Chapter 13
Kapitel 13 Ein blutiger Fehltritt
Der Funken flog. Plötzlich zischte die Luft elektrisch, und das sterile Neonlicht über dem Marmorboden flackerte, als hätte das Imperium selbst den Atem angehalten. Lara kniff die Augen zusammen, die Kehle brannte vor trockener Panik. Ihre Finger suchten den kühlen Metallgriff der Scheibe, doch die Türe blieb verschlossen.
»Systemstörung. Unbekannte Manipulation erkannt«, wiederholte die Stimme aus dem Lautsprecher, kalt und monoton wie ein Todesurteil.
Draußen auf dem Korridor hallte ein dumpfer Aufprall. Schritte – schwer, hektisch, nicht synchron. Das scharfe Kratzen von Stahl auf Stein schnitt durch die Stille. Lara bekam einen trockenen Geschmack im Mund. Sie war eingesperrt, und irgendetwas war gründlich aus dem Ruder gelaufen.
Ein Knirschen.
Ein dumpfer Schlag gegen die Holztür am Ende des Flurs, gefolgt von einem erstickten Fluch.
Lara drückte sich mit dem Rücken gegen die Glasscheibe, spürte den kalten Schweiß, der wie kleine Kristalle auf ihrer Haut prickelte. Ihre Gedanken rasten, und das Pochen in ihren Schläfen verwandelte das Leuchten der Bildschirme in nur noch verschwommene Lichtfelder.
»Was zum…?« Die Stimme war rau, männlich, unverkennbar Viktor Brandts.
Ein jäher Schmerz zog durch ihre Brust, ein Stich, nicht nur körperlich. Dieses Imperium – ihr Erbe, ihr Gefängnis – zerbrach im Moment in tausend Splitter aus Glas und Blut.
Ein dumpfes Krachen ließ sie zusammenzucken, als ein Schatten durch das Glasfenster huschte. Viktor trat ein, sein Blick wie eine Bergspitze aus Eis – unerbittlich, scharf, verschlungen von einem kalten Feuer. Hinter ihm folgten zwei seiner Männer, schwer bewaffnet, die Augen voll feindlicher Entschlossenheit.
»Lara«, seine Stimme war ein Bündel aus Gift und Verachtung. »Du hofftest wirklich, du kannst dich verstecken? Den Kontrollverlust abwenden?«
Ihre Lippen bebten, doch kein Laut kam heraus. Der Raum drehte sich, das staubige Licht zeichnete scharfe Muster auf den glänzenden Boden. In ihren Ohren rauschte nur noch das bedrohliche Summen des Sicherheitsnetzwerks, das sich von innen nach außen spannte.
Draußen knallte eine Tür, Schreien – panisch, verzweifelt. Etwas riss ihr Herz wie ein Feuer, das nicht zu löschen war.
Lara wusste, dass sie keine Zeit mehr hatte.
»Du kannst nicht gewinnen«, sagte Viktor, und jede Silbe schnitt wie ein scharfes Messer durch die Luft. »Gib auf. Entscheide dich, Lara. Auf welcher Seite stehst du wirklich?«
Der Raum zog sich zusammen, wenige Sekunden hing die Zeit in der Schwebe wie ein Messer, das über ihrem Hals flog.
Dann, plötzlich, ein weiterer lauter Knall, gepaart mit einem dumpfen Aufschrei. Einer von Viktors Männern griff sich an die Schulter, ein rotes Blutspritzern zog eine scharfe Linie über seinen Hemdärmel.
»Wir sind infiltriert!«, rief der Verletzte, das Gesicht verzerrt vor Schmerz und Panik.
Die zweite Kugel sauste. Lara wich zurück, spürte, wie sich ein stechender Schmerz in ihrer Seite festsetzte, heiß und unerbittlich.
Das Casino zerbrach in Chaos.
Lara taumelte, griff nach Viktor, wusste, dass sie zur Wahl gezwungen war: Kampf oder Aufgabe. Ihre Welt zersplitterte, und zwischen all dem Flammenmeer stand nur diese eine Frage – wem gehörte ihr noch ihr Herz?
»Lara!«, dröhnte die Stimme ihrer digitalisierten Assistentin, diesmal panikgeschwächt, »Sicherheitsprotokolle aktivieren!«
Die Türen surrten, doch sie schlossen sich nicht schnell genug.
Die Schatten rissen sie auseinander.
Und da, in diesem letzten, zerreißenden Moment – ein kalter Hauch von Freiheit oder Verderben.
Die Entscheidung lag in ihren blutverschmierten Händen, und die Wahl würde alles verändern.
Ende Kapitel 13