Chapter 16
Kapitel 16: Gefangen im Wandel
Der Schrei hörte sich an, als brachen gebrochene Knochen im Schatten eines schmalen Raumes. Elias spürte den kalten, stechenden Schmerz, der wie glühende Messer durch seinen Arm bis in die Schulter schoss. Dunkelheit füllte sein Blickfeld, zwischendurch flackernden Risse eines fahlen Lichts, das durch die scharfen Fenster eines Verhörkellers sickerte.
Sein Körper war gefesselt – die rauen Lederriemen schnitten in seine Handgelenke, als hielte man ihn nicht nur fest, sondern wollte auch seine dunkle Macht einsperren. Die Luft roch dumpf nach feuchtem Stein und altem Blut. Ein Zittern durchfuhr ihn, nicht allein vom Schmerz, sondern von der Ahnung, dass der wahre Kampf noch nicht begonnen hatte.
„Gut, dass du endlich aufgewacht bist, Wiedergeborener,“ sagte eine schneidende Stimme, die durch die blecherne Tür drang. Sie brachte Eis auf Elias’ Haut, ließ die Haare in Nackenstrahlen sträuben. Ein dumpfes Poltern kündigte das Näherkommen an.
Die Tür schwang auf. Eine Gruppe von Schergen, gehüllt in dunkle Kutten, trat ein. Ihre Gesichter waren maskiert, nur Augen funkelten kalt und leer. An ihrer Spitze stand ein Mann mit Narben, die wie zerfressene Runen in die Haut gebrannt schienen. Er lächelte höhnisch.
„Lord Malren schickt seine Grüße,“ flüsterte der Anführer mit Gift in den Worten. „Wir wollen Antworten, die nur dein Körper aussprechen kann.“
Elias biss die Zähne zusammen. Seine Kehle war trocken, die Stimme ein roher Kratzer in der Dunkelheit. „Ihr werdet keine Wahrheit von mir erzwingen. Nicht durch Folter.“
Der Mann hockte sich nieder, sodass seine Augen direkt auf Elias’ brennende Pupillen trafen. „Du bist ein Rätsel, das wir lösen müssen. Du bist die Gefahr, die unsere Herrschaft bedroht. Aber vor allem bist du die Antwort, die niemand hören möchte.“
Ein Scherge trat vor, eine Zange in der Hand. Der Klang des Metalls schimmerte wie ein Versprechen des Schmerzes. Elias spürte, wie seine Seele sich zusammenzog, sein Geist den Sturmbögen des Schmerzes entgegenhalten musste.
Das erste Brennen fraß sich in seine Haut, während sein Körper sich reflexartig spannte und eine Stimme tief in ihm aufschrie – eine dunkle Macht, die drängte, sich zu entfesseln und alles zu verschlingen, was ihn festhielt.
Doch Elias kämpfte gegen die Flut. Die Erinnerung an jene, die auf ihn warteten, an Jene, denen er seine Freiheit schuldete – sie schlossen seine Sinne ab gegen das pochende Feuer.
„Du bist stark“, murmelte der Narbenträger, „aber du bist noch zerbrechlich, Elias Varn. Sag uns, wer du bist. Sag uns, was verborgen liegt.“
Ein Schrei zerstörte die Stille. Ein anderer Scherge verlor seine Kontrolle – seine Hand zitterte, sein Gesicht verfinsterte sich, als Elias’ dunkle Macht in einem Moment unkontrollierter Wut explodierte. Dunkle Rauchfetzen schlangen sich durch den Raum, und die Fesseln begannen zu glühen.
Ein jäher Schmerz durchfuhr Elias selbst, als seine Gabe gegen ihn selbst rebellierte – eine Erinnerung daran, wie nah er dem Abgrund war, an dem er jeden Moment zerbrechen konnte. Doch der Schmerz war auch das Signal: Er lebte. Noch.
„Du spielst mit Feuer“, knurrte der Anführer. „Und bald wird sowohl dein Körper als auch dein Geist verbrennen.“
Das Verhör zog sich Stunden. Jeder Schlag, jedes Flüstern von Folter war ein Schritt in einen Abgrund, aus dem es kein Zurück gab. Aber Elias’ schwarzes Herz kämpfte weiter – von Narben durchzogen, aber ungebrochen.
Dann, in einem Moment der Stille, breitete sich ein eisiger Nebel im Raum aus. Die Luft kristallisierte zwischen den Schatten. Alle hielten den Atem an. Elias spürte, wie sich etwas in ihm regte, eine Präsenz aus alten Zeiten, eine Erinnerung an die Macht, die tief in seinem Blut schlummert.
Seine Augen öffneten sich langsam. Sie funkelten jetzt nicht nur vor Schmerz, sondern vor kalter Entschlossenheit.
„Wer wird zuerst zerbrechen?“ flüsterte er mit rauer Stimme. „Ihr... oder ich?“
Der Raum erstarrte.
Ein Schatten bewegte sich hinter der Tür.
Und dann – ein Knall.
Ende Kapitel 16