Chapter 14
Kapitel 14 – Aufbruch in die Finsternis
Der kalte Morgenwind beiß ihm in die Wangen, als Elias keuchend hinter dem letzten verwinkelten Haus des Dorfes zusammenbrach. Sein Herz hämmerte gegen die Rippen, während die drohenden Schatten der Angreifer noch frisch in seinem Geist brannten. Die Luft schmeckte nach Rauch und Angst, vermischt mit feuchter Erde, ein beißender Kontrast zu dem feinen Staub, der in seinen Lungen brannte.
Er hob den Kopf, spürte den nassen Sog seiner eigenen Panik, doch hinter der aufsteigenden Furcht glomm Entschlossenheit wie ein schwacher Funke in einem Meer aus Dunkelheit. Die Augenlider brannten, doch er zwang sie aufzublinzeln. „Ich darf nicht hier bleiben,“ knurrte er leise, seine Stimme rau und angekratzt von dem Kampf, gegen den er erst Sekunden zuvor verloren hatte – oder vielleicht erst begonnen.
Die Dämmerung kroch langsam über das Dorf, das noch immer vom Echo der Klingen und Geschrei bebte. Die Bewohner hatten sich in ihre Häuser verkrochen, niemand wagte einen Blick aus dem Schutz ihrer Fenster. Elias wusste, dass das Dorf kein sicherer Hafen mehr war. Nicht nach dem Angriff. Nicht in seiner Gegenwart.
Hinter ihm fiel das letzte Sonnenlicht auf die zerklüftete Silhouette der Berge, eine leise Erinnerung daran, wie weit er sich von der ungeklärten Vergangenheit entfernen musste, die ihn jagte – und die Macht, die tief in seinem Inneren loderte, drohte sich jeden Moment in einer Explosion zu entladen, die alles vernichten konnte.
Seine Finger krampften sich um den Dolch am Gürtel. Das kalte Metall fühlte sich fremd an, als hätte es nichts mit ihm zu tun. Er war mehr als ein Krieger mit stumpfen Waffen. Er war das wütende Echo uralter Kräfte, die er kaum zu kontrollieren vermochte.
Ein Knacken hinter ihm ließ seinen Körper augenblicklich reagieren. Elias wirbelte herum, die Sinne auf Anschlag gespannt. Dort, zwischen den kahlen Ästen einer verwitterten Eiche, flackerte ein Schatten. Ein wissender Blick, das kalte Funkeln einer Klinge – kein zufälliger Wanderer. Nicht hier. Nicht jetzt.
„Du kannst nicht entkommen, Elias,“ flüsterte die Stimme, ein dunkler Schleier in der Morgendämmerung. „Lord Malren hat dich längst auserkoren.“
Sein Herz schien für einen Augenblick stillzustehen. Die Worte brannten sich in sein Innerstes, zündeten einen Funken, der in seinem Bauch explodierte. Er kannte diesen Namen. Malren Schattensturm – der Tyrann, der in jeder Ader Eldranors wie ein Gift floss. Der Herrscher, der jagte und zerstörte, um seine Macht zu sichern. Jetzt schon war seine Präsenz wie ein Schatten hinter dem Horizont, und Elias war das letzte Puzzlestück in einem Spiel, das weit größer war als er selbst.
Mit ruckartiger Bewegung trat er aus seinem Versteck, vermeidende Blicke direkt in die Augen des Mannes, der wie eine lebende Bedrohung wirkte. Doch statt zu stürmen, griff Elias nach dem Gürtel und zog ein kleines, versiegeltes Pergament hervor.
„Ich werde nicht fliehen,“ sagte er mit einer Kühle, die mehr Furcht erzeugte als jede Waffe. „Ich suche Antworten. Und du wirst mir keine davon nehmen.“
Der Fremde lachte leise, ein rauer Klang, der wie trockener Kies unter den Füßen klirrte. „Das Schicksal hält kein Erbarmen für dich bereit, Krieger. Je mehr du suchst, desto näher rückt die Finsternis, die dich vernichten wird.“
Elias spürte, wie die Schatten um ihn zu tanzen begannen, als wäre die Luft selbst mitschuldig an der bevorstehenden Dunkelheit.
„Dann wird die Dunkelheit mich finden – aber ich werde vorbereitet sein.“
Widerwillig trat der Fremde zurück, verschwand so abrupt, wie er gekommen war, zurück ins Dickicht der Bäume.
Der junge Mann atmete tief durch, spürte, wie die Sonne nun höher stieg und die ersten warmen Strahlen durch die Wolken brachen. Das Versprechen einer neuen Reise lag vor ihm – fremde Länder, uralte Ruinen und unleidliche Wesen, die seine Reise begleiten würden.
Mit zitternden Fingern faltete er das Pergament auseinander. Darauf waren Symbole, die er nicht kannte. Doch sie schienen zu pulsieren, eine Einladung – oder eine Warnung.
„Es ist Zeit“, murmelte Elias und machte den ersten Schritt über die Grenze des Dorfes hinaus.
Der Pfad, der vor ihm lag, war von Nebel durchzogen, wie das Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten selbst. Hinter ihm mochte die vertraute Welt verblassen, doch vor ihm breitete sich eine Finsternis aus, die tief in seine Seele blicken würde.
Und unter dem kalten Blau des Himmels formte sich ein leises Flüstern – von uralten Kreaturen, unergründlichen Mächten. Von einer Wahrheit, die gefährlicher war als jeder Feind.
Welche unbekannten Gefahren lauerten außerhalb der vertrauten Grenzen? Elias konnte es kaum ahnen. Doch sein Herz pochte in der Brust wie ein Trommelschlag, der ihn vorwärts trieb.
Der erste Schritt war getan. Das Erwachen begann.