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Chapter 16

Die Belagerung des Dungeons

Kapitel 16 Die Belagerung des Dungeons

Der kalte Hauch der Verratenheit kroch wie eiskalte Finger die Wirbelsäule von Yannis hinab. Sein Herz hämmerte wild in der Brust, der knirschende Boden unter seinen Füßen fühlte sich plötzlich fremd an — ein Zementblock aus Furcht, Entschlossenheit und rasender Wut. Die Maske des Mentors, die lange den Blick verdeckt hatte, war gefallen, und darunter lauerte nicht nur Verrat, sondern eine finstere Entschlossenheit.

„Warum?“, flüsterte Yannis, seine Stimme ein rauer Kratzer in der schneidenden Stille des Dungeon-Eingangs.

Die grauen Wolken hatten sich zusammengezogen, warfen düstere Schatten über die zerklüfteten Granitfelsen ringsum. In der Ferne begann ein Fauchen zu grollen – kein Wind, kein Donner. Monsterschreie, brüllende Kriegerstimmen und das unheilvolle Klirren von Klingen.

Vor ihm, im Dämmerlicht des anbrechenden Abends, sammelte sich die Horde. Söldner in grober Lederpanzerung, Männer mit so hungrigen Augen, dass sie das Leben selbst zu verschlingen schienen. Dahinter krochen klumpige, pulsierende Wesen, deren blasse Haut wie moderndes Pergament schimmerte. Schattenhafte Formen, deren viskose Tentakel gierig nach Luft schnippten. Die Luft war feucht und roch nach modrigem Stein und verfaulendem Fleisch.

Yannis spürte, wie sich Schweißperlen an seiner Stirn sammelten und in seine Augen sickerte. Er schüttelte den Kopf, zwang sich zu klarer Atmung, jeder Muskel angespannt, bereit. Das System pulsierte in seinen Adern, eine eisige, leise Stimme, die ihm Befehle ins Ohr flüsterte.

Bereitstellung verhärteter Schattenrüstung. Energieschild: 32%.

Seine Finger zuckten, als Schatten aus dem Boden emporstiegen und sich um seine Gliedmaßen wanden. Eine zweite Haut, die ihn vor Angriffen abschirmte und seine Bewegungen in die Geschwindigkeit eines Raubtiers verwandelte.

Das erste Gebrüll brach los, ein Trommelfeuer von Stimmen und Geschrei.

Yannis stellte sich mitten auf den schmalen Bergpfad, die Klinge seines Schattendolches zog einen flüchtigen Schleier aus blauem Licht in die Luft. Mit einem Satz sprangen die ersten Söldner vor, ihre Speere senkten sich wie eine drohende Wand.

Die Klinge schnitt durch die Luft, ein mechanisches Summen begleitete seine Bewegungen, als er den Angreifern auswich – zuckend, fließend, ein Schatten unter Schatten. Jeder Schlag ein gezielter Hieb, jeder Sprung das Ausnutzen der Dunkelheit. Doch es waren zu viele.

Es dauerte nicht lange, bis der erste Pfeil seine Rüstung durchbohrte. Ein stechender Schmerz jagte durch seinen linken Oberarm, heiß und beißend. Yannis biss die Zähne zusammen, endlich brachte der Schmerz ihn zurück zur Nüchternheit – er war verwundbar. Sterblich.

Hinter den Söldnern stoben riesige Bestien hervor. Ihre zähe Haut schimmerte bassbleiweiß im letzten Tageslicht, ihre Klauen rissen Risse in den Steilhang, während sie mit vernichtender Stärke nach Yannis griffen.

Der Boden bebte. Steine rutschten an den Rändern des Bergpfades, Staubwolken stiegen auf. Mit einem kräftigen Stoß katapultierte er sich zurück, taumelte an einen Felsvorsprung, wobei er die letzten Kräfte des Systems mobilisierte.

Schattenschritt aktiviert.

Wie von Geisterhand geführt – Yannis verschwand. Einen Wimpernschlag später stand er hinter einem der bestialischen Krieger, dessen stählerne Axt sich ebensogegen seine Brust senkte.

„Was zum...?“ keuchte der Söldner – bevor die Klinge blitzte und ihm keuchend die Kehle durchschnitt.

