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Chapter 7

Flucht aus der Festung der Schatten

Kapitel 7: Flucht aus der Festung der Schatten

Der Atem Kaelans gischte in der kalten Nachtluft, als sein Herz gegen den knochigen Käfig seiner Rippen hämmerte. Der scharfe Schmerz, der durch seinen Rücken schoss, war wie ein Wetterleuchten, ein verheißenes Unheil, das sich mit jedem Schlag vertiefte. Lioran – sein einst enger Verbündeter – war verschwunden, doch der bittere Geschmack des Verrats lag schwer auf seiner Zunge.

Die Schatten der Festung schienen sich zu verdichten, krochen über das grobe Pflaster aus dunklem Stein wie lebendige Schlangen, die ihn in ihren Bann ziehen wollten. Kaelans Finger krallten sich in die schroffen Ritzen der Mauer, seine Muskeln brannten von der Anspannung. Jemand lauerte da draußen – oder vielmehr: Viele. Bewegungen im Randlicht, geflüsterte Stimmen, schwer atmende Schritte hinter dichtem Gestrüpp.

Keine Chance zum Atemholen. Keine Zeit zum Zweifeln.

Mit einem Satz katapultierte sich Kaelan über den niedrigen Palisadenzaun, seine Stiefel schlugen dumpf auf trockenen Kies. Der Wald von Eryndor, der sich endlos vor ihm ausbreitete, lockte mit flüchtiger Zuflucht. Doch die Nacht war schlummerndes Gift, und Kaelans Körper hallte das Echo kalter Luftzüge wider, die um seine Haut jagten – wie Messer, die über festes Fleisch strichen.

Ein knisterndes Geräusch – ein Ast, zerbrochen und fallend – ließ ihn starr erstarren. Der Wind schien den Atem anzuhalten. Kaelan war wach. Jeder Sinn war auf Messers Schneide.

"Scheiße," flüsterte er, während er sich in den Schatten der knorrigen Bäume duckte.

Das Silber des Mondes drang nur spärlich durch das dichte Blätterdach. Das Rascheln von Laub, das Knacken von Zweigen – zu viel, um Zufall zu sein.

Hinter ihm zerfetzte ein kurzes, scharfes Pfeifen die Stille, und Kaelan spürte den Sog des Todes dicht auf den Fersen.

Er riss sich von seinem Versteck los, spürte, wie die Klinge eines Dolches nur Zentimeter an seiner Schulter vorbei schnitt, der schneidende Luftzug ließ ihn taumeln. Mit dumpfem Aufprall landete er auf dem feuchten Waldboden, der modrige Geruch von Pilzen und Moos prickelte in seinen Nasenlöchern, ebenso wie der Verlust des Gleichgewichts.

Der Boden unter ihm vibrierte von den schweren Stiefelschritten seiner Verfolger. Schreie durchschossen die Nacht, rau wie ein zerrissener Stoff.

Kaelans Brustkorb brannte, als er sich mühsam aufraffte, die raue Rinde eines Baumes packte und sich hastig aufrichtete. Kiefer zusammengebissen, die Augen glühend vor Entschlossenheit und Angst.

Er musste verschwinden. Jetzt.

Die tödliche Umklammerung der Schatten der Festung löste sich langsam, ersetzt durch das ungezähmte Chaos der Wildnis. Jeder Schritt war ein Kampf gegen die lähmende Erschöpfung, gegen die beißende Kälte, gegen die verzweifelte Erkenntnis, dass der Feind ihm immer einen Schritt voraus war.

Vor ihm öffnete sich eine Lichtung, gefüllt mit flirrendem Nebel, der sich wie ein lebendiger Schleier über das Gras legte.

„Hier… hier muss ich bleiben,“ keuchte er in den dunstigen Nachtwind.

Sein Körper schrie nach Ruhe, doch die Angst klebte an seinen Nerven wie brennendes Pech.

Plötzlich ein Geräusch: Ein Knacken, das nicht dem der Verfolger entsprach. Etwas anderes – langsamer, vorsichtiger, fast verstohlen.

Kaelan drehte sich ruckartig um. Die Schatten verwandelten sich zu Silhouetten zwischen den Baumstämmen.

"Wer bist du?" Seine Stimme vibrierte, halb herausgepresst, halb drohend.

Die Gestalt trat ins schummrige Mondlicht. Ein Gesicht, das Kaelan nur zu gut kannte – doch falsch war. Ein Spiegelbild, verzerrt durch Misstrauen und unergründliche Absichten.

„Das ist nicht das, wonach du suchst,“ flüsterte die Gestalt mit rauer Stimme. „Siehst du nicht? Du bist eine Marionette, und die Fäden werden von denen gezogen, die im Dunkeln lauern.“

Kaelans Augen verengten sich. „Sprich klar, oder schweige für immer.“

Die Schattenverschleierung auf der Gestalt löste sich fast; die Umrisse wurden deutlicher. Ein Lächeln stahl sich in die Lippen – kalt und berechnend.

„Ich verfolge dich nicht zu deinem Schutz, sondern zu deinem Untergang.“

Ein Knall! Ein Zweig brach hinter der Lichtung. Kaelans Blick riss zurück in die Finsternis. Die Vorgehensweise seiner Verfolger änderte sich. Sie hatten ihn entdeckt.

Sein Herz donnerte wie wild. Die Schatten verschmolzen mit seinen eigenen Ängsten. Wer jagte ihn wirklich? Und mit welchem Ziel?

Er wusste nur eins: Dies war erst der Anfang.

Ein dichter, bitterer Nebel kroch vom Waldboden empor, umhüllte Kaelans Silhouette wie eine in düsteren Geheimnissen gewobene Rüstung.

Der Pfad der Ewigen Klinge hatte ihn vorerst freigegeben – doch die Schatten hatten ihn nicht verloren.

Ein letztes Rascheln.

Ein Flüstern.

Und dann das alles entscheidende Knacken eines Astes – nah.

Kaelans Augen weiteten sich. Ein kaltes Prickeln fuhr seinen Nacken hinab.

Wer war der wahre Jäger – und was wollte er von ihm?

Die Antworten verbargen sich in der Dunkelheit.

Und Kaelan war allein.