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Chapter 12

Verdeckte Operationen

Kapitel 12 – Verdeckte Operationen

Das Geräusch hallte in der drückenden Stille nach, schien jedes Molekül im Raum in eine erstarrte Erwartung zu zwingen. Die Stahltür glitt weiter auf, Donnern blieb aus, nur das leise Surren der automatischen Öffnungsmechanik setzte ein unheilvolles Crescendo. Lara stand wie gelähmt, Herzschlag wild, doch die Muskeln angespannt wie beim Tiger vor dem Sprung.

Im matten Licht des Gangflurs zeichnete sich eine Silhouette ab. Groß, schmal geschnitten, die Schultern gerade – ein Mann. Kein Bekannter. Kein Verbündeter, das wusste sie sofort. Die Luft schien sich zusammenzuziehen, kalt und schwer, als hielt sie den Atem an. Lara zwang sich zu einem leisen Räuspern, der feuchte Kloß im Hals blieb dennoch.

Der Mann trat einen halben Schritt vor, die Schatten verwischten seine Gesichtszüge. Erst jetzt erkannte sie das kalte Funkeln in seinen Augen. „Falsche Adresse, Frau König“, sagte seine Stimme, dunkel und kontrolliert. „Sie haben besseres zu tun, als sich in Dinge einzumischen, die Ihre Gesundheit übersteigen.“

Ein dünnes Lächeln zitterte über Laras Lippen, obwohl der Druck in ihrem Brustkorb unerbittlich anzog. „Ich habe keine Zeit für Warnungen, Herr Brandt. Und auch keine Lust, mich bedrohen zu lassen.“

Viktor Brandt. Der Name allein genügte. Wie ein Gift, das erst langsam und dann mit voller Wucht wirkte. Die bedrohliche Präsenz, die er ausstrahlte, schnürte ihr die Kehle zu. Doch sie weigerte sich, den Raum für sich zu beanspruchen. Für sie war es jetzt Kampf oder Untergang.

„Du tötest meine Hoffnungen mit deinem Starrsinn“, entgegnete er scharf. „Aber das Imperium braucht keine Schwäche – und erst recht keine Erbin, die langsam zerbricht.“

Lara spürte, wie ein eiskalter Schleier über ihre Stirn kroch. „Und du bist der Held, der es retten will?“, spuckte sie. „Mach dich nicht lächerlich.“

Viktor grinste, beängstigend breit, eine Maske aus Dominanz. „Ich bin derjenige, der die Fäden zieht. Alles andere ist nur eine Frage der Zeit.“ Er trat zurück, ließ die Tür knarzend hinter sich schließen. Das Knistern, das seine Drohung hinterließ, summte noch lange in der klaustrophobischen Luft.

Sobald die Tür ins Schloss fiel, lehnte Lara sich gegen die Wand, der Stahl hinter ihr fühlte sich eiskalt an, als wolle er sie festhalten und nie wieder loslassen. Ihr Atem kam keuchend, das Adrenalin pochte in den Adern wie ein lauter Trommelschlag. Doch aus Angst wollte sie sich nicht ergeben. Im Gegenteil: Das war der Funke, der alles entfachte.

———

Zwei Stunden später saß Lara im Schutz eines anonymen Cafés am Rande des Glaspalastviertels, den Blick auf die hektischen Straßen gerichtet. Die Neonlichter spiegelten sich gläsern auf dem nassen Asphalt, der Regen hatte erst kürzlich nachgelassen. Auf dem holografischen Bildschirm ihres Tablets flogen Datenströme durch ein eigens programmiertes Analyseprogramm.

Sie zog eine Zigarette aus der Schachtel und ließ die Finger unerwartet ruhig auf das Display tanzen, systematisch verknüpfte sie Schattenprofile, verschlüsselte Kommunikationen und unauffällige Firmenübertragungen. Ihre verdeckten Ermittlungen hatten gerade erst begonnen, und jeder Klick war ein Schritt tiefer in den Sumpf der Intrigen.

Ihre Finger stoppten an einem Namen: „Helena Mars.“ Eine vermummte Adresse, eine unbekannte Vertraute aus Viktors innerstem Kreis.

Ein Knistern. Das Cafételefonsignal hatte ihre Aufmerksamkeit abgelenkt. Sie hob den Blick – kein Anruf, nur die Erwartung von Nachrichten. Noch bevor sie reagieren konnte, vibrierte ihr Handy mit einer Nachricht, die aus dem Nichts zu kommen schien:

„Vorsicht, Lara. Nicht jeder, der dir nahesteht, ist ein Verbündeter.“

Ein bitterer Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus. Jemand spielte mit ihr – oder gegen sie. Wer?

———

Zurück im Penthouse, die gläsernen Räume funkelten kühl, als wollten sie Laras Verstand spiegeln. Sie schloss die Vorhänge, die funkelnde Welt draußen wirkte plötzlich wie eine ferne Galaxie. Ihr Blick wanderte zu den Überwachungskameras in den Ecken des Raumes, jedem blinkenden Punkt.

Sie wusste, irgendwo da draußen krochen Schatten. Geheimnisse, die sich im Dunkel verbargen.

Agenten, Spitzel, Verräter.

Lara schloss die Augen, zählte tief bis zehn. Dann entschied sie sich: Sie würde selbst die Spielfigur werden, die die Züge kontrolliert. Keine Marionette, keine Opferrolle.

Ihre privaten Ermittlungen mussten Ergebnis bringen. Sofort.

———

Ein leises Klopfen an der Tür.

Ihr Herz setzte einen Schlag aus.

»Wer ist da?«

Keine Antwort.

Langsam näherte sie sich, ihren Blick scharf, jede Faser angespannt.

Sie öffnete die Tür nur einen Spalt.

Nichts.

Doch auf dem Boden lag ein kleiner Umschlag. Hatte jemand ihn hineingeschoben?

Lara kniete, nahm den Umschlag vorsichtig auf. Stilistisch schlicht, ohne Absender. Nur drei Worte, in einer Schrift, die sie sofort erkannte:

„Vertrau niemandem hier.“

Ihr Atem stockte in ihrem Hals – ein Stich tief ins Mark.

Sie drehte sich um, blickte durch die Schatten ihres eigenen Domizils. Wer war hier eingedrungen? Wer ließ diese Falle fallen? Jemand ganz nah, zu nah.

Die Temperatur im Raum fiel plötzlich wie an einem Wintermorgen. Lara wusste, sie stand nicht nur im Zentrum eines Spiels – sie war die Hauptfigur, der Gejagte.

Und die nächste Falle war bereits gestellt.

Ein leises Summen fiel ihr auf, kaum wahrnehmbar, doch in ihrer verstärkten Wahrnehmung ein lautes Alarmzeichen. Ihr Rücken raste im kalten Schauer hinunter.

»Systemstörung. Unbekannte Manipulation erkannt«, flüsterte ihre eigene digitale Assistentin aus dem Lautsprecher.

Das Spiel hatte begonnen.

Das Imperium der Schatten zog seine Fäden enger.

Und Lara König war mitten drin.

Ende Kapitel 12.