NoveliqaIm Schatten der Wiederkunft: Das Erwachen der Verbannten / Die Verschwörung der Erinnerten :0%
Log in

Chapter 13

Die Verschwörung der Erinnerten

Kapitel 13 Die Verschwörung der Erinnerten

Elias stand reglos, die Luft schwebte schwer vor Spannung, als die Tür sich einen Spalt öffnete und jener Schatten ins flackernde Licht trat. Sein Blick blieb haften auf dem Gesicht, das halb in Dunkelheit lag – von einem feinen Netz aus Furcht und Entschlossenheit durchzogen. Kälte kroch langsam, unerbittlich entlang seiner Wirbelsäule, bohrte sich wie eisige Nadeln in seine Haut.

Der Atem, den er eingeatmet hatte, schien plötzlich undurchdringlich, schwer und rostig in seiner Brust zu hängen. Ein Flüstern – kalt, als käme es aus längst vergessenen Tiefen – streifte seine Ohren: „Es ist Zeit.“

Elias wollte reagieren, wollte sich drehen, greifen, schlagen. Doch die Welt schien einen Herzschlag lang stillzustehen, als hätten die Schatten selber ihn gefangen. Die Schwere des Moments lastete auf seinen Schultern wie ein erdgesättigter Himmel, der sich jeden Augenblick zu entwurzeln drohte.

Dann trat die Gestalt ganz in den Raum, und das schwache Mondlicht von draußen zeichnete scharf ihre Umrisse. Eine Frau, ihre Augen glühten mit einer Intensität, die Elias straßenglatt ins Herz schnitt.

„Elias Varn,“ sagte sie, „du bist nicht so verborgen, wie du glaubst.“

Ihre Stimme war weich, doch unnachgiebig – der Klang einer Klinge, die auf Stein schlägt.

Widerwillig entriss er sich dem Bann. „Wer bist du?“ Seine Stimme war trocken, ein Kratzen in der Dunkelheit seiner Kehle.

Sie trat näher und enthüllte das Siegel, das an ihrer Brust hing – ein Symbol, das Elias verblüffend bekannt vorkam, dennoch konnte er es zunächst nicht zuordnen. Das Symbol der Erinnerten.

„Wir sind jene, die die Fäden hinter dem Vorhang ziehen,“ erklärte sie, ihr Blick brannte fest. „Wir kennen die Verschwörung der Götter, die das Schicksal lenken. Und wir wissen um deine Rolle darin.“

Elias spürte, wie sich etwas in ihm verankerte – eine Mischung aus Hoffnung und beständiger Angst. All die Jahre der Ablehnung, des Zweifels… vielleicht war hier endlich ein Faden, an dem er ziehen konnte.

„Erzähle mir,“ befahl er, „was wissen die Erinnerten? Was wollen sie von mir?“

Die Frau neigte leicht den Kopf, als wolle sie abzuwägen, wie viel sie preisgeben konnte. Dann sprach sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern, das in Elias’ Ohren vibrierte:

„Die Götter, die über Eldranor wachen, sind nicht die Wächter, für die man sie hält. Ihr Spiel ist alt und kalt, ein Netz aus Intrigen, in das du hineingeboren wurdest. Du bist der Schlüssel – nicht nur für deine eigene Geschichte, sondern für das Gleichgewicht der Welt.“

Elias’ Hände ballten zu Fäusten. „Und Lord Malren? Er will mich vernichten, weil ich…“ Seine Stimme brach, dann wieder erstarkte sie. „Weil ich das bin, was sie fürchten?“

Sie nickte düster. „Er ist das Schwert, das sie dir entgegenhalten – und zugleich der Wächter der Geheimnisse, die nicht an die Oberfläche dringen dürfen.“

Ein bitterer Geschmack breitete sich in Elias’ Mund aus, während er die Worte verarbeitete. Ein Bündnis mit den Erinnerten könnte der einzige Weg sein, das drohende Unheil abzuwenden – und doch lastete die Unsicherheit wie Blei.

„Wie kann ich ihnen trauen?“ fragte er, den Blick hart auf sie gerichtet.

Die Frau lächelte schwach, aber ihre Augen blieben ernst. „Vertraue nicht, Elias. Lebe mit dem Zweifel. Doch wisse: Du bist nicht allein. Und die Zeit wird dich zwingen, diese Mächte zu erkennen – bevor sie dich vernichten.“

Ein Geräusch ließ sie abrupt innehalten. Ein Knarren an der Tür, ein Flüstern im Schatten. Elias griff nach seinem Schwert, das sich kalt und vertraut anfühlte.

„Sie wissen schon von uns,“ murmelte die Frau. „Wir sind zu spät.“

In dem Moment, als die Tür aufgerissen wurde, schwoll ein Sturm aus Stimmen und wehenden Umhängen herein. Verzerrte Gesichter, hungrig nach Macht, nach Kontrolle.

Elias spürte, wie sein Herz gegen die Rippen schlug, seine dunkle Macht begann in ihm zu flackern – wild, unzähmbar. Diese Mächte zu besiegen, könnte sein Ende bedeuten.

Doch zur Flucht gab es keinen Weg mehr.

„Kämpfe,“ befahl die Frau, „oder werde selbst zur Zielscheibe.“

Ein kalter Schauer jagte durch seine Adern. Der Schatten seiner Wiederkunft war nicht länger nur seine eigene Last – er war das Spiel der Götter geworden.

Und noch bevor er reagieren konnte, sprangen sie vor – Feinde aus einer Welt, die Elias’ wahre Bestimmung bedrohten.

Das Schicksal nahm seinen Lauf.

Ende Kapitel 13