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Chapter 6

Verrat unter Brüdern

Kapitel 6 – Verrat unter Brüdern

Die kalte Nachtluft schlug wie eine messerscharfe Klinge in Kaelans Brust. Sein Herz hämmerte gegen die Rippen, als sich die Schatten verdichteten und die Silhouette der Gestalt im fahlen Mondlicht verschwamm. Der Atem seines vermeintlichen Freundes, Lioran, war kaum hörbar, doch in der bedrückenden Stille klang jeder Laut wie ein Donnerschlag.

Kaelan zwang sich, die Hand nicht zu einer Faust zu ballen. Zu oft hatte er auf Lioran vertraut – der Bruder im Geiste, der ihm im Kampf zur Seite stand. Doch jetzt, hier in den verwinkelten Gassen von Eldreys Hafenstadt, nagte ein bitterer Zweifel an ihm.

Die Gestalt bewegte sich plötzlich, die schattenhafte Umrisse kaum wahrnehmbar, schnell, fließend, lautlos wie eine Raubkatze.

„Kaelan ...“ flüsterte Liorans Stimme, seine Worte erstickten fast im Wind. „Du darfst nicht bleiben. Sie wissen Bescheid. Der Schattenklan hat uns eingeholt.“

Ein Puls Pochen legte sich in Kaelans Ohren, als sich seine Sinne schärften. „Was redest du?“ Die Stimme war rau, gereizt vom Schlafmangel und dem unerwarteten Druck. „Wer hat es dir verraten?“

Liorans Augen blitzten kurz im Mondlicht, sein Blick war unruhig, fast ausweichend. „Ich ... ich habe keine Wahl gehabt. Sie haben meine Familie. Wenn du hier bleibst, werden sie sterben.“

Kaelan spürte, wie die Worte wie frostige Nadeln in sein Herz stachen. Die Maske des Kameraden begann zu bröckeln, darunter verbarg sich Verrat.

„Bist du mir das?“ Kaelans Stimme sank zu einem gefährlichen Flüstern, während er einen Schritt zurücktrat und seinen Griff um die Klinge fester zog. „Du bist ein Spion des Schattenklans.“

Lioran senkte den Kopf, die Schultern schwer vor Schuld. „Ich wollte dich schützen. Ich wollte nicht, dass du stirbst. Aber sie drängen mich, Kaelan. Sie kennen deinen Aufenthaltsort. Sie kommen.“

Plötzlich bebte der Boden unter ihren Füßen – ein schwaches, aber unheilvolles Poltern. Kaelan spürte den eiskalten Hauch des drohenden Unheils. Schritte, schnell und schwerfällig, hallten durch die Gassen.

„Wie viele sind es?“ Kaelan zog sein Schwert, das kalte Metall blitzte im düsteren Licht, als einen Schatten an die Wand warf, der aussah wie ein Dämon.

„Zwanzig. Mindestens.“ Liorans Stimme brach fast unter der Last der Wahrheit. „Sie umzingeln uns. Es gibt keinen Ausweg.“

Kaelan atmete tief ein, die vertraute Schärfe der Angst durchzog seinen ganzen Körper. Die Tür zur Hintergasse fiel laut ins Schloss, und das Klirren von Ketten ließ seinen Puls kurz erstarren.

Die ersten Schritte der Angreifer machten sich bemerkbar. Stählerne Schwerter und der klirrende Klang von Wurfmessern füllten die Nacht mit tödlicher Präzision.

„Du hast mich verraten.“ Kaelans Stimme war ein kaltes Schwert, das durch die Dunkelheit schnitt.

„Um zu überleben.“ Liorans Augen funkelten verzweifelt, eine Mischung aus Reue und Entschlossenheit. „Es tut mir leid, Bruder.“

Der erste Schatten brach hervor, ein kühner Angriff. Kaelan parierte mit einem beherzten Schwung. Metall kreischte gegen Metall, Funken sprühten.

Die Enge der Gasse zwang sie zu einem schnellen, erbitterten Nahkampf. Kaelan spürte, wie seine Flüche und Schmerzen wie nasse Lappen an ihm zogen – sein verfluchter Körper reagierte langsamer, schwerer als früher. Trotzdem raffte er all seine Kraft zusammen.

Zwischen dem Lärm der Klingen drang Liorans Fluchtversuch zu seinem Ohr. „Ich werde einen Weg finden. Du musst…“

Eine Waffe durchschnitt den Raum, spürbar nur durch den Luftzug. Kaelan drehte sich herum – im Augenwinkel sah er, wie eine Wurfklinge sich seinem Hals näherte.

Instinktiv blockte er, doch der Schlag zerstörte die Balance. Sein Schwert rutschte aus der Hand, klirrend auf das Pflaster. Die kalte Klinge lag knapp außerhalb seiner Reichweite.

Blitzschnell zog er einen Dolch aus seinem Stiefel, seine Finger tanzten flink über den Griff.

„Du kannst sie nicht besiegen, Kaelan.“ Die Stimme war jetzt hinter ihm, dunkel und drohend. Lord Malrik Voss. „Du bist schwach. Du bist verflucht.“

Ein schmerzhafter Zorn durchriss ihn. „Ich bin nicht schwach! Ich werde siegen – um jeden Preis!“

Mit einem Satz katapultierte sich Kaelan durch die Luft, stieß den Angreifer zurück und griff nach seinem Schwert. Die Klinge fühlte sich fremd an, als sie wieder seine Hand umschloss, fast eisig.

Sein Blick traf Lioran, der in der Dunkelheit verschwand – ein Stachel im Rücken.

Kaelan wusste, dass er keine Zeit mehr hatte. Die Nacht war auf seiner Haut wie eine klebrige Decke aus Bedrohung.

Wie wird Kaelan dem Anschlag entkommen?