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Chapter 4

Der erste Verrat

Kapitel 4: Der erste Verrat

Der kalte Hauch der Nacht strich glitt durch das Fenster und ließ die Flamme der kleinen Kerze flackern, als Elias keuchend in seinem Zimmer zusammenbrach. Seine Hände zitterten so stark, dass das Papier, auf dem er die rätselhaften Zeichen des Siegels entziffert hatte, zerknitterte. Jedes Mal, wenn er an das Siegel dachte — jenes uralte, glühende Emblem in seinem Blut — spürte er, wie sein Magen sich zusammenzog, ein Schatten, der sein Herz zu erdrücken schien.

Das spitze Klopfen an der Tür ließ ihn hochschrecken.

„Elias? Bist du wach?“

Die Stimme war weich, vertraut. Doch sie trug einen Ton, der ihn erstarren ließ — Zweifel. Es war Maren, seine engste Vertraute seit Kindertagen, durchdrungen von sanfter Sorge.

Er zwang sich, sich zu sammeln. „Ja... ich bin hier. Komm herein.“

Die Tür öffnete sich einen Spalt, und Marens Gesicht tauchte in den Kerzenschein. Ihre Augen suchten seine, suchten nach Antworten, die er selbst nicht hatte.

„Du bist blass. Was ist passiert?“

Sein Mund öffnete sich, doch die Worte blieben stecken. Wie sollte er ihr erklären, dass das Rätsel in seinem Blut mehr als nur eine Legende war? Dass dunkle Mächte um sie herum webten? Stattdessen schob er das zerknitterte Pergament über den Tisch. Ihr Blick verhärtete sich.

„Das... das kann nicht sein,“ murmelte sie und kniff die Lippen zusammen. „Elias, du weißt, was auf dem Spiel steht. Veyron sucht nach irgendeinem Zeichen. Er ist nicht nur ein Feind — er ist ein Schatten, der alles verschlingt.“

Elias nickte stumm. Der Raum fühlte sich enger an, als ob die Mauern selbst seine Angst verschlingen würden.

Plötzlich klopfte es erneut — schneller, fordernder.

Maren bewegte sich zur Tür, warf einen prüfenden Blick nach draußen.

„Jemand ist da,“ flüsterte sie. „Ich öffne nicht ohne Grund.“

Elias sprang auf. „Halt! Warte!“

Doch zu spät. Die Tür wurde aufgerissen, und drei finstere Gestalten stürmten herein. Am vordersten Mann erkannte Elias das kalte Funkeln in den Augen.

„Veyrons Männer,“ flüsterte er und spürte, wie sein Herz unaufhaltsam in die Bresche schlug.

Die Männer umstellten sie, der vorrangige packte Maren am Arm.

„Du hast dich für uns entschieden, nicht wahr, Maren?“ Seine Stimme war ein rauer Befehl, „Was weißt du von Elias’ Geheimnis?“

Maren richtete sich auf, die Augen blitzten auf. „Ich weiß, was ich brauche — und das nicht für ihn.“

Elias’ Puls raste. Verrat? War Maren nicht die, der er blind vertraut hatte?

„Warum?“ Seine Stimme war hart, verzweifelt.

Sie sah ihn an, keine Spur von Reue. „Weil du in etwas spielst, das dich überfordert. Und ich... ich will nicht untergehen mit dir.“

Elias fühlte, wie eine eiskalte Faust sein Herz umschloss. Die Welt, die er zu kennen glaubte, zerbrach in diesem Moment — ein Bruch, der alles zu verschlingen drohte.

„Kann ich dir vertrauen?“ fragte er, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern, während die Männer sich näherten.

Maren verzog die Lippen zu einem schmalen Lächeln. „Vertrauen? Das ist längst verloren, Elias. Doch vielleicht — vielleicht gibt es noch einen Weg.“

Draußen riss ein Windstoß die Fensterläden auf. Die Schatten tanzten – und mit ihnen ein Spiel aus Licht und Dunkel.

Elias spürte, wie eine alte Entscheidung zum ersten Mal wogte — einfach oder tödlich.

Die Tür schloss sich mit einem harten Knall hinter ihnen.

Ende Kapitel 4