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Chapter 16

Die Hand in der Regierung

Kapitel 16 Die Hand in der Regierung

Das Klacken der Absätze auf dem kalten Stein schien in Kaelans Adern zu pulsieren, als würde es sein Herz selbst dirigieren. Jeder Schritt, getragen von unerbittlicher Entschlossenheit, hallte in der leeren Halle des alten Ratsgebäudes wider. Die Schatten an den Wänden, verwaschen und verzerrt durch flackerndes Kerzenlicht, schienen sich zu regen und zu flüstern — als wüssten sie mehr, als sie preisgaben.

Kaelans Atem zog kurz und flach. Der eisige Griff der Erkenntnis drückte sich schwer auf seine Brust: Irgendwer hatte die Fäden seiner letzten Schritte gelenkt. Der Schattenklan, das Netzwerk aus spionierenden Meistern der Unsichtbarkeit, griff tiefer in das Geflecht der Macht ein, als er je vermutet hatte.

"Wer beobachtet ihn?", hallte die Frage in seinem Kopf wider, während die Dunkelheit um ihn herum dichter wurde.

Er blieb stehen. Die Stille war plötzlich ein Dolch, der gegen seine Trommelfelle schlug. Ein Geräusch, kaum wahrnehmbar, fing seinen Sinn. Ein kaum hörbares Kratzen – von Pergament? Oder war es das leise Rascheln einer Robe? Kaelans Finger zuckten zur Klinge an seiner Hüfte, doch sein Körper blieb starr, zielgerichtet in einer Ruhe, die nur jene haben, die sich im Schatten windigen Gefahren aussetzen.

Seine dunkel getrübten Augen scannten die Halle. Dort, am Fenster, ein Spiegelbild — ein Mann, dessen Umrisse so präzise und doch so ungreifbar wirkten wie der Nebel über den Gebirgen von Eryndor. Ein Agent? Ein Verräter? Kaelan spürte, wie sich eine Kälte in seiner Wirbelsäule ausbreitete, die nichts mehr mit der winterlichen Nacht zu tun hatte.

"Du bist also auch hier," murmelte Kaelan in die Stille, gerade laut genug, dass die Worte wie ein gehauchter Verschwörungsfunke verglommen.

Keine Antwort. Nur das unbarmherzige Tropfen einer undichten Stelle irgendwo in der Gewölbedecke, das wie ein Metronom der Zeit klang, die ihm entglitt.

Kaelans Gedanken rasten zurück zu den Aufzeichnungen aus der verborgenen Bibliothek der Kultivierungsakademie, die er heimlich studiert hatte. Dort war vom Schattenklan die Rede — doch immer nur in Legenden, von Leuten, die man als Verschwörungstheoretiker abtat. Dass diese uralten Netzwerke noch heute existierten, tief verwoben in den verworrenen Gängen der Macht, war eine Wahrheit, die seine Welt erschütterte.

Er setzte sich in Bewegung, sein Mantel wirbelte hinter ihm wie ein dunkler Schleier. Jeder Schritt hallte wie eine Drohung. Sein Herz pochte wild in seiner Brust, die Welt um ihn verschwamm zu einer Mischung aus Schatten und Licht. Seine Finger krallten sich um den Griff seiner Klinge, bereit zuzuschlagen, doch sein Verstand riet zur Vorsicht – diese Schlacht wurde nicht mit der Schärfe der Klinge entschieden, sondern mit der Schärfe der Wahrnehmung.

Plötzlich ein Rascheln von Stoff und das kurze Klicken einer Tür, die leise ins Schloss fiel. Kaelan blieb wie erstarrt stehen, sein Blick fixierte die gegenüberliegende Tür zum Ratssaal.

Ein Schatten löste sich aus der Dunkelheit, ein Mann mit einer Maske, die das Gesicht verbarg, trat vor. Seine Bewegungen waren fließend, geschmeidig, und seine Stimme so kalt wie die Bergwinde von Eryndor:

„Du hast Fragen, Kaelan Draven. Aber weißt du wirklich, wen du suchst?“

Kaelan erwiderte den Blick, seine Stimme senkte sich zu einem gefährlichen Flüstern: „Wenn du so viel weißt, dann sag mir — wie tief reicht die Kontrolle des Schattenklans in der Regierung wirklich?“

Der Maskierte lächelte schmal, ein Lächeln, das mehr sagte als Worte. „Tiefer, als dir lieb ist. Manchmal so tief, dass selbst die Herren des Rats nur Marionetten in einem Spiel sind, das lange vor deiner Geburt begann.“

Die Spannung schien zu explodieren in der klaustrophobischen Enge des Raumes. Kaelans Mind war ein Krater aus Zweifeln, Rage und einer beängstigenden Neugier. Wer war dieser Mann? Freund oder Feind? Und — hatte er die Macht, Kaelans Pfad zur Unsterblichkeit zu beschleunigen… oder zu zerstören?

Ein leises, kaum hörbares Pipen- Geräusch schnitt die Stille — Kaelan griff instinktiv nach der Quelle, die sich im Ärmel seiner Robe versteckte. Ein Signalgerät? Oder eine Warnung?

Der Maskierte drehte sich langsam zum Ausgang, seine Worte hinterlassen wie eine kalte Spur: „Die Zeit läuft, Kaelan. Und die Wahrheit wartet nicht.“

Als die Tür klickend ins Schloss fiel, stand Kaelan allein da, Herzschlag wie ein Donnerschlag. Er wusste: Dies war erst der Anfang eines Spiels, bei dem jede Ziehung des Schachbretts ihn tiefer in den Strudel von Verrat und Tod zog.

Die Kontrolle des Schattenklans — sie war kein Mythos mehr.

Wie tief sie wirklich reichte, jedoch, war eine Frage, die in der Finsternis lauerte. Und Kaelan konnte nur ahnen, wie viele von Eryndors Mächtigen längst zu Figuren in einem finsteren Puppentheater geworden waren.

Er atmete tief ein und schloss die Augen.

Die Hand, die die Fäden zog, war näher, als er vermutete.

Und sie war bereit zu zuschlagen.

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Das leise Kratzen von Feder auf Pergament begann erneut, unterbrochen vom entfernten Hallen der Nachtstunden. Die Wahrheit war ein Messer mit zwei Schneiden — und Kaelan musste lernen, damit zu tanzen.

Die Schatten atmeten mit ihm, die Regierung war nicht mehr sicher. Die Spiele der Macht breiteten sich aus wie Dunst über Eryndor.

Und die Zeit, wie immer, war sein härtester Gegner.

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Wie tief reicht die Kontrolle der Schattenklan wirklich? Ein einziger Blick hinter die Maske könnte die Antwort bringen. Doch die Maske bleibt undurchdringlich. Kaelan spürt die Schlinge um seinen Hals enger werden.

Die Nacht atmet.

Die Jagd beginnt.