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Chapter 6

Erinnerungen aus der Dunkelheit

Kapitel 6 Erinnerungen aus der Dunkelheit

Elias’ Herz hämmerte so heftig gegen seine Rippen, dass es ihm schien, als könne der Rhythmus jeden Moment aus seiner Brust springen. Die Finger der kalten Hand umschlossen seinen Arm wie Eisenstäbe, unerbittlich und doch unheimlich sanft, als hielten sie ihn zurück und hielten zugleich fest.

„Wer bist du?“ keuchte Elias, starrte in das dunkle Gesicht, dessen Konturen nur schemenhaft vom flackernden Fackelschein am Ende des Ganges gezeichnet wurden.

Die Gestalt antwortete nicht sofort. Stattdessen drang ein wisperndes Murmeln an Elias’ Ohren, ein Klang wie das Scharren vergessener Seelen, das sich in seine Sinne fraß.

Ein kalter Schauer kroch die Wirbelsäule hinauf. Dann begann sich die Welt um ihn herum aufzulösen.

Die Mauern des Ganges verflossen zu Schatten, die Fackel verlöschte, und Elias taumelte in ein Meer aus Dunkelheit und Schmerz – ein Abgrund seiner eigenen Vergangenheit.

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Seine Augen öffneten sich abrupt in jener alten Welt, in der sein Herz zum ersten Mal zerriss.

Er lag auf kaltem Stein, durchdrungen von scharfen Dornen und dem beißenden Geruch von verbranntem Holz. Ein rhythmisches Pochen dröhnte in seinen Ohren, vermischt mit dumpfen Rufen und dem Klirren von Schwertern.

Elias — damals noch nicht Elias, sondern ein anderer Name, so alt und vergessen wie der Staub — spürte die Glut der Verzweiflung, die sich in seinen Venen ausbreitete.

Schwere kahle Hände packten nach ihm, rissen ihn hoch. „Du kannst nicht entkommen“, zischte eine Stimme hinter einer Kapuze. „Du bist das Ende und der Anfang zugleich.“

Der Boden vibrierte unter seinen zuckenden Schritten, als er durch das durchnässte Laub stolperte, Blut tropfte an seinen Klingen, schimmerte dunkel auf dem verwesenden Laub.

„Warum?“ flüsterte er – rauchig, gebrochen.

„Weil du die Brücke bist. Zwischen Leben und Tod. Zwischen Ordnung und Chaos.“

Eine eisige Macht wallte in seiner Brust auf, rollte wie ein Sturm ohne Ziel, wild und ungestüm. Die Erinnerung detonierte in seinem Inneren — Schmerz, so überwältigend, dass er das Atmen vergaß.

Er sah in den Himmel, verzerrt und schwarz, spürte, wie ungeheure Energien um ihn herum in dunklen Rissen explodierten. Geschichten, die er längst vergessen glaubte, webten sich um sein bewusstes Sein – verlorene Geschwister, tödliche Bündnisse, Verrat und Blut.

Und über allem stand ein Name – Veyron Kasall.

Das Bild des Mannes griff nach ihm, drängte sich in jede Faser seiner Erinnerung, als hätte die Zeit selbst ihn gezwungen, diese Verbindung nie wieder zu vergessen.

Elias’ Finger krallten sich schmerzhaft in den kalten Stein, während ein Orkan aus Gefühlen ihn erdrückte: Hass, Zweifel, Macht – und eine seltsame, brennende Faszination.

„Veyron...“ hauchte Elias, seine Stimme kaum mehr als ein Schatten im lodernden Inferno seiner Vision.

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Zurück im düsteren Gang schnarrten die Muskeln seines Armes, die Kälte der Hand ließ nach. Elias schüttelte sich, als wolle er das Bild verwerfen, doch es haftete wie Pech an seinem Geist.

Die Gestalt vor ihm löste den Griff, drehte sich langsam um. Das Gesicht war von der Kapuze verschleiert, nur die Augen blitzten blau und unergründlich.

„Die Wahrheit holt dich ein, Elias. Jeder Schatten, den du fürchtest, entspringt derselben Quelle.“

Erst jetzt, als die Flamme der Fackel wieder aufflackerte, erkannte Elias eine Aura – Furcht einflößend, unbezwingbar. Der Mann war kein gewöhnlicher Gegner. Es war ein Spieler im großen Spiel seiner Wiedergeburten.

Er atmete schwer, jede Faser angespannt. „Warum... Warum ist gerade diese Inkarnation mit Veyron Kasall verbunden?“

Das Lächeln des Fremden war ein Messer aus Dunkelheit. „Weil eure Seelen verweben, Liebster. Weil nur durch euer Zwiespalt die Welten sich entscheiden können.“

Ein dumpfer Schlag hallte durch den Gang, als sich eine weitere Tür hinter ihm öffnete.

Elias spürte, wie das Gleichgewicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu zerbrechen drohte. Zwischen den Schatten seiner eigenen Erinnerungen und der Wahrheit, die er gefressen hatte.

Das Spiel hatte gerade erst begonnen.

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Fortsetzung folgt...