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Chapter 16

Flucht vor dem Schatten

Kapitel 16 Flucht vor dem Schatten

Die Tür knallte auf, erschütterte die staubige Luft im Zimmer wie ein Sprengsatz. Laras Herz haute gegen ihre Rippen, ein wildes, kaum zu bändigendes Pochen. Der Griff an ihrem Handgelenk wurde fester, die Kälte seiner Haut brannte unter ihrem eigenen Blut, das plötzlich schneller floss. Keuchend zog sie den Arm zurück, ein Kampf um jeden Zentimeter Freiheit, und spürte zugleich das kalte Metall eines Pistolenlaufs, der hinter ihr aufgeblitzt war.

„Keine Bewegung!“ knurrte eine Stimme, rau und undurchdringlich, als würde sie aus den Schatten selbst kommen.

Lara wirbelte herum, ihre Pupillen weit aufgerissen, doch bevor sie reagieren konnte, spürte sie einen ruckartigen Druck gegen den Rücken – hart, unerbittlich. Der Raum begann sich zu drehen, als ob die Zeit selbst aus den Fugen geraten wäre. Die Flammen der einzigen noch brennenden Kerze warfen gespenstische Schatten an die Wände. Schatten, die sich bewegten, verschmolzen und drohten, sie zu verschlingen.

„Wer sind Sie?“ presste Lara hervor, ihre Stimme ein raues Flüstern, während sie langsam die Orientierung zurückgewann.

Die Gestalt, die vor ihr stand, zog die Kapuze zurück. Ein Gesicht, das sich in einem Netz aus Narben und Geheimnissen verlor. „Keine Fragen mehr, Lara“, sagte der Mann mit erschreckender Ruhe. „Du bist zur Zielscheibe geworden. Dr. Krüger hat seine Agenten losgeschickt. Sie suchen dich. Du musst verschwinden, bevor sie dich greifen.“

Ein kalter Schauer zog ihren Rücken hinab. Verschwinden? Untertauchen? Das war mehr als eine Warnung. Es war ein Todesspruch.

„Warum ich?“ Ihre Stimme mangelte es an Kraft, doch die Augen funkelten vor unbeugsamem Willen.

„Du trägst Erinnerungen, die nicht nur dich zerstören können.“ Er hob ein kleines Gerät, das im halbdunklen Raum schimmerte – ein Minidatenträger. „Etwas, das die ganze Organisation zu zerstören droht. Sie fürchten dich. Deswegen jagen sie dich.“

Draußen hallte plötzlich das Echo von schweren Stiefeln, schneller werdend, unaufhaltsam. „Es wird Zeit, Lara. Wenn du hier bleibst, bist du tot.“

Ungläubig riss sie den Mantel von der Nägelwand und stürmte ans Fenster. Nebel waberte schwer über die Straßen, gespenstisch und undurchdringlich. Ein Pulsieren im Ohr wie ein Warnsignal. Irgendwo in der Dunkelheit blitzten Scheinwerfer auf, feindliche Lichter.

Zurück zu dem Unbekannten, nickte sie stumm. Ohne eine weitere Erklärung griff er nach ihrer Hand, zog sie mit sich. Das Knirschen von Glas unter ihren Füßen, als sie durch die Hintertür stürmten, ließ keinen Zweifel an ihrer Flucht.

Die kalte Nachtluft schlug ihr ins Gesicht, als sie in eine Sackgasse abtauchten. Herzrasen, Atemwolken und das entfernte Klingeln einer Alarmglocke vermischten sich zu einem Klangteppich aus Gefahr und Nervenkitzel.

„Wie können wir ihnen entkommen?“, keuchte Lara, während ihre Beine sich schneller bewegten, instinktiv jede Schattenlücke suchend.

„Ich kenne Wege, die die wenigsten kennen.“ Seine Stimme war wie ein scharfer Dolch – entschlossen und kalt. „Unter die Stadt, zu den vergessenen Tunnelanlagen. Dort bist du sicher. Bis wir planen können.“

Die Zeit schien zersplittert; Sekunden dehnten sich zu Ewigkeiten, während hinter ihnen die Verfolger lauter wurden. Schritte hallten wie hungrige Bestien, beseelt von einem Ziel: sie.

Einmal stolperte Lara, ihr Knie schlug hart auf den Asphalt. Scharfe Schmerzen durchzuckten sie. Sie wollte sich nicht erlauben, schwach zu sein – nicht jetzt. Mit verkrampften Fingern ergriff sie die Hand ihres Begleiters, ließ sich aufrichten.

„Nicht nachlassen“, flüsterte er, die Stimme hart, aber... fast menschlich.

Sie liefen weiter, an Parkplätzen vorbei, in den Schatten von Lastwagen, die wie bleierne Giganten in der Dunkelheit standen. Ihre Schritte verhallten irgendwo zwischen dem kalten Beton und ihrer pochenden Angst.

Plötzlich stockte der Mann. Er presste eine Hand an die Seitenwand eines Gebäudes, lauschte.

„Fünf sind es. Bewaffnet. Keine Abkürzungen. Die Überwachungskameras wurden deaktiviert. Sie kennen jeden Eingang“, murmelte er. „Keine Fehler mehr.“

Lara spürte, wie unter ihrer Haut die Panik überhandnahm – scharfe Nadeln aus Verzweiflung und rasender Adrenalin jagten durch ihre Adern.

Der Nebel schien ihr einen letzten verhängnisvollen Vorhang zu bieten, doch das Flackern einer Taschenlampe schnitt durch die Finsternis wie ein Messer.

„Sie sind nah.“ Die Worte hießen in diesem Moment mehr, als jeder Schuss es hätte tun können.

Sie rannten. Um ihr Leben. Um das letzte Stück Wahrheit, das ihr blieb.

Und hinter ihnen das grollende Donnern der Jäger, die sie als Gefahr ausgemacht hatten.

Ein kaltes Lachen schnitt durch die Nachtluft.

Lara schaute kurz über die Schulter – und erkannte die Silhouette, die still und unbarmherzig den Himmel zerschnitt.

Elias Krüger.

Ein Schatten, dem sie nicht entkommen konnte.

Nur das Flüstern des Windes antwortete ihr, bevor sich der Nebel wieder über die Straßen legte.

Und dann – eine Tür weiter vorne. Ein schemenhafter Hochsicherheitseingang, halb im Verfall. Ein letzter Hoffnungsschimmer.

„Hier rein!“ rief ihr Begleiter.

Mit pochendem Herzen stürmte Lara voran, konnte nichts sehen als das schwache Leuchten einer LED-Tafel – dann begann das Schloss zu klicken.

Die Verfolger hielten nur wenige Schritte zurück.

Ein Tropfen schweißnasser Finger berührte das kalte Metall der Tür. Lara atmete tief. Ein Moment zerriss die Zeit.

Das Klick-Geräusch löste sich. Die Tür schob sich langsam auf.

Doch ein scharfer Schuss zerbrach die Stille.

Und der Schatten näherte sich unaufhaltsam.

Würden ihre Erinnerungen sie retten? Oder sie für immer zerstören?

Das zerbrechliche Flackern des letzten Lichts verlor sich in der Dunkelheit.

Ende von Kapitel 16