NoveliqaIm Schatten der Wiederkunft: Das Erwachen der Verbannten / Die Prophezeiung der Wiederkunft :0%
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Chapter 5

Die Prophezeiung der Wiederkunft

Kapitel 5 Die Prophezeiung der Wiederkunft

Der Wald schien den Atem anzuhalten. Nur das leise Knacken von Zweigen unter Elias’ schweren Stiefeln durchbrach die gespenstische Stille, während sein Mantel vom nasskalten Wind zerzaust wurde. Das Amulett an seiner Brust pulsierte in einem dumpfen, roten Schein—als wolle es ihm etwas sagen, eine Warnung flüstern, die er kaum zu fassen vermochte.

Sein Herz hämmerte gegen die Rippen, und doch war er vor allem erschöpft—von dem Gewicht der dunklen Worte, die auf ihn lasteten. „Wird die Dunkelheit mich zerreißen?“ Sein eigener Gedanke war kaum mehr als ein Flüstern im toten Holz des Waldes.

Dann, vor ihm, tauchte eine Gestalt auf—ein Wanderer. Sein Mantel war zerschlitzt, das Haar silbern und zerzaust vom Wind, und doch strahlte er eine Ruhe aus, die Elias’ innere Zerrissenheit noch schärfer hervorhob. Die Augen des Fremden glänzten kalt und durchbohrten Elias, als suchten sie direkt nach der Wahrheit in seiner Seele.

„Du trägst das Amulett des Vergessens,“ sagte der Mann mit einer Stimme, die wie ein altes Sagenlied klang. „Das Erbe der Verbannten. Du bist gekommen, wie es vorgesehen ist.“

Elias’ Hände ballten sich um das verschlungene Symbol. „Wer bist du? Wie kennst du mich?“

Der Wanderer lächelte schwach, aber seine Augen blieben unergründlich. „Ich bin nur ein Bote der Zeit, ein Hüter der Schatten, die über Eldranor schweben. Ich bringe dir die Prophezeiung der Wiederkunft.“

Ein kalter Schauer kroch über Elias’ Rücken. „Prophezeiung? Ich will keine Prophezeiungen. Ich will Antworten. Ruhe. Kontrolle über das, was in mir lauert.“

Der Wanderer legte den Kopf schief, als würde er genau hinschauen, wie Elias’ Wille zerriss. „Man kann das Schicksal nicht fliehen wie einen Schatten im Nebel. Es holt dich ein, ob du es willst oder nicht.“

Aus seiner Manteltasche zog er ein pergamentartiges Schriftstück, vergilbt und von der Zeit gezeichnet. Die Schrift war kunstvoll, in einer Sprache, die zugleich fremd und doch verlockend vertraut wirkte.

„Dies,“ sagte der Wanderer, „ist das Vermächtnis derer, die vor dir kamen. Die letzte Kunde von Ereignissen, die neu beginnen, wenn der Verstoßene aufersteht.“

Elias nahm das Pergament, seine Finger zitterten vor Unglauben und Furcht. Die Worte flimmerten fast vor seinen Augen. Er sah Namen, alte Könige, verschwundene Kulte, doch immer wieder tauchte ein Satz auf, der sein Blut gefrieren ließ:

„Ein Krieger, geboren aus Verbannung, trägt das Schicksal Eldranors in sich — das Licht der Rettung und die Finsternis des Untergangs vereint in seiner Hand.“

„Du meinst mich,“ keuchte Elias.

Der Fremde nickte nur. „Die Macht in dir ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn du sie bändigst, kannst du Eldranor vor dem Sturz bewahren. Wenn nicht —“

Ein Windstoß peitschte durch die Baumwipfel, als wolle er das unausgesprochene Ende dieser Warnung hinzufügen.

„Was, wenn ich schon verloren bin?“ Elias’ Stimme war kaum mehr als ein heiseres Flüstern.

„Dann wirst du das Feuer sein, das alles verbrennt,“ sagte der Wanderer. „Aber wisse: Im Schatten liegt nicht nur Verderben. Es kann auch das Erbe der Wiedergeburt sein.“

Die nebligen Umrisse des Wanderers verschwammen langsam, als lösten sie sich im Dämmerlicht auf, zurückließ nur das schwere Pergament in Elias’ Händen.

Er stand allein da, umhüllt von der feuchten Kälte des Waldes, zwischen Zweifel und Hoffnung zerrissen.

War er wirklich der Schlüssel? Zur Rettung — oder zum Untergang Eldranors?

Der Wind sang ein letztes Lied der Vorahnung.

Und irgendwo in der Ferne zwitscherte ein einzelner Vogel, als die Dunkelheit sich weiter auszubreiten begann—unerbittlich, wie die Zeit selbst.