NoveliqaEwiges Versprechen: Im Schatten der Wahrheit / Ein Schatten in ihrer Nähe :0%
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Chapter 5

Ein Schatten in ihrer Nähe

Kapitel 5 Ein Schatten in ihrer Nähe

Die Tür knarrte bedrohlich, ihre scharfen Töne kratzten wie Fingernägel auf Glas an Emilias Nerven. Die kalte Präsenz, die sich mit jedem zögernden Schritt in ihren Raum schlich, trug den Geruch von kaltem Metall und Rauch – eine Mischung, die sich in ihre Haut brannte. Emilia stand fast reglos da, das Herz schlug so laut in ihrem Brustkorb, dass es der zerbrechlichen Stille den Atem raubte.

Sie wusste, dass sie nicht allein war. Jemand war da. Jemand, den sie vielleicht vertraut hatte. Doch in diesem Schatten lag Verrat, ein Gift, das sich langsam durch ihre Adern zog.

Ein leises Klirren. Ihre Hand fuhr instinktiv zum Schreibtisch, wo ein Brieföffner lag – der kalte Griff schien plötzlich zu pulsieren wie ein Herz, das vor Angst zittert.

„Emilia?“, hauchte eine Stimme, weich und doch mit scharfem Unterton.

Sie wandte sich langsam um. Im Halbdunkel stand Milena, ihre beste Freundin seit Jahren. Doch heute lag etwas Seltsames in ihren Augen, ein schelmisches, beinahe berechnendes Funkeln, das sie vorher nie gesehen hatte.

Emilia spürte, wie eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen wuchs, klirrend kalt und undurchdringlich.

„Was machst du hier?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch sie tastete nach Stärke darin.

Milena lächelte – und das Lächeln hatte nichts Warmes, eher das bearbeitete Glitzern eines Jägers, der gerade sein Beutetier gefunden hatte.

„Ich konnte nicht anders“, sagte sie, den Blick unverhohlen auf Emilias Schreibunterlagen gerichtet.

Ein dumpfer Schlag in Emilias Magen verriet ihr, dass sie erkannt hatte, dass ihre Privatsphäre verletzt wurde. Ein Schatten in ihrer Nähe, der nicht zufällig war.

„Du durchsuchst meine Sachen?“

Milena trat einen Schritt näher, der Raum schien kälter zu werden, die Schatten krochen über die Wände wie lebendige Wesen.

„Ich suche nur Antworten“, antwortete sie ruhig. „Antworten auf Dinge, die du mir nicht erzählen willst.“

Das Misstrauen in Emilias Magen verdichtete sich zu einer dicken, undurchsichtigen Masse. Wie tief konnte Milena wirklich in ihre Welt vorgedrungen sein? Und vor allem: Warum?

„Was weißt du?“ fragte Emilia, jede Silbe von Furcht und Trotz gewürzt.

„Mehr, als du denkst.“ Milena hob eine Akte, die zwischen zerknitterten Papieren hervorlugte. „Dein altes Leben. Und das Versprechen.“

Emilias Atem stockte. Die Akte war ein Relikt aus der Vergangenheit, eine Erinnerung, die sie mit aller Kraft begraben wollte.

„Das ist… das ist … Private!“, flüsterte sie und spürte, wie ihre Stimme brach.

Milena lächelte milde. „Privat? Ich dachte, wir wären Freundinnen. Aber anscheinend bewahrst du Schatten, die dunkler sind als ich dachte.“

Ein zynisches Glitzern blitzte in ihren Augen auf. Die Schlacht hatte bereits begonnen, ohne dass Emilias Herz noch richtig mitspielen wollte.

„Sag mir, Emilia“, fuhr Milena leise fort und legte die Akte auf den Tisch. „Wie weit würdest du gehen, um dein Versprechen zu schützen? Wie viele Menschen willst du noch im Dunkeln halten, während die Wahrheit in dir brennt wie ein Flammenmeer?“

Die Worte hingen zwischen ihnen, schwer und unerbittlich wie ein Urteil.

Emilia trat zurück, ihre Knie fühlten sich instabil an, als wollte der Boden unter ihr nachgeben. Die Zeit schien sich zu dehnen, jeder Atemzug ein Kampf gegen die wachsende Panik.

„Warum jetzt?“, flüsterte sie, „Warum diese Show?“

Milena neigte den Kopf, die Schatten auf ihrem Gesicht spielten mit ihrem Geheimnis.

„Weil es Stimmen gibt, die nicht mehr schweigen wollen. Und weil ich gehört habe, dass jemand anderes ebenfalls nach deinem Geheimnis gräbt.“ Sie beugte sich vor, die kalte Nähe ließ Emilias Haut eine Spur taub zurück.

„Jemand, der nicht gewillt ist, zu verhandeln.“

Ein unheilvolles Schweigen breitete sich aus, bis es durch das schrille Summen Emilias Handy zerschnitten wurde.

Sie griff danach, und ihr Herz blieb stehen. Eine neue Nachricht, ohne Absender.

Sie starrte auf den Bildschirm. Die Worte brannten sich wie Eisen ins Fleisch:

„Vertrau niemandem – nicht einmal ihr.“

Sie hob den Kopf und blickte direkt in Milenas Augen.

„Welches Gesicht verbirgt sich hinter der Fassade des Vertrauens?“

Milenas Finger spielten mit der Akte, als hätte sie gerade das nächste Schachstück auf dem Spielbrett bewegt.

Draußen begann der Regen gegen die Fenster zu prasseln. Dunkle Tropfen, die alle Hoffnung in einen Meeresspiegel aus Zweifeln und Angst tauchten.

Emilia spürte den Eisklumpen in ihrem Herzen wachsen. Sie war nicht nur gejagt von einer Vergangenheit, die sie verschlossen hielt. Nein – die Gefahr lauerte jetzt dort, wo sie sie am wenigsten erwartete: ganz nah. Zu nah.

Und das Versprechen, das sie schützte, konnte schon bald zerbrechen – zersplittern in tausend Schatten.

Der Raum wurde still. Nur das Knarren der alten Holzdielen kündigte den nahenden Sturm an.

Emilia wusste, dass dieser Kampf jetzt begann – in der Dunkelheit, in der jeder Flüsterton ein Verrat sein konnte.

Und sie hatte keine Wahl mehr.

Das leise Kichern, das plötzlich vom Flur herüberdrang, ließ die Haut auf ihren Armen prickeln.

Eine zweite Präsenz.

Jemand anderes war eingetreten.

Und dieser Schritt – ein Schatten auf dem Parkett – versprach nichts Gutes.