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Chapter 2

Hinterlassene Hinweise

Kapitel 2 Hinterlassene Hinweise

Die kühle Nässe des Nebels kroch durch Laras dünnen Mantel, als sie die düstere Straße entlangschlich, die Hände fest um die mysteriöse Nachricht in ihrer Tasche geklammert. Ihr Herz schlug unstet gegen die Rippen, ein flatternder, unruhiger Schmetterling, der sich nicht beruhigen ließ. Jeder Atemzug stach in ihren Lungen, als hätte die Luft den Geschmack von bleichem Metall.

Vor ihr erhob sich ein zerfallenes Hotelgebäude, gespenstig im fahlen Licht. Die vergilbten Lettern an der Fassade waren kaum noch zu erkennen, und zerbrochene Fenster erinnerten an vergangene Geschichten, die längst in Schatten getaucht waren. Hier – irgendwo zwischen den zerfallenen Korridoren – musste die Wahrheit warten. Oder das, was von ihr übrig geblieben war.

Ein leises Knarren – das leise Quietschen einer rostigen Tür. Lara drückte den klammen Griff hinunter, spürte den Widerstand, dann schob sich die Tür knarrend auf und enthüllte einen dunklen Flur, dessen Wände von Schimmel und vergilbten Tapeten gezeichnet waren. Moder und kalte Feuchtigkeit krochen die Wände hinauf, und das schwache Licht ihrer Taschenlampe schnitt scharf durch das Dunkel.

Ihre Schritte waren gedämpft auf dem staubigen Teppichboden. Jeder Schritt hallte in seinem Inneren wie ein pulsierendes Echo ihrer Zweifel. Die verstreuten Schatten spielten verräterisch in den Ecken, als wollten sie ihr etwas zuflüstern, von längst Vergessenem, von einer Vergangenheit, die sich nicht preisgeben wollte.

Im zweiten Zimmer auf der linken Seite blieb sie stehen. Die Tür stand einen Spalt offen – als hätte sie auf Lara gewartet.

Sie schob die Tür vorsichtig auf, die Luft im Raum war abgestanden, vermischt mit dem schweren Duft von verwittertem Papier und altem Rauch. Auf dem Boden lagen verstreute Fotografien, einige zerknittert, andere seltsam scharf und klar. Laras Augen weiteten sich, als ihr Blick an einem Bild hängenblieb. Ihr eigenes Gesicht – eingefroren in einem Moment, den sie nicht kannte, halb im Schatten, halb von grellem Licht zerrissen.

Ein eiskalter Schauder krabbelte ihren Rücken hoch.

Daneben lag eine kleine handgeschriebene Notiz, die sie zögernd aufhob. Die Worte waren in hastiger Schrift verfasst, kaum lesbar, aber ein Satz war deutlich: "Vertraue niemandem. Nicht einmal dir selbst."

Eine neue Unruhe entfachte sich in ihr, ein brennendes Feuer tief in der Brust. Wer hatte diese Bilder gemacht? Warum zeigten sie sie – Lara – in Momenten, die in ihrem Gedächtnis nicht existierten?

Der Raum war spärlich eingerichtet. Ein zerfallenes Bett, dessen Matratze löchrig und schmutzig war, ein verbeulter Nachttisch mit einem umgestürzten Glas. Auf dem Boden verstreut, zwischen den Fotos, lagen vereinzelte Tagebuchseiten. Ihre Hände zitterten, als sie eines der vergilbten Blätter hob.

Die Worte darauf waren fragmentarisch, wie Splitter einer zersprungenen Erinnerung: "Er ist näher, ich kann es fühlen… die Schatten werden lang und dichter. Ich darf nicht vergessen, was ich wissen muss. Sie werden alles tun, um mich zu stoppen."

Ein tiefer Atemzug. Laras Finger glitten über die kalte Oberfläche eines weiteren Fotos, auf dem eine düstere Gestalt kaum zu erkennen war – eine Silhouette im Regen, den Kragen eines Mantels hochgeschlagen. Und hinter ihr, nur schemenhaft, ein anderes Gesicht. Vertraut und fremd zugleich.

Der dumpfe Klang von Schritten auf dem Flur ließ sie zusammenzucken. Ihr Herz raste, als sie sich schnell ins Dunkel des Zimmers zurückzog. Die Tür öffnete sich mit einem behutsamen Knarren. Stille.

Kein Fuß, der den Raum betrat. Doch irgendjemand war da gewesen – oder lauerte draußen.

Laras Augen suchten den Raum ab; dann fiel ihr Blick auf die Rückseite eines Fotos, das halb zwischen zwei Buchseiten hervorblitzte. Ein handgeschriebener Schriftzug, wirr und hastig: "Du bist nicht sicher."

Ein Kloß formte sich in ihrem Hals. Was bedeutete das alles?

Mit zitternden Händen sammelte sie die Fotografien und die zerrissenen Seiten zusammen und stopfte sie hastig in ihre Tasche. Ein kalter Schweiß brach ihr aus. Das Hotel war kein Zufall; hier lagen die Spuren ihrer Vergangenheit. Aber wer hatte sie hierher geführt? Wer beobachtete sie – und warum?

Unerwartet vibrierte ihr Handy. Ein sanfter, unheilvoller Ton – eine Nachricht. Ohne den Mut, den Bildschirm zu entsperren, verengten sich ihre Augen. Die Stille draußen wurde dichter, fast erdrückend.

Ein Kratzen an der Tür – leise, kaum hörbar, aber unbestreitbar.

Laras Finger legten sich an den Türgriff. Das Licht ihrer Taschenlampe flackerte für einen Moment, bevor es wieder stabil wurde. Ein kalter Windstoß zog durch den Raum, die vergilbten Seiten raschelten wie flüsternde Geister.

Ihr Blut gefror, als sie sich fragte: Wer hat diese Fotos gemacht, die ihr Gesicht in solch verstörenden Momenten festhielten? Und vor allem – wer hatte sie hierher gebracht?

Ein Schatten bewegte sich in der Schwelle. Ein Flüstern, fast zu leise zum Verstehen, doch klar genug, um Lara erzittern zu lassen.

„Du bist näher, als du denkst, Lara.“

Das grelle Klickgeräusch eines Kameraverschlusses schnitt durch die Stille, als die Tür langsam ins Schloss fiel.

Und im Dunkel des Zimmers blieb nur noch der schwache Schein der Taschenlampe zurück – und das Pochen eines Herzens voller Fragen.

--- Ende Kapitel 2.