Chapter 14
Kapitel 14 In den Fängen der Schattenklan
Kaelans Herz hämmerte in seiner Brust wie das rhythmische Klopfen einer Kriegstrommel, während der letzte Schattenfall auf Thalrens Gestalt hinter ihm verblasste. Der Raum, einst von schwachem Kerzenschein erhellt, schien plötzlich kälter, leerer — gefüllt mit der bleiernen Schwere unausgesprochener Worte. Nichts regte sich außer dem leisen Rascheln des Windes, der durch die Ritzen des zerfallenden Kastells sickerte und wie ein Wispern uralter Geister klang.
Seine Finger krallten sich in die raue Holzvertäfelung der Wand, während seine Augen wild durch den Raum tasteten, als könnte er durch bloße Entschlossenheit einen Feind bannen, der sich noch in der Dunkelheit verbarg. Doch es war nicht nur die Finsternis um ihn, sondern die Ahnung, dass die Schatten sich nicht nur im Raum, sondern auch in den Herzen seiner Verbündeten eingenistet hatten.
„Kaelan,“ flüsterte eine bekannte Stimme, leise und doch unerbittlich.
Er wandte sich ruckartig um.
Lilara schob sich aus der Dunkelheit, das Gesicht schmal und verzerrt von einer Mischung aus Angst und Entschlossenheit. Ihre Augen, dunkel wie die Nacht selbst, verfolgten jede seiner Bewegungen.
„Wir sind nicht mehr sicher,“ sagte sie. Ihre Stimme bebte, leise, aber klar genug, um die bedrückende Wahrheit in den Raum zu schleudern. „Die Schattenklan... sie haben unsere Seiten infiltriert. Es gibt keinen Winkel, keinen Verbündeten, der nicht bereits unter ihrem Einfluss steht.“
Kaelans Atem stockte. Die Worte schmeckten bitter, verräterisch.
„Wie viel weißt du?“ Seine Stimme war rau, von Sorge unterlegt, fast zögernd.
Lilara trat näher, das kalte Licht spiegelte auf der blanken Kante ihres Dolches. „Mehr, als uns lieb sein kann.“ Sie holte tief Luft, als wolle sie sich für etwas vorbereiten, das noch nicht ausgesprochen war. „Thalren... er war nie unser Verbündeter. Nicht wirklich. Er ist ein Bruchstück ihres Plans. Gestern Abend hat er ihre Zeichen gesetzt – Zeichen, die nur ihre Augen erkennen können.“
Kaelans Herz begann schneller zu schlagen, der kalte Schweiß lief ihm den Nacken hinunter. Seine Hände wurden zu Fäusten geballt, weiße Knochen stachen unter der Haut hervor. „Du willst sagen... dass er uns verraten hat? Er, dem ich vertraut habe?“
Lilara schüttelte den Kopf, ihr Blick schärfer als jede Klinge. „Verrat ist zu schwach für das, was passiert ist. Er hat uns in eine Falle gelockt.“ Die Stille, die folgte, zerriss die Luft wie das Geräusch splitternden Glases.
Ein dumpfer Schlag riss sie plötzlich aus der starren Luft – die Tür zur Halle krachte auf.
Dunkle Gestalten strömten herein, lautlos und tödlich wie der Nebel, der in den leeren Gassen Eryndors kroch. Schatten! Gesichter verborgen hinter Masken aus schimmerndem Onyx, und Klingen, deren Klingen kalt wie Eis glitten.
„Schnell!“ Kaelan riss Lilara an der Hand, zog sie zurück in den Schatten der Nische.
Die Gefährten, die zuvor in der Halle auf ihn gewartet hatten, waren bereits in einem verzweifelten Gefecht mit den Schattenverwachsenen verstrickt – der Klang von Stahl, das klirrende Aufeinandertreffen von Klingen, durchbohrte Schreie und das dumpfe Poltern fallender Körper erfüllten die Luft.
Sein Blick streifte über die Szene. Wichtige Verbündete fielen, einige mit verblassenden Augen, andere mit starren Gesichtern, die in einem Moment des Todes verharrten.
„Sie nehmen uns auseinander, wie Spuren im Wind“, murmelte Lilara, ihre Stimme ein widerhallendes Echo der Verzweiflung.
„Kein Raum zum Atmen,“ Kaelan presste die Lippen zusammen und trat in die Lichtung, die sich vor der Tür eröffnete.
Mit einem tiefen Atemzug sammelte er seine innere Energie, spürte das vertraute Brennen des Fluches in seinem Blut – ein flackerndes Inferno, das ihm gleichermaßen Last und Stärke schenkte.
Er schob sich vor, die Klinge seines Schicksals fest in der Hand, die glühend leuchtende Rune entlang der Klinge pulsierte im Rhythmus seines Herzschlags.
„Lilara, halte dich bereit!“
Ein Schattenkrieger stieß hervor, seine Bewegung eine tödliche Flutwelle aus geschmeidiger, perfekter Technik. Kaelan wich knapp dem Hieb aus, roch den stechenden Geruch von verbranntem Stahl, spürte, wie der Luftzug den Schweiß auf seiner Stirn auskühlte.
Mit einer Wendung erwiderte er den Angriff, der Klang von Metall auf Metall verschmolz mit seinen ausstoßenden Atemzügen – ein Tanz aus Licht und Dunkelheit, Leben und Tod.
Doch hinter der Kulisse aus Kampf und Chaos blitzte etwas Offenkundigeres auf: Intrigen. Unwissentlich hatte Kaelan eine verborgene Schwachstelle preisgegeben. Sein Blick fiel auf Sorya, die am Rand der Schlacht stand, ein Schatten sich ihr näherte – ein Messer blitzte auf.
Im Bruchteil einer Sekunde schrie Kaelan ihren Namen.
Doch die Zeit – unbarmherzig – war nicht sein Freund.
Ein stechender Schmerz, heiß und scharf, schoss durch seinen Rücken.
Er taumelte, die Welt verzerrte sich zu verschwommenen Farben und Schatten.
Lilara ergriff seine Arme, verhinderte, dass er fiel.
„Das darf nicht dein Ende sein, Kaelan! Nicht heute!“
Seine Augen weiteten sich. Er spürte, wie das Feuer in seinem Inneren aufflammte, eine rauschende Woge aus Zorn und Verzweiflung, die seine verfluchte Kraft entfesselte.
Die Schattenklan war auf dem Vormarsch – gnadenlos, präzise, tödlich.
Dann, ein dumpfer Schlag – ein dumpfer Schmerz – und Kaelan spürte nur noch die Dunkelheit.
Als er zu sich kam, lag die Welt in Trümmern.
Über ihm starrten uralte Ruinen in den sanktionierten Himmel, die blutgetränkten Überreste seiner Freunde verstreut um ihn herum.
Und in der Luft hing die Frage, die wie ein eisiger Dolch in seinen Rippen bohrte:
Wer wird in den Fängen der Schatten überleben?
Das Echo der Schlacht verklang nicht.
Es pulsierte in seinem Blut.
Und Kaelans Augen weiteten sich — ein letzter Funken lebendigen Willens, der den Fluch und die Dunkelheit herausforderte.
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Ende Kapitel 14