Chapter 16
Kapitel 16: Hinter verschlossenen Türen
Laras Herz schlug wie ein Signalfeuer in ihrer Brust. Die kalte Luft hinter der Tür schmeckte nach Metall und Verrat.
Ein schmaler Lichtstreif schnitt durch die schwärzliche Dunkelheit, reflektierte ihre gespannte Miene auf dem polierten Boden. Sie presste die Handfläche gegen die Wand, die Finger suchten Halt an der glatten Oberfläche, die unter ihrer Berührung wie Eis erschien.
Mit defragmentiertem Atem trat Lara durch den Spalt, als würde sie durch ein Portal in eine andere Welt schreiten — eine, die ihr bislang verborgen geblieben war.
Der Flur endete in einem simplen Kontrollterminal, sein Bildschirm geflutet von blaulichen Codes und pulsierenden Diagrammen, die eine seltsame Mischung aus Wissenschaft und Strategie verrieten.
Plötzlich vibrierte ihr Implantearpiece leise, ein innerliches Flüstern, das sie wie ein scharfer Dolchstich erschauerte ließ.
Sie drehte sich um, den Nacken kribbelnd vor Alarmbereitschaft.
Da war nichts — nur die endlosen Spiegelungen der Glaswände, die das schwache Licht zurückwarfen und Illusionen erzeugten.
Eine tiefe, sterile Stille füllte den Raum, unterbrochen nur vom leisen Summen der Apparate und dem fernen Ticken einer Industrieluhr.
Lara kniete sich vor ein metallisches Gehäuse, dessen Oberfläche von unzähligen Verschlussbolzen durchdrungen war. Ein Datenpad lag daneben, fast vergessen, der Bildschirm dunkel, als hätte jemand die Präsenz ihrer Entdeckung ahnen können.
Mit zitternden Fingern aktivierte sie es.
Das Display erwachte mit einem grellen Aufblitzen, zeigte schematische Darstellungen von menschlichen Silhouetten, die in torsionsartigen Apparaturen eingeklemmt waren. Ein leises Röhren und Summen schwang durch die Lautsprecher.
Lara glaubte, ihren eigenen Herzschlag darin widerhallen zu hören.
Das war kein Forschungsprojekt mehr. Keine harmlose Innovation.
Sie starrte auf die Bildreihenfolge: gentechnische Eingriffe, neuroelektronische Schnittstellen, psychopharmakologische Profile. Namen, die ihr bekannt vorkamen – Mitarbeiter, teils vermisst, vermutet verschoben in dieses Geheimprogramm.
„Sie… sie setzen Gefangene ein,“ flüsterte Lara mit bebender Stimme, „Experimentelle Schutzmaßnahmen für das Imperium. Als lebende Währung im Schatten ihres Krieges.“
Die Bitterkeit kroch wie kaltes Gift die Kehle hinauf.
Der Glaspalast, glänzend nach außen, ein Mausoleum aus Illusionen im Inneren.
Jemand hatte Absperrungen eingerichtet, die nicht einmal Viktor gewähren wollte.
Ein dumpfer Metallschlag hallte aus der Ferne, Echo in den Gängen.
Instinktiv fuhr Lara herum.
Ihre Sinne spannten sich an, als spürte sie den ersten Hauch von Gefahr.
Sie zog das dünne Messer aus ihrem Stiefel, die Klinge glänzte matt im Neonlicht.
Vorsichtig schlich sie rückwärts, stets die Schatten abtastend.
Der Flur hinter ihr war schwarz, kaum mehr als ein Riss aus Schatten und Licht.
Noch bevor sie die nächste Biegung erreichte, blendete ein kaltes, metallisches Klicken die Stille – Schritte, leise und doch präsent, zu kontrolliert, um zufällig zu sein.
„Wer ist da?“ Ihre Stimme hallte zwischen den glatten Wänden wider, ein scharfes Messer in der ruhigen Luft.
Keine Antwort.
Eine Silhouette glitt in den düsteren Korridor, kaum mehr als ein Flimmern an der Grenze des Blickfelds. Ein Schatten, der sich bewegte, spähte.
Laras Finger zitterten auf dem Griff des Messers. Sie spürte, wie die parasitäre Kälte in ihrer Brust sich ausbreitete – eine Mischung aus Angst, Trotz, der brennenden Erkenntnis, dass sie nicht allein war.
Sie wollte weglaufen, doch ihre Beine waren Beton.
Der Schatten kam näher, ein scharfes, fast leises Knirschen auf dem Glasboden.
Lara presste sich gegen die Wand, schloss geduckt die Augen, hörte nur noch das Trommeln ihres Herzens und die stetigen Atemzüge.
Als der Schatten sich über sie beugte, lief ihr ein kalter Schauer über den Nacken.
„Du hast dich tief eingemischt, Lara,“ hauchte eine unverkennbare Stimme, rau und kalt wie ein Messer, „und das Imperium vergibt keine Neugier.“
Ein langer Moment hing in der Luft, zersplittert vom Echo eines plötzlich klickenden Schalters.
Ein Blitz grellen Lichts brannte ihr die Netzhaut — und dann war da nur noch Dunkelheit.
Der Glaspalast atmete sein finsteres Geheimnis weiter.
Ende Kapitel 16