Chapter 12
Kapitel 12 Eine Botschaft aus der Zwischenwelt
Der frostige Hauch kroch wie eisige Finger durch Kaelans geschwächte Rippen. Sein Körper hing am seidenen Faden zwischen Leben und Tod, seine Haut war fahler als der blasseste Mondlichtschein. Bewusstlos auf moosbedecktem Waldboden liegend, schien die Zeit stillzustehen – nur das verrostete Klirren seiner eigenartigen Blutader, die in seinem linken Arm pulsierte, durchbrach die Stille.
Ein Flüstern, kaum mehr als ein Hauch, glitt durch den Nebel vor seinen geschlossenen Lidern. Das Summen, ein Klang zwischen Stimme und Windrauschen, wurde lauter. Es war da—eine Präsenz, ungreifbar und doch so vertraut, wie ein altes Lied, das tief in seiner Seele vergraben lag.
Kaelans Augen schossen auf. Panik bohrte spitze Nadeln in seine Brust, als er schwer atmend die Dunkelheit um sich aufnahm. Der Wald, sonst ein Zufluchtsort, wirkte heute wie ein verwunschener Gefängniswärter. Die Bäume beugten sich bedrohlich, Schatten spielten auf knorrigen Wurzeln, und das fahle Mondlicht war kaum mehr als eine trügerische Hoffnung.
Seine Finger tasteten nach dem vertrauten Griff an seiner Hüfte. Doch die Klinge war fort. Die Unvollständigkeit brannte tief in seinen Nerven, ein Echo seines eigenen gebrochenen Geistes.
„Kaelan…“ Eine leise, verzerrte Stimme, als käme sie durch das Dickicht selbst, schwebte durch die Nachtluft. Sie klang vertraut, doch aus einer anderen Welt.
Er hob sich mühsam hoch, Schwindel und Übelkeit setzten ihm zu. Das kratzige Rascheln des Laubs schien Antworten zu verweigern. Die Stimme wiederholte sich, eindringlicher, gleichzeitig wie eine Warnung und ein Hilferuf.
„Finde den Ursprung… oder vergeh.“
Der Verfluchte schloss seine Augen. Tief in seinem Innern spürte er eine Unsichtbare Kraft, die mit seinem Fluch verwoben war – uralt, bösartig, aber auch voller Geheimnisse. Ein Funke Zuversicht hielt die Verzweiflung auf Abstand. Die Worte waren kein Zufall. Es war eine Botschaft – aus der Zwischenwelt.
Sein Atem wurde ruhiger, den Schmerz in der Brust ignorierend, richtete er sich halb auf. Die Stimme hatte ihm einen Weg gezeigt, auch wenn sie im Nebel des Unbekannten lag. Hinter dem Schleier seiner eigenen Leiden konnte ein Zeichen aufblitzen, das die Fessel um seine Seele lösen würde.
In diesem Moment wehte ein kalter Windstoß durch den Wald und spielerisch versuchte er, die schützenden Schatten um ihn herum auseinanderzureißen. Kaelans Augen prallten auf das auffällige Leuchten, das zwischen den Zweigen eines uralten Baumes aufflackerte. Pulsiertes Licht in blaugrüner Farbe, das wie ein Flimmern aussah. Ein Tor? Eine Einladung?
Noch ehe er sich dem Leuchten nähern konnte, spürte er, wie die Atmosphäre sich veränderte. Die Luft wurde schwerer, elektrisiert, als ob unsichtbare Fäden gewebt wurden. Kaelan wusste instinktiv: Jemand beobachtet ihn. Ein kaltes Prickeln rann seinen Nacken hinab, die Nackenhaare stellten sich auf.
„Wer…?“ Seine Stimme war trocken, ehe sie in einem rauen Flüstern ertrank. „Wer manipuliert mein Schicksal…?“
Der Wald antwortete nicht. Doch in der Ferne ertönte ein leises Kichern, das wie ein dunkles Versprechen klang. Kaelans Herz schlug schneller, sein verfluchter Körper trotz aller Schwäche angespannt, bereit. Das Spiel hatte eine neue Wendung genommen.
Er reckte die Hand in Richtung des flimmernden Lichts, und die Schatten schienen sich zusammenzuziehen, als wollten sie ihn auf ewig verschlingen. Doch das Leuchten pulsierte stärker, lockte ihn tiefer in die Dunkelheit hinein.
Genau in diesem Moment, als seine Fingerspitzen das mystische Licht berühren sollten, verharrte die Szene. Gefangener einer Unsichtbaren Macht. Kaelan spürte, wie die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und jenem Zwischenreich, wo seine Antwort lag, zu verschwimmen begann.
Wer zieht im Schatten die Fäden seines Schicksals? Die Antwort lag näher, als er je befürchtet hatte.
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Ende Kapitel 12