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Chapter 13

Die dunkle Wahrheit des Meisters

Kapitel 13: Die dunkle Wahrheit des Meisters

Kaelans Atem ragte in schweren, zerschlissenen Wolken vor ihm empor, während seine Muskeln brannten, als hätte man sie in glühende Kohlen getaucht. Der Himmel über Eryndors zerklüftetem Horizont war verblasst zu einem miesen Grau, und jeder Pulsschlag in seiner Brust hallte wie ein Trommelschlag des bevorstehenden Unheils wider. Das Eis hatte sich längst in seinen Adern ausgebreitet – nicht nur kalt, sondern tödlich.

Er stand am Rande der uralten Trainingshalle, deren dunkle Mauern mit Moos bewachsen und vom Alter schwer gezeichnet waren. Das schlackernde Licht der wenigen Öllampen warf flackernde Schatten auf das Gesicht seines Meisters, der in der Ecke wie eine Statue saß, die Hände faltend, die Augen von unheiliger Ruhe erfüllt.

Kaelan hatte es gesehen. Die Flimmerbilder vor seinem Geist, das Zögern in den Runden davor, die subtilen Spuren eines Verrats, den er nie zu glauben gewagt hatte. Meister Thalren. Der verschlagene Archion, der Mann, der ihn begleitet hatte seit den Tagen seiner ersten blutigen Kämpfe, der sein vermeintlicher Retter, sein Mentor gewesen war.

Die Hände zu Fäusten geballt, die Finger knirschten vor innerer Spannung, trat Kaelan auf die Halle zu. Seine Stimme war wie ein Rasiermesser im stillen Raum.

„Warum, Thalren?“

Der Meister hob langsam den Blick. Ein falsches Lächeln lag auf seinen Lippen, das wie das scharfe Kratzen von Fingernägeln auf Pergament wirkte.

„Warum?“ Die Frage hing schwer zwischen ihnen, als wolle sie selbst eine Falle sein. „Du fragst, als würdest du nicht verstehen, was auf dem Spiel steht.“

Kaelan spürte, wie seine Gedanken sich überschlangen. Die merkwürdigen Schmerzen in seinem Inneren, die Schwäche, die ihn seit Wochen zermürbte – es war kein Zufall gewesen. Kein Fluch von irgendeiner uralten Macht.

Es war eine Verblendung, ein gezieltes Vergiften.

„Du hast meine Wunden erweitert, meine Heilung gebremst. Du ließest mich verzweifeln, um mich zu formen – nein, um mich kontrollieren.“ Seine Augen brannten. „Um deine eigenen Schatten zu nähren.“

Thalrens Blick glitt kalt über ihn hinweg, als würde er durch Kaelan hindurchsehen. „Unsterblichkeit ist kein Geschenk, sondern ein Pfad, den wenige betreten dürfen. Jede Schwäche, jede Verletzung, jede Prüfung... sie alle sind Teil eines größeren Ganzen.“

Kaelan spürte, wie ein Würgegriff seine Kehle zuschnürte. War das also das große Geheimnis, das tief unter der Akademie verborgen lag? Das Ritual, von dem sein Meister sprach, hatte einen Preis, der über das bloße Körperliche hinausging.

„Und wo bleibe ich in deinem größeren Ganzen?“ fragte Kaelan, die Stimme kaum mehr als ein raues Flüstern. „Ein Opfer? Deine Marionette?“

Thalren stand langsam auf, die Schatten schmiegten sich an seine Erscheinung wie ein schwarzer Mantel. Jeder seiner Schritte schien den Boden unter Kaelan erzittern zu lassen.

„Du bist mehr als ein Werkzeug. Du bist das letzte Fragment der uralten Blutlinie, deren Macht Eryndor erschüttern kann.“ Der Meister schloss für einen Moment die Augen. „Meine Aufgabe war zu brechen, um zu schmieden. Um dich zu einem Krieger jenseits der Sterblichen zu machen.“

Kaelans Herz hämmerte gegen seine Rippen. Neben ihm knarrte eine alte, hölzerne Tür und ein kalter Wind wehte durch die Halle. Seine Finger umklammerten das Griffs des Schwertes an seiner Seite, dessen Klinge in der Dämmerung schimmerte – jenes Stück Metall, das ihm mehr bedeutete als irgendwelche Worte.

„Du hast mich gebrochen,“ sagte Kaelan leise, „und jetzt willst du mich kontrollieren. Aber ich werde nicht länger Teil deines finsteren Plans sein.“

Thalren schnaubte, sein Gesicht verzog sich zu einem Ausdruck bitterer Verachtung. „Das Hier…“ Er deutete mit einer knochigen Hand auf den Boden, unter dem einst vergessene Runen glühten, „ist der Kern eines Rituals, das die Grenzen des Lebens selbst sprengt. Was jenseits davon liegt, könnte unser aller Schicksal bestimmen.“

Ein eisiger Hauch kroch Kaelans Nacken hinauf. Da war mehr, so viel mehr, als nur Verrat oder Machtspielereien. Es war ein Riss im Gefüge der Realität – eine dunkle Stelle, die hungrig nach Blut und Seelen zu lechzen schien.

„Welches düstere Ritual verfolgst du, Thalren?“

Die Luft schien zu stocken. Dann, ohne Vorwarnung, hüllte sich der Meister in eine Aura aus finsterer Energie. Die Runen auf dem Boden pulsierenden in einem unheilvollen Rhythmus. Ein kaltes Flüstern zischte durch die Hallen, wie von uralten Stimmen, die jenseits der Zeit klagten.

Kaelans Augen winkten hinab auf die pulsierenden Zeichen, die nun in einem blutroten Glühen erstrahlten. Der Atem stockte ihm, während sein Körper sich in einem inneren Widerstreit wand.

Thalren hob die Arme, und seine Stimme wurde zu einem Grauen erregenden Chor aus Echo und Befehl.

„Das Blut der Unsterblichen wird neu geordnet. Dein Fluch ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Doch nur wenn du dich mir vollständig übergibst, wirst du verstehen, was über Leben und Tod hinausgeht.“

Kaelan wich einen Schritt zurück, frei von Illusionen und frei von Vertrauen.

Der Schatten seines Meisters breitete sich aus.

Und mit ihm die Frage:

Wie weit würde Thalren gehen – und was bereitete er im Verborgenen vor?

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Ende Kapitel 13