Chapter 5
Kapitel 5 Ein unerwarteter Verbündeter
Der scharfe Klang von klingelndem Stahl hallte noch in Yannis’ Ohren wider, als seine Muskeln gezittert hatten, vor Anspannung fast zerreißend. Sein Herz hämmerte so laut, dass er sicher war, Viktor könne es hören. Vor ihm stand der Mann, dessen Präsenz die Luft wie gefroren erscheinen ließ – kaltes, schweres Gewicht, das selbst die Schatten um sie herum zu erdrücken schien.
Dann ein kurzer Satz von Victor, spitz und knurrend wie ein Tier auf der Jagd. „Du bist schneller, als ich dachte. Aber nicht schnell genug.“
Yannis spürte den Windzug, als Victor seine Klinge erneut schwang – ein donnerndes Fauchen, das knapp an seinem Hals vorbeizischte.
Seine Arme hoben sich reflexartig, der kalte Stahl schabte an seiner Haut, brachte einen scharfen Schmerz. Noch schneller, noch giftiger würde der nächste Schlag kommen, davon war er überzeugt. Doch in genau diesem Moment zerschnitt eine neue Präsenz die Luft.
Ein leichter, fast säuselnder Ton, wie von federnden Schritten auf trockenem Laub, ließ Yannis den Kopf blitzschnell drehen.
Sie war da.
Eine Frau, schemenhaft in den düsteren Schatten des Dungeons, von einer Aura umgeben, die so kalt und tödlich war wie das Herz einer Winternacht. Ihr schwarzer Lederanzug schmiegte sich an ihre geschmeidige Gestalt, und die kurzen, pechschwarzen Haare fielen ihr rebellisch ins Gesicht, das von zwei knallgrünen Augen durchbohrt wurde.
„Genug gespielt,“ sagte sie, ihre Stimme glatt und dunkel, mit einem Hauch von Provokation. „Der Boss hier ist… müde.“
Viktor wirbelte herum, die Klinge hochreißend, bereit, sich auch ihr zu widmen. Doch sie war schneller. Blitzschnell zog sie ein Paar Dolche, ihre Bewegungen waren ein flüssiger Tanz aus Schatten und Stahl.
Vor Yannis explodierte die Szene in ein Crescendo aus flinken Angriffen und kaltem Zischen von Klingen, die aufeinandertrafen.
Er stand völlig sprachlos da, die Gedanken rasten, während sein Körper instinktiv Schattenmanöver startete.
„Wer bist du?“, rief er schließlich, kaum zu hören über das Dröhnen seines eigenen Atems.
Die Frau warf ihm einen Blick zu – kurz, prüfend. Dann, mit einem dünnen, kaum erkennbaren Lächeln: „Nenn mich Nyx. Ich habe gesehen, wie du kämpfst. Du bist interessant.“
„Interessant?“ Yannis biss sich auf die Lippe, das Misstrauen krallte sich in seiner Kehle fest.
Nyx trat näher, die Dolche entspannt in ihrer Hand. „In einer Welt voller Verrat und Blut brauchst du Verbündete, no? Oder willst du das hier allein durchstehen?“ Ihr Ton war provokativ, fast herausfordernd.
Die Schatten des Dungeons schienen sich enger um sie alle zu ziehen, und Yannis spürte die Last dieser Begegnung in jedem einzelnen Faser seines Körpers.
„Warum hilfst du mir?“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch in ihr lag eine scharfe Kante.
Sie sah ihn aus ihren grünen Augen an, das Leuchten kalter Geheimnisse darin. „Weil ich meine eigenen Ziele habe. Und dich könnte ich brauchen – für das große Spiel, das sich hinter diesem Dungeon verbirgt.“
Noch bevor Yannis antworten konnte, fuhr ihr Blick zu einer Bewegung im Schatten. Ein dumpfes Knurren, das durch den kalten Stein hallte.
„Zeit zu verschwinden“, sagte Nyx knapp. „Folge mir, wenn du überleben willst.“
Ohne eine weitere Erklärung wandte sie sich um und glitt in die Finsternis. Eine Einladung. Oder eine Falle?
Die Konsequenz blieb zwischen ihnen schwebend, wie eine unsichtbare Drohung.
Yannis zögerte, spürte das Gewicht der Entscheidung brennen. Vertraut sie ihm wirklich? Oder sieht er nur die Maske, hinter der sich eine dunkle Agenda verbirgt?
Mit schnellerem Schritt folgte er ihr, die Klingen ihres letzten Gefechts noch im Nacken brennend.
Der Dungeon atmete, lebte und flüsterte Geheimnisse, die nur die Toten hörten.
Und irgendwo in der Dunkelheit wartete Viktor – und noch größere Schatten.
„Du wirst lernen“, flüsterte Nyx ohne sich umzudrehen. „Nicht jeder Verbündete trägt sein Herz auf der Zunge.“
Yannis schluckte schwer. Hier draußen gab es keine Sicherheiten. Nur Schatten. Und den verzweifelten Drang zu überleben.
Das Spiel hatte gerade erst begonnen – und mit Nyx an seiner Seite war nichts mehr wie zuvor.
Doch tief in seinem Innersten blieb die Frage: War sie wirklich die Rettung – oder eine neue Fessel?