Chapter 9
Kapitel 9 Das verbotene Labor
Der Klick hallte nach, schwebte schwer in der stickigen Luft des Korridors. Kai spürte, wie seine Haut sich scharf aufspannte, als würde ein unsichtbarer Strom durch seinen Körper zucken. Sein Blick kugelte zur Tür, die sich nur einen Spalt breit bewegte – noch nicht offen genug, um tief hineinzusehen, aber weit genug, um Schatten und kühle Luft zu verströmen.
Sein Herz hämmerte gegen das Brustbein, der Puls raste in den Schläfen, als er die Hand langsam und vorsichtig gegen die metallene Oberfläche legte.
„Jetzt oder nie“, flüsterte er. Die Stimme klang fremd in seinen eigenen Ohren – rau und dünn, wie durch ein kaputtes Interface.
Der Griff kälteblitzte in seiner Fingerkuppen und schien zu vibrieren, als könnte die Tür jede Sekunde zuschlagen. Die ganze Megacity draußen mit ihrem Neongetöse schien von hier unten fern, vergessen. Hier herrschte klares, steriles Licht und der Geruch nach chemischen Reinigern, der sich in seinen Hals bohrte.
Mit einem leisen Zischen glitt die Tür auf.
Erschrocken machte Kai einen Schritt zurück – im düsteren Halbdunkel des Labors lagen Kabelgewirre und blinkende Monitore wild verstreut, als hätten Forscher hier fluchtartig ihren Arbeitsplatz verlassen. Doch kein Mensch war zu sehen.
Nur das Summen der Maschinen, das Pulsieren der Rechenzentren, die scheinbar lebendig atmeten.
Kai schielte auf den Bildschirm eines Terminals, das flackernd eine Reihe von Datenströmen anzeigte. Seine HI-Schnittstelle glomm unruhig auf – er war mit der Datenbank verbunden, doch jede Information fühlte sich wie ein Stachel an, tief verborgen und brisant.
Plötzlich erzeugte ein kleines, fluoreszierendes Licht auf dem Tisch in der Mitte des Raumes einen Schatten, der wie ein verborgenes Geheimnis kroch. Kai schwebte näher, seine Schritte kaum hörbar auf den kühlen Fliesen.
Auf dem Tisch lag ein holographisches Display, zersplittert wie ein zerbrochener Spiegel. Datenblöcke flackerten auf, darunter genetische Profile.
Sein Augenbraue zog sich hoch, als er die Namen las.
Mehrere Codes – kein gewöhnlicher Labormesswert.
Dann stieß er auf das Profil, das wie ein kalter Stich in die Magengrube fuhr: „Kai Novak“.
Sein eigener genetischer Code, digital zerlegt und in biologischen Modifikationen abgebildet.
Doch daneben – ein zweiter Code. Ein Name, den er nicht erwartete.
„Dr. Lena Voss...“ flüsterte er, die Worte hingen schwer in der Luft. Etwas stimmte nicht, etwas Unvorstellbares.
Kai zog das Display näher, seine Augen scannten die Veränderungen. Verborgene Sequenzen, eingefügte Nanobots, neuronale Implantate, eigens für diese Person programmiert – doch diese Modifikationen passten nicht zu ihr. Sie waren... anders. Öffneten neue, gefährliche Türen.
Sein Herz setzte aus.
Wessen genetischer Code wurde neben ihm noch verändert?
Ein stechender Schrei der Erkenntnis breitete sich in seiner Brust aus. Die Antwort musste hier irgendwo liegen—doch vor ihm breitete sich ein Abgrund von Geheimnissen aus, der tiefer war als jede virtuelle Firewall, die er je geknackt hatte.
Und irgendwo in der Dunkelheit des Labors, zwischen flimmernden Schatten, hatte die Tür plötzlich kein Schloss mehr.
Ein Geräusch.
Knarrend und bedrohlich.
Jemand oder etwas bewegte sich auf ihn zu.
Kai erstarrte.
Das Spiel hatte begonnen.
--- Fortsetzung folgt…