NoveliqaHerz unter Vertrag: Billionärs geheime Leidenschaft / Haus der Geheimnisse :0%
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Chapter 3

Haus der Geheimnisse

Der Klang der Tür hinter ihr verblasste zu einem heimtückischen Flüstern in Emílias Ohren. Ihr Herz schlug noch immer wild, als sie die Schritte auf den glatten Marmorfliesen des Foyers hallen hörte. Dieses Anwesen war ein Planet für sich, ein steril-kalt glänzendes Reich aus Stahl, Glas und perfekter Ordnung. Doch in Emilia kochten Zweifel und Angst wie ein Sturm unter einer spiegelglatten Oberfläche.

Sie zog ihren Mantel enger um sich, das schwere Schwarz saugte das gedämpfte Licht der Kronleuchter auf und verstärkte das Gefühl, hier unausweichlich gefangen zu sein. Jede Bewegung in diesem Raum schien von einer unsichtbaren Macht überwacht zu werden – von dem Mann, dessen Gegenwart ihr immer noch wie eine eisige Hand auf der Kehle lag.

Langsam tastete sie sich durch den Flur, mit jedem Schritt die Stille lauter im Kopf. Der Duft von teurem Leder und edlem Holz vermischte sich mit einer feinen Note Tabakrauch und subtilen Vanilleanklängen. Ein Geruch, der nach Viktor Lindholm roch – nach Macht und nach Geheimnissen.

Eine breite Treppe führte nach oben, wo die Privaträume warteten. Emilia wusste, dass sie hinauf musste, in den innersten Bereich seines Lebens. Genau dorthin, wo man gewöhnlich keine Gäste empfing, vor allem keine wie sie. Ein leises Knarren unter ihrer Schuhsohle verriet, dass trotz perfekter Reinigung die Zeit hier ihre eigenen Spuren hinterlassen hatte.

Im ersten Stock angekommen, ließ sie ihre Blicke durch die großzügige Eingangshalle schweifen. Möbelstücke aus dunklem Ebenholz, Portraits von Männern in teuren Anzügen – vielleicht Vorfahren Lindholms – schmückten die Wände. Doch ihre Augen blieben an einem kleinen Schreibtisch hängen, der einsam in einer Ecke stand. Neugier stach wie ein Biss in ihre Brust.

Sie trat näher. Auf dem Schreibtisch lag ein geöffneter Lederordner, gefüllt mit Dokumenten, die sorgfältig beschriftet waren. Verträge. Firmenbilanzen. Namen, die sie zum Teil schon während der Verhandlungen gehört hatte.

Doch dann fand sie darunter ein vergilbtes Foto, halb herausgerutscht, als sei es versucht worden zu verstecken.

Emilias Fingerspitzen zitterten, als sie das Bild aufnahm. Das Schwarz-Weiß-Foto zeigte zwei Männer, die Arm in Arm lächelten – unglaublich vertraut. Der eine Mann war Viktor, daran konnte niemand zweifeln. Doch der andere?

Ein Schlag raste durch ihren Körper wie ein Blitzschlag. Das Gesicht des zweiten Mannes – es war ihr Vater.

Ihr Atem stockte. Die Hände auf dem harten Holz des Schreibtischs verkrampften sich. Wie konnte das sein? Was verband Viktor Lindholm mit ihrem verschwundenen Vater? Woher kannte er ihn – und warum war diese Erinnerung hier eingeschlossen, als wollte man sie vergessen machen?

Da fiel ihr Blick auf eine zerknitterte Notiz, kaum sichtbar zwischen den Dokumenten. Ein einzelner Satz, in Viktors krakeliger Handschrift: „Nur die Wahrheit kann zerstören.“

Ein kalter Schauder lief Emilia über den Rücken. Die Worte brannten auf ihrer Haut, als hätten sie ihren Ursprung nicht in der Tinte, sondern in etwas Unausweichlichem.

Ein Klirren aus dem Nebenraum ließ sie zusammenzucken. Jemand war da. Oder etwas. Ihr Herz hämmerte nun nicht mehr nur von Angst, sondern von purer Adrenalinangst.

Sollte sie sich verstecken? Fliehen? Doch wohin? Jeder Schritt in diesem Haus ließ es sich anfühlen, als könne sie nur tiefer in ein Netz aus Schatten und Lügen eintauchen.

Sie biss sich auf die Unterlippe und steckte das Foto in ihre Jacke, vor dem sicheren Versteck in ihrer Brusttasche. Dies hier war mehr als ein luxuriöser Käfig. Es war ein Haus der Geheimnisse – und eines davon war sicher, Emilia stand mitten in seinem Zentrum.

Noch bevor sie sich umwenden konnte, drückte eine neugierige Hand die schwere Tür zum Arbeitszimmer einen Spalt weiter auf. Ein Schatten zuckte, dann war der Gang wieder leer.

Mit pochendem Herzen schlich Emilia weiter, das Foto wie eine geheime Waffe gegen die Dunkelheit in ihrer Tasche.

Sie musste Antworten finden, bevor die Wahrheit sie verschlang.

Doch aus der Ferne klang das sachte, bedrohliche Brummen eines Telefons.

Und noch ehe sie reagieren konnte, vibrierte ihr eigenes Handy in der Jackentasche – eine Nachricht ohne Absender.

Vorsicht, Emilia. Manche Wahrheiten sind tödlicher als der Tod selbst.

Der Atem blieb ihr erneut im Hals stecken.

Im Haus der Geheimnisse war nichts, wie es schien. Und die nächste Enthüllung wartete schon hinter der nächsten Tür.