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Chapter 11

Der verlorene Verbündete

Kapitel 11 Der verlorene Verbündete

Elias taumelte rückwärts, das Herz schlug wild in seinem Brustkorb, als sei es ein entfesseltes Tier. Schwer atmete er, die Wörter seines Freundes hallten wie widerhallende Donner in seinem Kopf wider. Der Raum um ihn herum schien sich zu verengen, die Schatten der alten Steinmauern drückten gegen seine Haut wie eiskalte Finger.

„Das… das kannst du nicht ernst meinen,“ flüsterte Elias, die Zunge tastete nach Halt, doch da war nur ein dumpfes, kaum hörbares Flattern in seinem Innern. Sein Blick verhakte sich mit den Augen des Mannes vor ihm – Callen, sein Vertrauter seit Kindertagen, dessen Stimme jetzt wie eine scharfe Klinge durch den Nebel seiner Gewissheit schnitt.

Callen hob die Hand, als wollte er Elias beruhigen, doch seine Miene war unerbittlich. Der kalte Schein der Fackeln an den Wänden warf harte Schatten auf sein Gesicht, die nur die tiefe Spannung darin verstärkten.

„Elias, du musst wissen, wer du wirklich bist. Nicht nur der verlorene Erinnerungsträger, der durch die Zeiten wandert... sondern...“ Callens Stimme brach einen Moment, ehe er weitersprach: „Du bist nicht geboren, wie die anderen. Deine Seele wurde gewählt – durch Mächte, die selbst über den Tod hinaus herrschen.“

Elias fühlte, wie sich das Eis in seiner Brust ausbreitete. Der Boden unter seinen Füßen schien zu schwanken, als entfesselte Callens Offenbarung eine Lawine aus Zweifeln und Angst in ihm.

„Was meinst du damit?“ Seine Stimme klang rau, als breite sich eine dunkle Wolke über seiner Klarheit aus.

Callen trat einen Schritt näher, geduckt, als wolle er ein Geheimnis vor der Welt schützen, aber gleichzeitig den Ehrgeiz in Elias’ Augen entzünden.

„Veyron Kasall hat mehr erzählt, als du wissen solltest. Er hat mich angeheuert, weil er wusste, dass ich dir nahe stehe. Ich sollte dich überwachen. Beschützen... oder brechen.“ Callens Zungenspitze spielte nervös an seiner Unterlippe.

Eine Todesstille breitete sich aus. Elias’ Finger krallten sich in die abgenutzte Tunika, als das Gewicht der Worte auf ihm lastete. Sein Freund – ein Spion? Ein Verräter?

„Warum… bist du hier? Warum sagst du mir das jetzt?“ Die Fragen brannten in seiner Kehle, schwer und brennend.

Callens Blick glitt an der Decke entlang, wie auf der Suche nach einer unhörbaren Antwort im steinernen Gewölbe. Dann, ohne Warnung, – seine Stimme wurde rau und fest zugleich: „Weil ich nicht nur Veyrons Werkzeug bin. Ich will dir helfen. Ich bin nicht wie er. Ich will verhindern, dass du untergehst. Dass wir alle untergehen.“

Ein bitterer Spott schwang in seinen Worten mit. Der Zwiespalt in seiner Haltung, zwischen Pflicht und Loyalität, zwischen Verbündeter und Feind, war greifbar, wie ein Messer, das unentschlossen in der Luft schwebe.

Elias starrte ihn an. Verwirrung, Verrat, Hoffnung – jeder von ihnen loderten wie giftige Flammen in seinem Innern.

„Also bist du kein Verräter?“

Callen schüttelte den Kopf, ein Funken Verzweiflung blitzte in seinen Augen, ehe sie erstarrten.

„Ich weiß es selbst nicht mehr.“

Der Raum schien sich gegen Elias zu wenden, die Schatten verdichteten sich, und das schwache Kerzenlicht flackerte.

„Dann sag mir eines, Callen: Wem kann ich noch trauen, wenn nicht dir?“ Seine Stimme war ein Flüstern, verzweifelt und doch fordernd.

Callens Gesicht verzog sich zu einem bitteren Lächeln, und ein Schatten, der älter war als Worte, legte sich über seine Züge.

„Vielleicht kannst du niemandem mehr trauen… nicht einmal dir selbst.“

Ein kalter Luftzug wehte durch das Fenster, die Gardinen schlugen wie geisterhafte Flügel. In diesem Moment klopfte es abrupt an der Tür. Elias und Callen starrten sich an, die Spannung schnitt durch die Luft wie ein Dolch.

Ein leises, vertrautes Kratzen – jemand wollte eintreten.

Elias’ Hand glitt instinktiv zur Klinge an seinem Gürtel. Sein Atem stoppte. Wer würde sich in dieser Nacht noch wagen, und was für eine Rolle spielte dieser Besucher in dem tödlichen Spiel um seine wahre Herkunft?

Der Schatten seines verlorenen Verbündeten war nun dicker denn je.

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Fortsetzung folgt...