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Chapter 7

Verlorene Erinnerungen

Kapitel 7 Verlorene Erinnerungen

Der kalte Nachthauch kroch durch das zerschlagene Fenster der kleinen Wohnung, ließ die dünnen Vorhänge zittern. Yannis saß am Boden, den Rücken an die Wand gelehnt, die Finger krampften um seinen Arm, der gerade einen schlimmen Schmerz ausgestrahlt hatte — als hätte sich irgendwo in seinem Inneren ein Riss aufgetan, der von dunkler Kälte durchzogen war. Schweiß perlte ihm von der Stirn. Der Aufstieg. Sein System hatte ihn nach oben katapultiert, Level 1 auf 2. Doch etwas hatte sich verändert — und es floss aus ihm ab.

Er starrte ins Leere, als spürte er, wie ein unsichtbares Vakuum seine Gedanken verschlang. Bilder, Worte, Gefühle — sie rannen durch ihn hindurch wie Wasser durch spröden Sand. Und zurück blieb nur eine Leere, die sich wie ein schwarzes Loch formte, das ihn zu verschlingen drohte.

„Was... fehlt da?“

Sein Atem ging stoßweise. Sein Herz fühlte sich an, als wolle es sich gegen seine Brustwand drücken, raus in die kälteste Nacht hinaus. Ein dumpfes Pochen in seinen Schläfen erinnerte ihn an einen dumpfen Trommelschlag, nicht von dieser Welt. Er versuchte sich zu erinnern. Doch die Erinnerungen waren gleißend hell und doch zerbrochen, wie fragiles Glas, das beim Berühren zu Staub zerfiel.

„Warum... warum verschwinden sie?“

Der Raum schien sich zu drehen. Er griff nach dem kleinen, blinkenden Gerät in seiner Hand — sein System-Interface. Es zeigte Level 2 an, den Fortschrittsbalken zwischen 27% und 28%, und darunter stand das kryptische Logo, ein verschlungener Schatten inmitten von Zahlen und Codes, die er kaum mehr verstand.

„Systemstatus: Stabil.“ Doch es fühlte sich an, als hätte es ihn verraten.

Ein dumpfes Dröhnen wühlte sich in seine Brust, dieses Geräusch aus der Tiefe seines Verstandes, ein Echo verlorener Träume. Bilder blitzten auf: Ein weißer Raum, sterile Wände, kaltes Licht. Eine weibliche Stimme, fern und doch schneidend: „Du bist mehr, als du denkst. Du bist...“ – dann Stille, Schnitte in seinem Gedächtnis wie zerrissene Filmstreifen.

Er schloss die Augen, kniff die Lider zusammen, suchte nach Worten, nach Kanten, an denen er seine Erinnerungen festhalten konnte. Doch alles glitt durch seine Finger. Ein kaum merklicher Schmerz bohrte sich wie ein Nadelstich tief hinter seine Augen.

„Verdammt...“ Seine Stimme war rau, kaum hörbar — das erste Lebenszeichen aus einem Leib, der sich anfühlte, als wäre er aus Glas gesprungen.

Leise Schritte hallten von der Nachbarwohnung herüber. Sein Herz schlug schneller, aber nicht aus Angst. Neugier mischte sich mit Verwirrung. Was war mit ihm geschehen?

Er rappelte sich auf, unsicher, mit wackligen Beinen. Die Luft schmeckte nach feuchtem Asphalt und zu lange abgestandener Stadtluft. Mit zitternden Fingern zog er das Handy aus der Tasche. Sekunden später schrillte es laut, der Bildschirm zeigte eine neue Nachricht:

„Viktor hat dich gesucht. Er weiß, dass du gestiegen bist. Pass auf dich auf. – L.“

Yannis schluckte. Die Warnung fühlte sich gleichzeitig warm und bedrohlich an. Eine vertraute Stimme, deren Herkunft er spürte, aber nicht greifen konnte.

Er wanderte zum Fenster, schaute hinaus in die Nacht. Fern, jenseits der hellen Straßenlaternen, flimmerten die Silhouetten der Dungeons, diese wuchernden Klauen anderer Welten, die wie düstere Wunden durch die Stadt rissen. Ein leichter Nebel kroch über den Asphalt, und irgendwo in der Ferne heulte ein Sirenenton. Plötzlich schien alles so unerreichbar, fremd.

„Was ist mit dir passiert, Yannis?“ flüsterte er in den Raum, als könnte die Dunkelheit ihm Antwort geben.

Ein Kribbeln lief durch seinen Nacken, das Interface vibrierte erneut. Er drückte den Knopf, das System öffnete sich. Dort, tief verborgen in einer Ecke der Benutzeroberfläche, glänzte ein Menüpunkt, den er noch nie zuvor gesehen hatte — „Erinnerungsprotokolle“.

Misstrauen flackerte in ihm auf, elektrisch wie ein Blitz. Mit einer Mischung aus Faszination und Angst öffnete er den Ordner. Die Daten luden langsam, verschwommen und fragmentarisch. Fotos, Videos? Nein, Fragmente von Szenen mit unklarem Kontext. Ein blasser Junge, der in einer verfallenen Lagerhalle stand. Hände, die etwas schoben — ein versiegeltes Buch? Seine Mutter, mit einem Lächeln, das er nicht konnte zuordnen.

Dann erschien eine Nachricht, ein Code, verschlüsselt und seltsam: „Ursprung unbestimmt. Genesis-Protokoll aktiviert. Speicherfragmente bewusst ausgelöscht.“

Yannis starrte auf die Worte, sein Herz schien einen Schlag zu verpassen. Instinktiv wollte er zurück, schließen, vergessen — aber etwas hielt ihn fest.

Der Bildschirm flackerte, und plötzlich stand dort: „Was verheimlicht unser System?“

Sein Blick verharrte, starrte auf den kryptischen Satz. Er wusste jetzt, dass er nicht nur Fortschritte im Kampf gemacht hatte, sondern auch Teile von sich selbst verloren — endgültig ausgelöscht oder vielleicht für immer verborgen.

Draußen hallte ein dumpfer Knall, als wäre eine Tür in der Dunkelheit aufgestoßen worden.

Yannis riss den Kopf hoch, sein Körper griff nach dem Messer an seinem Gürtel. Sein Atem ging schneller, der Moment ein Schnittpunkt zwischen dem, was er war — und dem, was seine unbekannte Vergangenheit für ihn bereithielt.

Das verlorene Puzzle begann sich zu bewegen. Und irgendwo im Schatten seiner Seele verbarg sich eine Wahrheit, die ihn entweder retten oder vernichten würde.

Die Nacht war noch jung. Und das Spiel hatte gerade erst begonnen.