Chapter 5
Kapitel 5: Gefahr im Königshof
Das Artefakt glühte noch in seiner Hand, seine brennende Präsenz bohrte sich wie ein glühender Dorn in Leo Vollands Brust. Seine Finger zitterten, während die Schatten um ihn herum in wirbelnden Mustern tanzten, als würden sie lebendig. Die Halle des Königs wurde zum Schauplatz eines unsichtbaren Sturms, dessen Wucht Leo kaum fassen konnte.
Ein kalter Windstoß warf die schweren Vorhänge zurück und trug das ferne Klirren von Rüstungen heran. Die Luft schien plötzlich dichter, mit einem Hauch von Gefahr, der seine Haut prickeln ließ.
Leo zwang sich zu atmen. Sein Blick suchte hastig die Umrisse der wuchtigen Säulen, die in der Finsternis wie stumme Wächter ragten. Gleichzeitig mehrten sich leise Stimmen hinter verschlossenen Türen—Flüstern, das ihm zu wissen gab: Er war nicht allein. Nicht hier. Nicht jetzt.
Er spürte das Gewicht der Blicke, unsichtbar, scharf wie Klingen. Herzog Malric von Schattenfels hatte ihn gefunden.
„Du glaubst also, du kannst dich der Vergangenheit entziehen, Herr Volland?“ Eine Stimme, glatt wie poliertes Ebenholz, durchschnitt die Stille wie ein Messer. Sie kam von der Dunkelheit des Thronsaals, wo sich die hohen Fenster zu schwarzen Rissen öffneten, die Mondlicht in ein blasses Grau verwandelten.
Leo drehte sich um. Herzog Malric stand dort, in ein Gewand gehüllt, dessen dunkle Farben mit der Finsternis zu verschmelzen schienen. Sein Blick war ein glühender Funke der Verachtung, ein Dolch, der in Leos Herz stieß. „Das Artefakt in deiner Hand… du hast keine Ahnung, welches Spiel du spielst.“
„Ich suche nur die Wahrheit“, sagte Leo mit rauer Stimme, die mehr Nachdruck zeigte, als er fühlte. Der kalte Schweiß perlte an seinem Nacken.
Malric lächelte kalt, ein Lächeln, das keine Freude kannte. „Wahrheit? Eine gefährliche Illusion. Du bist hier in meinem Reich, und hier beuge ich die Erinnerung wie ein Schmied das Eisen.“ Er machte einen Schritt vorwärts, die funkelnden Verzierungen seines Rings zeichneten blutrote Reflexe auf den Boden.
„Warum... warum vergeudest du deine Macht?“ Leo versuchte, seine Stimme ruhig zu halten, doch seine Finger verkrampften sich um das Artefakt. „Was willst du wirklich?“
Der Herzog trat nahe genug, dass Leo den kalten Duft von Parfum und altem Tabak wahrnahm. „Macht, mein Freund. Die absolute Macht, nicht nur über diese Welt, sondern über das, was sie ausmacht: die Erinnerung.","Der Vergangenheit, die Gegenwart, sogar deine Zukunft.“
Die Kälte, die das Herz des Königs durchdrang, breitete sich nun auch in Leo aus. Erinnerungen waren hier nicht nur Schatten längst vergangener Tage; sie waren Waffen, Gefängnisse, Fluchtwege. Und Herzog Malric hatte sie alle in seiner Kontrolle.
Plötzlich knackte das Parkett hinter Leo—ein leises, plötzliches Geräusch. Reflexartig wandte er den Kopf—eine Gestalt löste sich aus dem Schatten der Säulen, eine Bewegung gering und doch voll tödlicher Absicht.
„Er ist also nicht allein gekommen“, murmelte Malric düster, während er sich erhob. Seine Hand glitt zu seinem Dolch, der in der Scheide an seiner Hüfte ruhte, so schwarz wie die Nacht.
Leo wusste, dass die Falle sich geschlossen hatte. Der Königshof war kein Ort mehr des Schutzes—sondern ein Käfig, dessen eisernen Gitter Herzog Malric mit unsichtbaren Fäden zog.
Sein Herz hämmerte gegen seine Rippen. Mit einem letzten, entschlossenen Blick auf das Artefakt in seiner Hand wich Leo zurück, suchte nach dem Ausgang, nach einer Schwachstelle in der undurchdringlichen Mauer aus Feinden und Verrat.
„Du kannst rennen“, höhnte Malric, „aber mit jedem Schritt hast du dich tiefer in mein Netz verstrickt.“ Seine Stimme war wie Gift, das sich in Leos Gedanken fraß.
Der Atem wurde zum Kampf, seine Sinne schärften sich im Angesicht der drohenden Falle. Schritte näherten sich, ein kalter Hauch über seine Haut. Leo spürte die Hände, die ihn unsichtbar packten—ein Verrat. Doch von wem?
Sein Blick suchte verzweifelt zwischen den Gesichtern im Schatten, doch alles verschwamm zu einem Meer aus Dunkelheit.
Die Frage schoss durch seine Gedanken: Wird er verraten, bevor er fliehen kann?
Das letzte was er wahrnahm, war ein beissender Schmerz in der Seite und ein Flüstern in seinem Ohr: „Du kannst der Wahrheit nicht entkommen…“
Dann wurde alles schwarz.