Die Tür schwang nur einen Spalt auf, das matte Licht aus dem Korridor fiel wie ein kalter Schleier in das düstere Zimmer. Clara wich keinen Zentimeter zurück. Ihr Herz schlug schlimmstes Trommelfeuer gegen die Rippen, ihre Finger krampften um den Metallgriff der Lampe auf dem kleinen Beistelltisch.

Eine Gestalt trat hinein, Schultern schmal, Gehstock schlapp in der Hand hängend. Es war Luise von Sternberg. Die junge Frau, so zerbrechlich wirkend wie Porzellan, das jeden Moment zerbersten konnte.

„Ich... ich wollte nicht stören“, flüsterte Luise und vermied Claras Blick. Das war kein reines Entschuldigen. Ihr Ton vibrierte unter der Oberfläche – ein wirres Netz aus Angst, Scham und verzweifelter Ehrlichkeit.

„Was suchen Sie hier?“, fragte Clara knapp, die Stimme ein scharfer Schnitt in der stickigen Luft.

Luises Mund öffnete sich, schloss sich wieder. Dann ein schweres Seufzen, das pfeifend durch die Brust ihr entwich.

„Man kann nicht ewig schweigen, nicht wahr?“ Ihre Augen waren plötzlich feucht, glänzten im schwachen Licht. „Es ist an der Zeit, dass jemand die Wahrheit sagt. Selbst wenn sie blind macht.“

Clara hob die Lampe höher, das flackernde Licht warf zuckende Schatten über Luises blasses Gesicht. „Sprich. Was weißt du?“

Luise trat näher, und das Knarren des alten Parketts unter ihren Schritten schnitt durch die Stille wie ein Messer. Sie blieb stehen, einen Meter von Clara entfernt.

„Er... er war nicht so, wie alle glaubten“, begann sie langsam, die Worte tasteten sich träge aus der Dunkelheit. „Mein Vater… nein, mein Bruder. Friedrich.“ Ihre Stimme brach ab. Ein Schwall von Emotionen, zu lange in ihr eingesperrt, schwoll an die Oberfläche. „Ich habe ihn stets bewundert, ja. Aber ich kenne nun auch die Schatten hinter seinen Augen.“

Clara spürte, wie ihre Finger um die Lampe härter wurden, als wollte sie sich an einem Rettungsanker festkrallen, der schon zu splittern begann.

„Er hat...“ Luise schluckte, als müsste sie ihren Mut in winzigen Bissen hinunterschlucken. „Er hat Dinge getan. Dinge, von denen selbst die Mauern hier nicht schweigen.“ Ihre Stimme wurde zu einem Krächzen, das zögerlich fragte: „Wusstest du von dem Ritual? Dem mit dem Blut?“

Claras Körper versteifte sich. Dieses Ritual – ein Mythos aus flüsternden Legenden und panischem Gemurmel unter den Bediensteten. Ein dunkles Familiengeheimnis, hartnäckiger als Efeu an den verfallenden Fassaden des Herrenhauses.

„Erzähl mir alles“, forderte Clara, die Spannung schnürte ihr die Kehle zu.

Luise zog ein kleines, aufgerautes Lederbuch aus der Innentasche ihres Mantels, hielt es zögernd hin. „Das hier... es enthält seine Notizen. Briefe an niemanden, Tagebuchfragmente. Du wirst erschrecken. Ich... ich habe Angst.“

Clara griff nach dem Buch. Kühle Elektrizität kribbelte durch ihre Finger, als sie das vergilbte Papier streifte. Die Seiten waren beschrieben mit krakeliger Schrift, mit Blut verschmiert an einigen Stellen.

„Warum jetzt?“, wetterte Clara, „Warum hast du nicht längst gesprochen? Warum hast du zugelassen, dass er weiterhin ungestraft blieb?“

Luise blickte zu Boden, ihr Schatten zitterte gegen die Wand. „Weil ich ebenso gefangen war. Die Angst schnürte mir die Luft ab. Und weil... ich wusste, dass es niemand glauben würde, wenn ich es erzähle.“

Ein Pochen an Claras Schläfen, eine Mischung aus Empathie und erbarmungslosem Urteil brodelte in ihr hoch. Hier lag der Schlüssel – nicht nur zum Mord, sondern zu einem Korruptionssumpf, in dem Blut und Lügen bis zum Rand quollen.

„Wenn das stimmt“, sagte Clara tonlos, „dann ist Friedrich von Sternberg nicht nur ein Mörder, sondern Teil eines viel größeren Spiels. Es geht nicht nur um Familienzwist oder Eifersucht. Es geht um Macht, um Kontrolle.“

Luise nickte, Blick nun starr, als habe sie sich einem unsichtbaren Gewicht unterworfen. „Und ich glaube, das Ritual … war erst der Anfang.“

Plötzlich wurde die Tür hinter ihnen wieder aufgestoßen. Ein nächtlicher Windstoß riß Luise das Buch aus der Hand, die Seiten fächerten sich auseinander, als enthüllten sie uralte Dunkelheiten.

Ein kaltes Lachen erfüllte die Dämmerung.

„Ihr glaubt wirklich, das ändert etwas?“ Eine tiefe Stimme, fremd und doch so vertraut, rollte durch den Raum – Friedrich von Sternberg trat ein, seine Augen glühten in der Finsternis.

Clara sprang vor, Herzschlag in rasender Geschwindigkeit. Zwischen ihnen und der Wahrheit lag eine Mauer aus Intrigen und tödlichen Geheimnissen.

Luise wich zurück, das Blutgeheimnis aufgeschlagen wie eine klaffende Wunde zwischen ihnen.

Ein tödliches Schweigen legte sich über das Zimmer.

War das Geständnis eine Falle? Oder nur der erste Dominostein eines viel finsteren Spiels?

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Fortsetzung folgt...