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Chapter 13

Der Pakt mit der Bruderschaft

Kapitel 13 Der Pakt mit der Bruderschaft

Der kalte Hauch an Leos Nacken ließ seinen Atem stocken. Nicht nur, weil die Kälte sich tief in seine Haut fraß, als wäre die Dunkelheit selbst zum Leben erwacht, sondern weil die Präsenz, die sich aus den Schatten schälte, jede Faser seiner Existenz bedrängte.

Ein Schatten — schmal, hochgewachsen, mit einem Mantel, der sich wie flüssige Nacht um die Gestalt legte. Kein Wort, keine Bewegung, nur dieses unheimliche Schweigen, das das Summen der nahen Laternen übertönte. Leo verspürte, wie seine Sinne sich schärften, jede Faser auf Kampf oder Flucht programmiert, während sein Herz gegen die Rippen donnerte.

„Du fürchtest dich,“ sagte eine Stimme, tief und samtig, doch mit einem schneidenden Unterton, der kein Zweifel ließ: Der Mann kannte Leos Namen.

Leo drehte sich blitzschnell um, die Hände schon an seinen Dolch am Gürtel. Doch da war nichts mehr als die kühle Dunkelheit und die silhouettehafte Gestalt, deren Gesicht von der Kapuze verschlungen war. „Wer bist du?“

„Ein Freund — wenn du es zulässt.“ Der Mann trat einen Schritt näher, und der schwache Schein des Mondes offenbarte das Markenzeichen auf seinem Umhang: ein silbernes Zeichen, verschlungen wie zwei sich kreuzende Schlangen, die vergessene Bruderschaft der „Errinnerniswächter“ — ein geheimer Bund, von dem Leo nur in Fragmenten gehört hatte. Gerüchte erzählten, sie würden in den Rissen der Welt wandeln, Erinnerungen sammeln und bewahren, ihre Macht gegen jene wie Herzog Malric einsetzen.

Leo biss die Zähne zusammen. „Was willst du von mir?“

Der Fremde lächelte flüchtig, aber seine Augen blitzten kalt. „Du bist ein Schlüssel, Leo. Deine Wiedergeburt ist kein Zufall. Deine verstreuten Erinnerungen können das Gleichgewicht verändern — und das macht dich zu einer Bedrohung für mehr als nur Malric.“ Er schob die Kapuze zurück, und eine Figur erschien, die Leo dunkel bekannt vorkam. Ein Mann mittleren Alters, mit scharfen Zügen, die eine Mischung aus Härte und längst vergangener Traurigkeit zeigten.

„Ich bin Garrik,“ stellte er sich vor. „Und ich komme mit einem Angebot.“

Ein Angebot — das klang so harmlos, so verlockend. Doch Leos Herz zog sich zusammen. Diese Bruderschaft, die im Schatten operierte, verlangte immer einen Preis.

„Ich höre,“ sagte Leo mit gesenkter Stimme.

Garrik trat näher, seine Stimme wurde leiser, aber eindringlicher. „Unsere Feinde wachsen. Malric hat Zugang zu Erinnerungen, die nicht ihm gehören. Er webt Lügen in die Seelen der Menschen, kontrolliert ihre Gedanken und verdirbt ihre Geschichte. Nur wir können dem ein Ende setzen.“ Eine lange Pause, in der Garriks Blick seine Zweifel offenbarte, bevor er weitersprach: „Aber wir können dich nicht allein lassen. Du brauchst unsere Hilfe, und wir brauchen dich.“

Leo spürte, wie sein Körper gegen diese unausgesprochene Wahrheit ankämpfte. Die Hoffnung, die Garrik weckte, war süß wie Gift. Denn genau darin lag die Prüfung: Würde er seine Freiheit aufgeben, um gegen Malric zu kämpfen? Oder würde er versuchen, seine zerfledderten Erinnerungen auf eigene Faust zu ordnen, wissend, dass er dabei vielleicht alles verlieren könnte?

„Was soll ich tun?“, fragte Leo. Die Worte schmeckten bitter, denn sie gaben zu, dass er bereits in ihrem Netz hing.

„Komm mit uns,“ sagte Garrik. „Unsere Zuflucht liegt im Herzen der Verborgenen Hallen, einem Ort, an dem Erinnerung und Wahrheit ineinanderfließen. Dort kannst du lernen, deine Vergangenheit zu greifen, und wir können dir helfen, Malric zu entgegnen.“ Er streckte die Hand aus, doch das Funkeln in seinen Augen schien mehr zu verbergen.

Leo zögerte. Jeder Instinkt sagte ihm, Vorsicht walten zu lassen. Doch die Kälte in seiner Seele, das Pochen hinter seinen Augen, das ahnte, dass die Bruderschaft sein einziger Anker in diesem Meer aus Nebel und Schatten war. Einen Pakt zu schließen bedeutete, Fesseln anzulegen — doch vielleicht auch, sich selbst zu retten.

Er griff nach Garriks Hand.

Ein Schwur lag in der Berührung — und der Anfang eines Bündnisses, das seine Welt verändern sollte.

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Das Licht der Laternen flackerte, als Leo auf dem steinigen Pfad der Verborgenen Hallen stand. Die Nacht war schwarz und schwer, und ein dichter Nebel kroch zwischen den uralten Mauern hervor.

Garrik schritt voran, sein Mantel vom Wind mitgerissen. „Vertraue niemandem außer uns,“ raunte er, als sie die Schwelle überschritten. „Nicht Malric. Nicht den Schatten deiner eigenen Vergangenheit.“

Leo nickte, doch in seinem Inneren pochte eine andere Frage: Was würde dieses Bündnis kosten? Würde es seine Freiheit bedeuten — oder seine Seele?

Die Türen schlossen sich hinter ihnen mit einem dumpfen Knall.

Ein kaltes Lächeln spielte über Garriks Lippen, und tief in Leos Brust krampfte sich ein Gefühl zusammen, das er nicht abschütteln konnte.

Der Pakt war besiegelt.

Doch zu welchem Preis?