„Das... kann nicht sein“, murmelte ein anderer, der sich umdrehte. Yannis benutzte die Verwirrung, um sich blitzschnell zu einem schmalen Spalt zwischen Felsen zu ziehen. Atmen. Nachdenken.

Seine Wunden bildeten dunkle, endlich eintretende Flecken auf seiner dunklen Rüstung, doch schlimmer war das brennende Ziehen in der Brust – ein dumpfer Druck, als ob jemand seine Lunge mit Stahl umklammerte. Er musste aus dieser Klemme raus.

Die Monster nutzten ihre Zahlen. Er spürte die klaffenden Wunden des Erschöpfens ziehen, das Kehlenräuspern und das Flüstern des Systems, das ihn warnte.

Energieschild kritisch. 5 Sekunden bis Erneuerung.

Mit einem wilden Aufschrei riss sich Yannis los, schleuderte einen Schattenfaden quer über den Pfad, der einen der wuchtigen Bestien umklammerte. Wie ein Seil zog er den Koloss nah — ein gewaltiger Schlag mit der Schriftklinge in die Schulter, Fleisch platzte und pulsierte.

Das Vieh schrie auf, stürzte rückwärts, stolperte über einen losen Stein und fiel in die Tiefe des schattigen Abgrunds.

Doch kaum war der Schattenvorhang gefallen, hatten die Söldner eine neue Formation gebildet.

„Die Wände halten nicht! Meldet den Informationskern, wir brauchen Verstärkung!“ donnerte ein drahtiger Offizier mit einer Narbe quer über die Nase.

Yannis wusste, der Kern war weit entfernt — es würde dauern, bis Hilfe kam. Zu lange. Er war der letzte Verteidiger auf dem Fels – das Tor musste bis zum letzten Atemzug gehalten werden.

Er atmete tief durch. Die feuchte, kalte Luft brannte in seinen Lungen, die Schatten sammelten sich um ihn wie eine zweite Haut, eine letzte Burg.

„Ich bin nicht bereit zu sterben“, murmelte er, mehr zu sich selbst, als zu den Feinden, die ihm näher rückten.

Mit einem Ruck ließ er sich in die Dunkelheit fallen, tauchte unter den Klaumengen der Gegner hindurch und nutzte den unberechenbaren Schattenpfad. Ein Blitz aus Stahl, ein Atemzug voller Zähigkeit, ein Tanz auf der Kante des Wahnsinns.

Die Angreifer begannen zu fallen. Doch mit jeder Sekunde stieg die Zahl der Monster und Söldner. Die Lanze des Angriffs wich keiner Passage zurück.

Erschöpfung kroch an seine Glieder, brannte wie ein kaltes Feuer in seinem Rücken. Hände wurden schwer, Beine wollten ihm nicht mehr gehorchen. Doch Yannis zwang seinen Blick geradeaus, an das Ziel.

Als der Mond sich zwischen die Wolken schob, glitt eine kühle Stille durch die Landschaft, nur für Sekunden — dann brach ein ohrenbetäubender dumpfer Donnerschlag das Schweigen.

Dort, wo die Wand aus Feinden am dichtesten war, zerbrach der Boden plötzlich, ein gähnender Abgrund, als wäre die Erde selbst entfesselt worden.

Ein Schrei entfuhr den Reihen der Angreifer, als Schatten vortauchten, die nicht menschlich waren.

Yannis’ Puls raste, sein Blick blitzte in die Tiefe.

Keine Zeit zum Nachdenken. Jede Sekunde zählt.

Er bereitete sich vor, schluckte die Schmerzen hinunter, während die nächste Welle anstürmte.

„Kann ich das durchhalten?“, rief die Stimme in seinem Kopf – eine schneidende Herausforderung. Und draußen, am Rand seines Sichtfeldes, formten sich Bewegungen, die nichts Gutes verhießen.

Der Kampf war nicht vorbei. Er stand allein. Und alles, alles hing an diesem Moment.

Ein letzter Aufschrei hallte durch den düsteren Bergpfad.

Die Belagerung des Dungeons hatte gerade erst begonnen.

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Kann er den Ansturm auf Dauer abwehren oder steht alles auf dem Spiel?