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Chapter 15

Die Falle der Schatten

Kapitel 15 Die Falle der Schatten

Elias’ Atem floss stoßweise, als er die kalten, runenverzierten Seiten des Manuskripts in den Händen hielt. Ein eisiger Schauer kroch seinen Rücken hinab, so als würde die Dunkelheit selbst seinen Körper umklammern. Um ihn herum wirbelten die Schatten wie lebendige Wesen, flüsterten alte Geheimnisse und verbargen eine tödliche Wahrheit hinter jeder Falte. Die Luft schmeckte nach moderndem Pergament und verbranntem Holz.

„Du verstehst nicht, was du hier eröffnest“, knurrte eine Stimme aus der Dunkelheit, so sibyllinisch wie ein geplatzter Dämmerschleier. Elias hob den Blick. Zu spät. Ein Netz aus schwarzschimmernden Fäden schoss auf ihn zu und schnappte wie ein reptilischer Kiefer zu.

Das Herz schlug ihm bis zum Hals, das Adrenalin verbrannte Hitze durch seine Adern. Ein kalter Schlag traf seinen linken Oberschenkel, als der Fall ausgelöst wurde. Elias spürte das Zerreißen von Kleidung, Fingern, die nach seiner Herkunft gruben – er war kein Fremder in der Welt der Schatten, aber längst nicht so unentdeckt, wie er glaubte.

„Ich wusste, dass du hier bist, Thorne...“ Die Stimme trauerte nicht einmal der Falschheit nach. „Veyron lässt grüßen.“

Seine Beine brannten vor Schmerz, das Netz zog ihn tiefer in die verwobenen Arme der Schatten. Elias biss die Zähne zusammen, hob das Manuskript vor sein Gesicht. Die Runen glühten einmal kurz auf, als ob das Wissen darin sich gegen die Dunkelheit auflehnte.

„Du wirst nicht entkommen“, zischt eine zweite Stimme hinter einem dichten Nebel aus Schatten. „Hier endet deine Spur. Niemand verlässt die Falle.“

Das Licht schwand. Nur die Klingen von Erinnerung und Verzweiflung blieben scharf.

Elias’ Sinne schrien. Der Geruch von feuchtem Stein, das leise Tropfen irgendwo in der Ferne, das Flüstern uralter Gebote umhüllten ihn – und doch war da das Pochen seines Herzens, das Kampfgeist übernachtete. Die Schatten begannen sich zu drehen, langsam, dann immer schneller.

Er griff leidenschaftlich nach einem Stein am Boden, warf ihn gegen die Dunkelheit, explodierte vor rohem Willen. Der Stein brach eine Schattenschnur, doch es folgte eine Lawine aus Fängen und Dornen. Mit einem wütenden Schrei, der halb Mensch, halb wilde Bestie klang, schwang Elias das Manuskript wie eine Waffe.

„Sag mir, was du willst, Veyron! Was für ein Spiel führst du?“

Ein kehliges, höhnisches Lachen antwortete. „Kontrolle, Thorne. Kontrolle über das Schicksal aller Reinkarnationen. Du bist nur ein weiterer Stein auf meinem Weg.“

Elias spürte, wie die Dunkelheit schmolz, als Erinne­rung und Kampf in ihm eine neue Einheit bildeten. Jedes Mal, wenn die Schatten Hände nach ihm ausstreckten, fand er eine Lücke, eine Schwäche, einen Riss. Und doch – es wuchs Druck, Erstickung, der Boden schien sich zu drehen.

Im Herzen der Falle knirschten uralte Ketten. Eine Stimme, die durch die Schatten heraufstieg und Englisch klang, kaum mehr als ein Flüstern: „Fall nicht zurück.“

Er presste die Zähne zusammen, während ein Funken von Licht aus dem Manuskript zu tanzen begann, umhüllte die Runen und schuf einen Schutzwall aus flimmernder Kraft. Der Druck ließ nach, für einen Moment, nur um dann in einer Welle entfesselter Schmerz zurückzuschlagen.

„Du bist nicht allein, Elias. Das vergiss nicht.“

Ein Schatten, der länger weichte als alle anderen, clevere Augen und eine Hand, die sich zögernd aus der Dunkelheit streckte. Ein Verbündeter? Ein Verräter?

Sein Körper rebellierte gegen das Netz. Der Knochen in seinem Oberschenkel knackte drohend, seine Finger zitterten vor Anstrengung. Die Schatten krümmten sich, als spürten sie, dass Elias’ Herz noch nicht gebrochen war.

„Ich weiß, dass du kämpfen kannst“, flüsterte die verborgene Stimme. „Und wenn du jetzt aufgibst, verschwinden wir alle.“

Die Zeit dilatierte. Sekunden wurden zu Stunden. Elias’ Verstand strahlte, fasste die Fragmente von Erinnerung und Wahrheit wieder zusammen. Jeder Impuls, jeder Muskel war auf einen Ausbruch vorbereitet.

Dann – das unerwartete Pulsieren. Ein Riss zog durch die Dunkelheit, ein Spalt riesig wie eine klaffende Wunde. Elias spürte das Ziehen, den eigenartigen Sog der inkonsistenten Schatten, die sich gegen die Richtung des Netzes stellten.

„Jetzt!“ flüsterte die Stimme.

Mit letzter Kraft scharrte Elias die Füße im staubigen Boden, stemmte sich aus dem Netz, und mit dem Manuskript in der Hand packte er die Gelegenheit. Das Netz zersprang, Fäden schossen ihm ins Gesicht, brannten wie feine Nadeln.

Und dann knallte die Falltür zu – nicht hinter ihm, sondern vor ihm. Ein neuer Raum lag vor ihm. Tiefschwarz. Endlos.

Elias Thorne taumelte, wankte – war er vom Schatten gefangen… oder führte er seinen eigenen Kampf in deren Spiel?

Das letzte, was er hörte, bevor die Dunkelheit ihn umfing, war das letzte Flüstern des Manuskripts:

„Lebst du, um zu kämpfen… oder stirbst du hier, um zu vergessen?“

Das Schicksal hing wie ein Damoklesschwert über ihm.

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Fortsetzung folgt...