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Chapter 3

Der erste Kampf auf Leben und Tod

Kapitel 3 Der erste Kampf auf Leben und Tod

Kaelans Herz pochte wie ein wildes Tier in seiner Brust. Der kalte Stahl der Klinge an seinem Gürtel fühlte sich heute anders an – fast lebendig, als hätte er ihn tiefer in sich hineingezogen. Der Nachhall jener Worte nagte an ihm: „Die Schatten sind nicht nur im Dunkeln – sie sind in dir.“

Sein Atem glitt flach, die Luft schmeckte nach Staub und Rauch, als er die schmalen Gassen von Dorran durchquerte. Um ihn herum quoll die Stadt vor Leben – Händler riefen, Kinder jagten durch enge Winkel, doch zwischen all dem Pulsieren fühlte sich Kaelan wie ein Außenseiter, ein Schatten, der gegen die Sonne ankämpfte.

Das Karussell in seinem Magen drehte sich schneller, während er sich dem Umschlagplatz näherte – ein Arena-artiger Hof, umringt von zerklüfteten Steinstufen, auf denen zwielichtige Gestalten mit scharfen Blicken saßen. Ja, das war der Duellzirkel. Ein Ort, wo Blut floss und Stärke mit jedem Schlag gezählt wurde.

Kaelan blieb am Rand stehen. Der Geruch von Schweiß und Metall stieg ihm in die Nase. Ringsum summte eine Mischung aus Erwartung und härtester Realität. Ein grimmiger Mann mit Narben, die wie Landkarten der Gewalt auf seinem Gesicht lagen, schaute ihn scharf an.

„Neu hier, Krieger?“ Seine Stimme war rau, doch ein Funken Neugier blitzte in den Augen. „Was suchst du?“

Kaelan schluckte schwer, der Knoten im Hals enger denn je. „Stärke. Verbündete. Einen Weg.“

Eine kurze Pause folgte, in der das Murmeln der umstehenden Menge wie ein dumpfes Gewitter an seine Ohren dröhnte. Dann nickte der Mann langsam. „Das wirst du hier finden. Aber zuerst... zeig, dass du kämpfen kannst.“

Sein Blick wanderte zum Zentrum des Rings. Dort, unter dem grellen Licht der hängenden Laternen, stand ein Trainer – stämmig, Muskelberge unter zerfetzten Lederriemen, die Hände fest um ein paar Punchingbälle geschlungen. Neben ihm ein junger Kämpfer, der vor Selbstbewusstsein knisterte.

„Wer ist dein Gegner?“ raunte Kaelan einem anderen Zuhörer zu, dessen Augen kalkweiß leuchteten.

„Rovn den Schlächter. Wurde hier letztes Mal fast zerlegt. Fürchte dich. Niemand hat ihn bisher über drei Runden gebracht.“

Kaelans Hände ballten sich zu Fäusten, die Haut spannte über den Gelenken. Sein Körper fühlte sich schwach, wie durch ein unsichtbares Netz gefesselt. Die Flüche, die in seinem Inneren nagten, zogen an seinen Gliedern wie kalte Schattenfinger – doch die Flamme seiner Entschlossenheit loderte heller.

Der Aufruf stieß durch die Menge: „Kaelan Draven! Trete in den Ring.“

Jeder Muskel in seinem Körper schrie, als er die vorgesehene Kreisfläche betrat. Die Menge schrie und tobte, doch mit jedem Schritt fühlte er den wütenden Sturm seines inneren Kampfes – den Kampf gegen seinen verfluchten Leib, den gegen die Zeit.

„Du bist also der Neue,“ sagte Rovn mit einem Grinsen, das mehr einem Raubtier glich. „Ich werde dir zeigen, warum du hier nichts zu suchen hast.“

Kaelans Blick heftete sich auf den Gegner – die prallenden Muskeln und das grimmige Lachen formten ein Bild von roher Gewalt. Doch hinter Rovns Augen blitzte Abenteuerlust, die Anziehung des Kampfes selbst.

Die Glocke schlug, ein kurzer, durchdringender Ton. Die Menge raste auf wie eine Welle.

Rovn stürmte vor, eine Druckwelle aus geballter Kraft – ein Schlag, der den Boden zu erbeben schien. Kaelan wich in letzter Sekunde zurück, der Wind des Angriffs riss ihm die Haare ins Gesicht. Er spürte, wie seine Beine unter ihm schwankten, die Welt für einen kurzen Moment wankte.

Sein Puls trommelte ohrenbetäubend. Jeder Nerv schreiend vor Adrenalin. Sein Körper verspannte sich, die Schatten tief in seinen Muskeln zogen und zerrten. Doch er fand eine seltsame Ruhe in diesem Messerkampf aus Bewegung und Stille.

„Komm schon, Krieger! Du bist schneller, also zeig es!“ Rovns Stimme war jetzt eine aggressive Herausforderung.

Kaelan wandte den Schwung des nächsten Angriffs ab und spürte, wie sich etwas in ihm regte – eine Winzigkeit von Kraft, als seine Finger die Klinge am Gürtel fester umfassten.

Die Klinge, die selbst ein Gebrechen war, sollte jetzt sein Versprechen werden: Ein Versprechen, dass er nicht brechen würde.

Er konterte. Schnell, präzise – ein Stoß, der Rovns Rücken streifte. Ein kleiner Triumph, das Zischen der Klinge in der Luft war wie ein Kuss des Schicksals.

Doch dann raste Rovns Faust auf ihn zu, ein Schlag, der seine Deckung zersplittern ließ. Schmerz durchfuhr Kaelans Rippen, heiß und schneidend. Der Kampf sprach von Leben und Tod, von Stärke und Zerbrechlichkeit, und Kaelan fühlte jeden Tropfen seiner sterblichen Schwäche lodern.

Die Menge tobte, doch in Kaelans Ohren dröhnten nur seine knirschenden Knochen, das röchelnde Brennen in den Lungen und der bittersüße Geschmack von Blut.

Wird sein Körper – durch den Fluch geschwächt, doch vom Willen entflammt – dem Druck dieses gnadenlosen Kampfes trotzen?

Noch bevor er antworten konnte, stürmte Rovns nächster Angriff heran, ein dunkler Schatten, der sich unvermittelt auf ihn legte.

Das graue Licht der Dämmerung füllte die Arena, als Kaelans Welt in einem Strudel aus Schmerz, Kampf und Hoffnung verschwamm.

Und dann – ein Moment des Atemanhaltens.

Das nächste Kapitel seines Schicksals begann genau hier.