NoveliqaImperium der Schatten: Flammen im Glaspalast / Der Verrat aus nächster Nähe :0%
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Chapter 6

Der Verrat aus nächster Nähe

Kapitel 6 Der Verrat aus nächster Nähe

Der leise Widerhall des Schließens hallte noch in Laras Ohren, als die kühle Stille des Raums sich wie eine Mauer vor sie stellte. Markus war gegangen. Nicht einfach fort – verschwunden in einem Schatten, den sie eben noch nicht fassen konnte. Ihr Herz schlug hämmernd gegen den Brustkorb, und die Luft schien plötzlich dünner, als hätte das Zimmer selbst den Sauerstoff gestohlen.

Lara stand reglos, die Fingerspitzen am schwarzen Lederarm der Sessellehne presste sie zusammen, bis die Haut weiß wurde. Ihr Blick suchte die Tür, doch sie fand dort nur den abgeschlossenen Ausgang, trostlos und unbarmherzig. Ein kaltes Prickeln kroch an ihren Handgelenken hoch.

„Vertraut... unvertraut...“ Ein Mantra, das sich wie ein Sturzbach durch ihren Kopf wälzte.

Markus – der Mann, der ihr so oft eine sichere Schulter geboten hatte. Ihr Anker in all dem Mahlstrom aus Intrigen und Flickwerk. Und nun? Ein Spion Viktor Brandts? Ein Dolch im Herzen ihres Imperiums, so nah, dass sie ihn fast nicht hatte spüren können.

Sie erinnerte sich an die kleinen Momente, die ihr nun wie splittriges Glas in der Erinnerung schnitten: das hastige Verheimlichen von Nachrichten auf seinem Mobilgerät, flüchtige Blicke voller Schuld, die sie zuvor nicht hatte deuten können.

Ein bitterer Geschmack schwoll in ihrem Mund an, ein Mischen aus Zermürbung und Verrat. Lara setzte sich schwer auf die Kante des Sofas. Die Hände gegen die Linie ihres nackten Nackens gepresst, suchte sie Halt im Rauschen ihrer eigenen Atmung.

Draußen auf dem Glasdach des Palastes war die Metropole in ein kaleidoskopisches Meer aus Lichtern getaucht. So viele Beine, so viele Augen, so viele Stimmen — doch hier drin war sie allein mit dem Schatten, den Markus gerissen hatte.

Ein leises Klicken.

Sie hob den Kopf. Das Licht, das sich vor Sekunden noch im Stahl und Glas reflektiert hatte, schien plötzlich gedämpft.

Die Tür, die eben Marcus verlassen hatte, stand jetzt einen Spalt offen. Ein Schatten huschte vorbei.

„Lara.“

Die Stimme war flüsternd, matt, aber unverkennbar. Es war Emil, ihr IT-Vertrauter. Seine Augen schimmerten dunkel unter der Maske aus Sorgen.

„Ich... ich musste reinkommen, bevor Markus kam.“ Seine Stimme war belegt, aber eindringlich. „Die Aufzeichnungen — sie sind schlimmer, als wir dachten.“

Sie richtete sich auf, der Schmerz in ihrer Brust verschmolz zu einer tödlichen Mischung aus Zweifel und Wut. „Was hast du herausgefunden?“

Emil schob sich näher, den Blick nicht von ihr abwendend. „Markus kommunizierte direkt mit einem außerbetrieblichen Netzwerk. Viktor hat einen Maulwurf, Lara. Er trägt keinen offensichtlichen Knopf, keine Kamera bei sich. Für Viktor ist es kein Spiel mehr – es ist Krieg.“

Lara spürte, wie eine Welle von Eis durch ihre Adern schoss. „Du meinst, Markus...“

„Ja. Der Verräter sitzt mitten in unserem Team.“ Emils Stimme zitterte. „Genau da, wo wir ihn am wenigsten vermutet haben.“

Ein kurzer, scharfer Schmerz schnitt durch Laras Seite. Sie lehnte sich an den kalten Fensterrahmen, die Silhouette der Stadt als kalter Spiegel ihrer eigenen Einsamkeit.

„Und was jetzt?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein zerbrechliches Flüstern.

Emil zögerte, dann holte er tief Luft. „Jetzt musst du vorsichtig sein. Jeder Schritt, jedes Wort könnte abgehört werden. Viktor hat das Netz zugezogen. Wir... wir müssen deine Verbündeten in den Schatten finden.“

„Und wem kann ich noch trauen?“ Lara sah ihm direkt in die Augen, die von Zweifeln durchzogen waren.

Emil erwiderte ihren Blick mit einem Funken Entschlossenheit. „Ich stehe hinter dir.“

Doch als die Uhr neben ihnen leise tickte, wusste Lara, dass Worte alleine sie nicht retten konnten. Der Verrat war kein ferner Sturm mehr, sondern ein giftiger Pfeil, der direkt auf ihr Herz zielte.

Dann, ohne Vorwarnung, ertönte ein leises Klicken an der Tür, gefolgt von einem dumpfen Geräusch, als sie ins Schloss fiel.

Lara hob den Kopf, Blut raste ihr in den Ohren. Emil war plötzlich nicht mehr da.

Die Stille um sie herum hatte sich verflüchtigt.

Sie war ganz allein.

Und draußen, in den spiegelnden Schatten der Glasfassaden, war die Jagd eröffnet.

Wer war das nächste Opfer?

Mit zitternden Fingern tastete Lara an der Wand nach dem versteckten Sicherheitsknopf ihres Glasbürostuhls.

Dann stockte ihr der Atem.

Jemand trat ins Licht.

Ein kaltes Lächeln zog sich über ein bekanntes Gesicht.

„Schön, dass du dich so tapfer schlägst, Lara.“

Die Tür schwang lautlos auf —

Und das Imperium stand auf dem Spiel.