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Chapter 14

Der Preis der Macht

Kapitel 14 Der Preis der Macht

Der eisige Wind schnitt wie scharfe Klingen durch die zerklüfteten Gassen der verfallenen Fabrikanlage. Yannis' Atemschwaden wirbelten um sein Gesicht, während er auf dem kalten Beton saß, den Rücken gegen eine rostige Stahlwand gelehnt. Seine Brust hob und senkte sich heftig, jeder Herzschlag schlug wie ein dumpfer Trommelschlag in seinen Ohren. Die Kälte bohrte sich bis in die Knochen, doch noch viel tiefer schnitt das beunruhigende Ziehen in seiner Seele.

Sein Blick war leer, die sonst so lebhaften Augen schienen ausgetrocknet, als wäre ein Teil von ihm bereits verdampft. Die Schatten um ihn herum verwandelten sich in lebendige Peiniger, während das unheilvolle Echo von Viktors Worten immer wieder gegen seine Vernunft schlug.

„Du hast geglaubt zu fliehen, Yannis? Deine Flucht war nur der Anfang meines Plans.“

Er tastete nach dem kleinen Gerät an seiner Brust, das pulsierende System, das ihm eine Macht verlieh, von der er nie zu träumen gewagt hatte – und doch kostete diese Kraft ihn mehr, als ihm lieb war. Jedes Mal, wenn er einen Level aufstieg, spürte er ein Ziehen, als würde ein Teil seiner selbst herausgerissen werden.

Seine Finger zitterten, als er den Bildschirm aktivierte. Eine Liste flackerte auf, rote Balken, Zahlen, Symbole – doch da war etwas, das vorher nie da gewesen war. Ein neuer Abschnitt, versteckt unter den Zaubern und Fertigkeiten: „Emotionen - Entfernte Erinnerungen.“ Wie eine Warnung brannte diese Zeile in seinen Verstand. Ein Dröhnen setzte ein, und Bilder flackerten auf – flüchtige Momente seines Lebens, Namen wie verblassende Geister.

Der Geschmack von Metall stieg ihm in den Mund, ein feiner bitterer Nachgeschmack.

„Was verliere ich... mit jeder Stufe?“, murmelte Yannis. Seine Stimme war rau, kaum mehr als ein Flüstern, das in der kalten Nacht verschwand.

Er schloss die Augen, atmete tief ein und versuchte, die Bilder zu ordnen. Ein Lächeln seiner Mutter, warm und ehrlich, verflüchtigte sich in nebligen Schwaden. Das Gefühl seiner ersten Liebe, erfüllt von Hoffnung und Angst, löste sich in einem Schatten auf. Freunde, Gespräche, sorglose Tage – alles zerrann, wie einkristallisierte Tropfen, die auf bröckelndem Eis liegen.

Ein kalter Knoten schnürte seine Kehle zu, die Verzweiflung kroch wie eine unsichtbare Schlange unter seine Haut.

Er fühlte sich zwischen zwei Welten zerrissen: der Kampfmaschine, die das System ihn formen ließ, und dem Menschen, der er einmal gewesen war. Doch mit jedem Level stahl das System weiter und nahm ihm Stück für Stück seine Seele.

Ein leises Geräusch ließ ihn aufspringen. Sein Herz raste. Aus dem Schatten trat eine kauernde Gestalt hervor.

„Du wirst bezahlen, Yannis. Aber nicht nur mit deinem Blut. Dein Herz wird ebenso bluten.“

Viktor stand vor ihm, seine Augen glänzten kalt und durchdringend, als hätte er schon lange akzeptiert, was Yannis noch fürchtete.

„Wie viel Menschlichkeit kannst du verlieren, bevor du dich selbst nicht mehr erkennst?“ Viktor lächelte leise, ein Lächeln, das wie Gift schmeckte.

Yannis hob die Hand, das System pulsierte. Die Macht floss durch seine Adern, wollte übermächtig sein, ihn zu etwas jenseits der Grenzen der Menschlichkeit formen.

Und doch, in diesem Moment, spürte er erstmals die bittere Wahrheit in der Dunkelheit der Macht.

„Wenn ich verliere, wer ich bin … wer bleibt dann von mir übrig?“

Stille.

Der Wind flüsterte seine Antwort.

Und dann – das Klirren einer Klinge, die aus dem Schatten gezogen wurde.

Yannis’ Augen rissen sich auf.

Wie viel kann ein Mensch opfern, bevor er sich selbst verliert?

Ein Schritt. Ein Atemzug. Die Dunkelheit hielt den Atem an.

Das Spiel begann von Neuem.