Chapter 3
Kapitel 3 Ein Netz aus Lügen
Das Klopfen schlug ein wie ein Hammerschlag gegen ihre Brust, jeder einzelne Schlag schnitt tiefer in Emilias Zwerchfell als der vorherige. Stille setzte sich zwischen sie und Marc, die Luft brannte, doch kein Atem kam über ihre Lippen.
Emilia spürte, wie die Finger der Hand, die das Versprechen hielt, blass wurde, kaum mehr das dünne Pergament festhaltend. In der anderen Hand griff sie sich an die Brust, als wolle sie das pochende Herz an Ort und Stelle halten.
Marc stand genau gegenüber, seine Mimik zuckelte zwischen Glätte und Urgewalt. Die Hände tief in den Taschen vergraben, beobachtete er sie scharf, als könne er in ihrem Blick lesen wie in einem Buch. Doch in seinen Augen lag ein unergründliches Dunkel – kein Hinweis auf Angst, sondern auf Kalkül.
„Willst du aufmachen?“, seine Stimme war kein Feind, doch auch kein Freund. Sie war messerscharf.
Emilia schluckte, zögerte. Ein Ruck ging durch sie, der Boden unter ihr wurde schwankend. Die Tür war die Schwelle zu allem, was sie fürchtete und begehrte gleichzeitig.
„Wir wissen beide, dass es kein Zufall ist“, murmelte sie schließlich, als ihre Hand langsam schwebte, die Klinke berührte. „Wer auch immer da draußen steht, will uns zerreißen. Gegeneinander ausspielen.“
Marc nickte langsam, ein Schatten von Zustimmung in seinem Blick. „Genau das ist es.“
Draußen verstummte das Klopfen abrupt, ein Wechsel in der Präsenz hinter der schweren Holztür. Dann ein leises Rascheln, ein gedämpftes Atmen. Emilia fühlte, wie sich die Nackenhaare aufstellten.
„Leg deine Karten auf den Tisch, Emilia“, forderte Marc, während er sich neben sie stellte. „Wer spielt uns hier das Spiel?“
Das Haustelefon klingelte schrill, der schrille Ton brach den Augenblick wie ein faustgroßer Eisbrocken durch das Fenster. Empört griff Emilia danach, das Herz raste.
„Keine Nachrichten um diese Uhrzeit“, murmelte sie, doch die Nummer war ihr nicht unbekannt. Ein panisches Prickeln rollte wie Feuer über ihre Haut.
Marc warf einen Blick auf das Display, sein Gesicht verzog sich zu einem spöttischen Grinsen. „Jemand versucht, uns zu testen.“
Der Hörer glitt an ihr Ohr. Die Stimme klang kalt, mechanisch – kein Mensch, sondern eine Botschaft, die mehr Bedrohung als Information barg.
„Lass das Spiel beginnen, Emilia. Du weißt, dass du keine Chance hast, wenn du die falschen Leute vertraust.“
Dann ein Geräusch – das Klicken der Leitung. Die Verbindung war abgebrochen.
Emilias Fingerspitzen krampften sich um das Telefon, ihr Herz stolperte. „Wer hat uns so im Visier?“, flüsterte sie, doch niemand antwortete.
Marc legte behutsam eine Hand auf ihren Unterarm, sein Griff war warm, fordernd. „Wir müssen herausfinden, wer dahintersteckt, bevor wir uns gegenseitig zerfleischen.“
Doch selbst in diesem Moment, eingekeilt zwischen Dunkelheit und panischer Wachsamkeit, zweifelte Emilia. Ihr Blick fiel auf den Umschlag – das Versprechen –, die vertraute, doch nun bedrohlich wirkende Schrift zog alle Aufmerksamkeit auf sich.
Ein mulmiges Gefühl breitete sich aus, wie Blei im Magen.
„Wer spinnt dieses gefährliche Netz hinter den Kulissen?“
Die Antwort lag in der Stille, in jedem Schatten, den die flackernde Straßenlampe durch das Fenster warf. Und in der Gewissheit, dass niemand hier unschuldig war.
Das Spiel war eröffnet. Mehr denn je spürte Emilia den kalten Hauch der Wahrheit – und die Gefahr, die aus jedem Lügenfaden wuchs.