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Chapter 13

Der innere Zwiespalt

Kapitel 13 Der innere Zwiespalt

Der Tropfen fiel. Wieder. Und wieder. Ein rhythmisches, unbarmherziges Pochen in Noras Ohren, das sich mit dem dumpfen Schlag ihres Herzens vermengte. Direkt vor ihr blinkte der Bildschirm, das Neonlicht seines letzten Flackerns warf zitternde Schatten an die kahlen Wände des labyrinthischen Kellers.

Noras Brust hob und senkte sich schwer, der kalte Schweiß pappten ihr an den Schläfen. Die Worte, die dort zuletzt erschienen waren, pulsierten hinter ihren Augenlidern, als wollten sie sich in ihr Hirn eingraben: „Ist Magnus Elias Retter oder Zerstörer? Die Antwort liegt in der Tiefe seiner eigenen Endlosschleife.“

Doch selbst als sie blitzschnell den Kopf schüttelte, verschwand die Zeile nicht. Stattdessen formten sich die Buchstaben zu einem Echo in ihrem Geist, das sich in brechenden Wellen um die Innenseite ihres Schädels schlug.

Sie spürte, wie die Grenze zwischen Realität und Illusion begann zu zersplittern — wie dünnes Glas, das unter Druck zu bersten droht.

Nora stand auf, die Beine zitterten unsicher unter ihr, als sie reflexhaft gegen die Wand tastete. Der Untergrund war rau und feucht, kaum mehr als eine weitere Erinnerung an all die durchwachten Nächte, in denen sie der Wahrheit nachjagte.

„Was... was ist real?“ Ihre Stimme war kaum lauter als ein hauchender Wind.

Die Stille, die ihr antwortete, war ebenso erdrückend wie die Dunkelheit, die sich über den Raum gelegt hatte.

Sie schloss die Augen, ließ den Atem tief durchströmen — spürte dabei, wie die Zeit um sie herum seltsam zähflüssig wurde, als würde jeder Atemzug in eine unsichtbare Schlinge gezogen, die sie immer wieder auf denselben Punkt in ihrem Bewusstsein zurückzog.

Ein Schrei, gerade eben noch an der Grenze ihres Verstandes, schwebte an die Oberfläche ihres Denkens. Jedes Geräusch — das Tropfen, das Flimmern, ihr eigener Herzschlag — schien Teil eines perfiden Rhythmus zu sein, den sie nicht durchbrechen konnte.

Sie fühlte, wie im Inneren des Lichts und der Finsternis ein Kampf tobte.

„Nora.“ Die Stimme in ihrem Kopf war sacht, beinahe vertraut, und doch war sie fremd genug, um ihr einen Schauer über den Rücken zu jagen. „Du musst wissen… Meister der Zeit sind nicht immer die, die du zu erkennen glaubst.“

Sie riss die Augen auf. Der Raum war leer. Kein Magnus. Nur der permanente, surrende Klang der langsam sterbenden Neonröhren.

Nora holte schwer Luft und machte einen Schritt vorwärts. Der Gang schien sich unter ihren Schuhen zu biegen, als ob er ein Eigenleben besaß.

„Willst du mir das nur einreden?“, flüsterte sie und tastete an ihrer Schläfe, als wollte sie das Summen, das dort vibrierte, abstreifen.

Die Schatten verdichteten sich, zogen wie feine Finger durch die Ritzen der alten Metalltür am Ende des Gangs. Sie war verschlossen, doch spürbar nicht für immer.

Ein leises Klicken.

Ihr Kopf zuckte in die Richtung. War das... eine Einladung — oder eine Falle?

Nora trat näher an die Tür und spürte, wie sich der kalte Stahl unter ihrer Handfläche in eine flimmernde Masse aus Licht und Dunkelheit auflöste.

„Das passiert nicht wirklich“, murmelte sie. „Du kannst die Schleife nicht brechen, wenn du selbst Teil davon bist.“

Ihre Gedanken zogen Schleifen, so eng und erdrückend, dass ihr schwindlig wurde. Erinnerungen entfalteten sich wie vergilbte Filmstreifen: Das Lachen ihres verstorbenen Bruders, das scharfe Knirschen der statischen Luft bei der ersten Begegnung mit Magnus, ihre eigenen verzweifelten Schritte durch endlose Korridore aus Neon und Beton.

Und immer wieder der Tropfen.

Jeder Tropfen eine Fessel, eine Warnung, eine verlorene Chance.

Sie griff in die Luft, als wollte sie etwas greifen, das nicht existierte — die Wahrheit, die sich vor ihr verbarg wie ein Schatten hinter einem Spiegel.

Eine Stimme, fremd und doch verstörend vertraut, durchbrach die Stille:

„Glaubst du, du kontrollierst das Spiel, Nora? Oder bist du doch nur eine Spielfigur für jemanden, der längst die Regeln geändert hat?“

Noras Hände ballten sich zu Fäusten, die Fingernägel gruben sich schmerzhaft in die Handflächen. Ihr Atem beschleunigte sich, bis er sich anhörte wie das Flattern von mechanischen Flügeln in ihrem Inneren — unaufhörlich, panisch.

Sie wollte weg, doch der Gang schien sich verlängert zu haben, jeder Schritt trieb sie tiefer in ein Labyrinth aus Zeit und Zweifel.

„Hör zu!“ Sie schlug sich die Hände gegen die Schläfen. „Du bist nicht real. Das darfst du nicht sein!“

Doch selbst als ihr Verstand das erklärte, spürte sie, wie sich eine leise Unsicherheit in ihr ausbreitete — wie ein Gift, das sich unbemerkt in den Adern verteilte.

Wer kontrollierte wirklich? Wer bestimmte, was sie sah, wie sie fühlte?

Und die Frage bohrte sich wie ein Dolch in ihr Herz: Woran konnte sie noch glauben, wenn alles sich wiederholte?

Ein schwacher Lichtschein hinter der Tür.

Sie hob die Hand, zögerte — dann griff sie nach der Klinke.

Der Moment zog sich wie Kaugummi, die Luft schien zu vibrieren.

Und dann, genau als ihr Finger die kalte Oberfläche berührte, knackte es hinter ihr.

Ein Geräusch, das aus den Schatten kroch.

Nora fuhr herum.

Doch da war nur Dunkelheit.

Das Licht flackerte erneut.

Der Bildschirm vor ihr begann zu flimmern.

Und dann, ganz plötzlich, blieb alles stehen.

Ein Schweigen, so laut wie die Endlosigkeit.

Nora spürte den kalten Hauch der Unsicherheit auf ihrer Haut.

Woran kann sie noch glauben?

Die Endlosschleife hatte noch lange nicht ihr Ende gefunden.