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Chapter 11

Das erste Wiedersehen

Kapitel 11 – Das erste Wiedersehen

Das Flüstern des Windes zerriss die Stille wie eine zerbrochene Saite. Leos Atem hängte schwer in der kühlen Luft, sein Herz schlug noch immer wie ein ungestümer Trommelwirbel gegen seine Brust. Der Schatten, der sich hinter jenem strahlenden Blick verbarg, wirbelte in seinem Geist wie ein Sturm. Sie war fort, und zurück blieb nur die wackelige Brücke zwischen Gewissheit und Zweifel.

Sein Blick suchte die zerklüftete Straße vor ihm, als wollte er darin die Antwort entdecken. Stattdessen fühlte er nur das Feuer zwischen seinen Rippen, ein leises Brennen, als hätte jemand eine Kerze an seine Erinnerung gehalten.

Plötzlich knirschte das trockene Laub unter schnellen Schritten. Leo fuhr herum, die Hand automatisch zum Dolch an seiner Hüfte gleitend. Im schwachen Licht der flackernden Laternen erkannte er eine vertraute Silhouette.

„Leo“, hauchte eine Stimme, rau, aber voller Wärme.

Die Kälte des Moments wich einem Sturm von Gefühlen. Er presste die Lippen zusammen, seine Finger krallten sich in das Leder seines Mantels. „Joran?“

Der Mann trat näher, das blasse Mondlicht küsste seine harten Züge, die von Jahren geprägt, aber nicht zerbrochen waren. Sein hellblaues Auge flackerte mit jener alten Vertrautheit, die Leo tief in seinem Herzen vermisst hatte.

„Ich hätte nicht gedacht, dich hier zu finden. Nicht nach all der Zeit.“ Joran senkte den Blick, dann hob er ihn wieder, suchte nach etwas, das Leo kaum greifen konnte.

„Wie lange bist du schon hier, Joran? Und was weißt du?“ Die Dringlichkeit schnitt durch die Nacht, ungeduldig und fordernd.

Joran zögerte. „Länger, als du glaubst. Du warst überall und nirgends. Deine Schritte hallen in den Schatten, ohne dass du sie bemerkst.“

Leo spürte, wie ein Kloß sich in seinem Hals festsetzte. „Du kennst meine Vergangenheit besser als ich. Sag mir, was du weißt.“

Ein bitterer Zug um Jans Lippen ließ ihn zusammenziehen. „Manchmal ist Wissen ein Fluch. Und manche Wahrheiten sind Angst gebunden.“ Er umklammerte seine Hände, als kämpfte er gegen einen unsichtbaren Gefängniswärter.

„Malric...“ Leo spürte, wie sein ganzer Körper erstarrte. „Du willst mir doch nicht etwa sagen, dass du nichts über ihn weißt?“

„Ich darf es nicht.“ Jorans Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch in ihr lag die ganze Last der Welt. „Nicht alles, was im Dunkeln lauert, darf ans Licht.“

Verwirrung brannte in Leos Augen, aber auch Zorn. „Warum? Wer hält dich gefangen?“

Joran wandte sich ab, sein Atem bildete kleine Wolken im kalten Nachthauch. „Es ist nicht nur die Angst vor Herzog Malric. Es geht um Schwüre, die selbst im Tod gültig bleiben – Schatten, die über uns wachen, uns formen, uns brechen können.“

Ein kaum hörbares Klirren ertönte in der Ferne, als würden Ketten Eisensägegeräusche im Wind tragen. Leo hämmerte mit der Faust gegen seine Brust, als wollte er seinen Verstand aus dem Nebel reißen.

„Das ist kein Grund, mich im Dunklen zu lassen. Ich habe das Recht zu wissen, womit ich es zu tun habe!“

Doch Joran schüttelte den Kopf, die Entschlossenheit bildete eine Mauer zwischen ihnen. „Es gibt Dinge, die man nicht erzählen darf, weil das Wissen selbst Macht verleiht – und Schmerzen.“

Leo trat einen Schritt näher, die Augen nun funkelnd. „Dann zeig mir wenigstens den Weg zurück in die Wahrheit. Nicht für mich, für diese Welt.“

Für einen Augenblick schien Joran zu schwanken, dann nickte er langsam, ein Funken Hoffnung inmitten der Finsternis.

„Komm mit mir“, sagte er leise. „Aber sei gewarnt: Was du suchst, wird keine sanfte Gnade sein.“

Das Gewicht der Vergangenheit lag schwer wie ein umgestürzter Baum vor ihnen, doch Leo wusste, dass nur das erste Wiedersehen das Tor zu seiner zerbrochenen Geschichte öffnen konnte.

Als Joran vorausging, lastete die Stille zwischen ihnen wie ein unsichtbares Band, gespannt auf die Zerreißprobe.

Ein tiefes Geräusch hinter ihnen ließ Leo erstarren.

Joran hielt abrupt inne und warf einen harten Blick über die Schulter.

„Wir werden beobachtet.“

Und in diesem Moment erkannte Leo die Kälte in Jorans Augen – nicht aus Furcht. Sondern aus der bitteren Erkenntnis, dass manche Freunde aus der Vergangenheit besser schweigen.

Warum durfte Joran nichts über Malric offenbaren?

Das Echo dieser Frage hängte wie ein unsichtbarer Schatten in der noch jungen Nacht.

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Ende Kapitel 11 Wer hält Joran gefangen, und welchen Preis zahlt Leo für die Wahrheit?