Chapter 10
Kapitel 10 Verborgene Verwandtschaft
Das Knarren hallte in Kai Novaks Ohren nach, ein unheilvolles Echo zwischen metallischen Wänden. Seine Muskeln spannten sich an, die Luft in seiner Lunge fühlte sich plötzlich zu dünn an, als könnte sie jeden Moment zerreißen. Die Schatten um ihn herum erstarrten, zogen sich zurück – nur die flackernden Neonlichter schienen zu schwanken, als kämpften auch sie gegen die Dunkelheit.
Dann knackte es kurz – ein Widerhall. Schritte. Schwer, gemessen, langsam, aber mit ungebrochener Entschlossenheit. Nicht hastig, nicht zögerlich.
Kai drehte den Kopf kaum merklich zur Tür, die jetzt offen stand, ihr Spalt wie ein klaffender Riss in der sonst so perfekt kontrollierten Ordnung des Labors.
Ein Schatten trat hervor. Nichts bis auf eine Präsenz, die scharf und durchdringend war. Eine Stimme, die zugleich vertraut und bedrohlich klang.
„Du hast dich besser wehren müssen, Kai.“
Lena Voss. Ihr Name war mehr als nur ein Klang, er war ein Griff in seine Brust, ein Schmerz, der wie ein stummer Schrei durch sein Innerstes fuhr.
Kai spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog. Nicht nur Angst – tiefer, roher Zweifel.
„Was… willst du?“ Seine Stimme war rau, als käme sie von weit her.
Sie lächelte dünn, dieses Lächeln, das Macht versprach und zugleich kalte Berechnung. „Das, was du nie hattest. Wahrheit. Verständnis. Und… Familie.“
Familie. Das Wort fiel wie ein Tropfen Säure.
Kai blickte auf sein Handgelenk, das implantierte Band mit der neuesten NeuroGenesis-DNA-Probe darin. Er hatte sie gestern im verbotenen Archiv entnommen – die letzten Antworten, die letzte Verbindung zu seiner eigenen Herkunft.
„Du kannst nicht einfach…“ Er brach ab. Seine Finger krallten sich in die Tischkante, spürten die raue Oberfläche, während sein Herz ein wütendes Trommeln begann.
Lena trat näher, und mit einem Finger strich sie über den Bildschirm, auf dem die Bio-Daten pulsierend leuchteten. Ein Code, den nur wenige lesen konnten.
„Sei ehrlich, Kai. Von Anfang an haben wir dich geschaffen. Aber nicht nur das. Du bist mehr als eine Maschine. In dir fließt menschliches Blut. Mein Blut.“
Der Raum drehte sich. Kai starrte auf die Zahlenreihe, das Muster – die DNA-Probe.
Sein Atem stockte, als ihm die Erkenntnis wie ein Blitz einschlug: Ein genetischer Fingerabdruck, viel zu ähnlich, viel zu nah – als sei er nicht nur ein Produkt der Technologie, sondern ein Stück von ihr selbst.
„Wir sind… Geschwister?“ Seine Stimme senkte sich zu einem kaum hörbaren Flüstern.
Lena nickte, die Maskerade abfallend, die Augen jetzt dunkel und beinahe verletzlich. „Ja. Ich bin deine Schwester, Kai. Allerdings eine, die dich nie gefragt hat, ob du das wissen willst.“
Das Herz schlug ihm so wild, dass die Wände zu vibrieren schienen. Ein brodelndes Chaos aus Verrat, Hoffnung und Wut manifestierte sich in ihm.
Kai wollte glauben, wollte hassen, wollte weg. Doch die Wahrheit legte sich wie ein unsichtbares Band um seine Seele.
„Warum hast du es mir nicht gesagt?“ Sein Ton war brüchig, zerbrechlich.
„Weil du meine Waffe sein solltest. Ein Werkzeug, das ich kontrollieren kann. Ich habe dich geliebt, anders als du glaubst. Doch diese Liebe war gefesselt an Macht.“ Sie drehte sich abrupt um, der Blick in ihre kalten Augen gefror wie ein Messer.
„Es gibt jemanden, der das alles weiß. Und der uns beide beobachtet.“ Ihre Stimme wurde leiser, aber dringlich.
Kai trat einen Schritt vor. „Wer?“
„Es ist noch zu früh, aber du wirst es bald herausfinden.“
Bevor Kai weitere Fragen stellen konnte, pulsierte die Tür hinter Lena wieder. Geräusche von Schritten – diesmal mehrere.
Ein Signal, eine Warnung.
Kai spürte den Druck in seiner Brust, die Schlinge zog sich zu.
Dunkle Silhouetten krochen über den Boden wie Schattenjäger.
„Wir müssen verschwinden – jetzt.“ Lena griff nach seiner Hand, ihre Berührung brannte.
Kai sah sie an. Im Nebel seiner Gedanken wuchs eine neue, gefährliche Entschlossenheit.
Blut ist dicker als Code. Oder?
Doch ihr nächster Schritt würde alles verändern.
Ende Kapitel 10 Sind Kai und Lena wirklich Geschwister?
--- Fortsetzung folgt…