NoveliqaDer Blutkodex des Schattenkaisers / Das erste Blutopfer :0%
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Chapter 8

Das erste Blutopfer

Kapitel 8 Das erste Blutopfer

Das Knurren der Sirenen lag noch immer in der kühlen Nachtluft, als Damian Kruger mit zitternden Händen die Klinge aus dem Oberschenkel seines verletzten Gefolgsmanns riss. Der metallische Geschmack von Blut mischte sich mit dem stechenden Geruch von verbranntem Gummi und Öl, der von den zerbrochenen Maschinen auf dem Asphalt aufstieg. Neonreflexe tanzten auf den spiegelnden Pfützen, die der Regen der letzten Stunden hinterlassen hatte.

Die Stadt schwieg nicht. Sie atmete harsch und jagte durch die Ritzen zwischen den Hochhausgiganten: Neonstadt – lebendig, roh, tödlich. Und Damian fühlte, wie diese pulsierende Dunkelheit sich gegen ihn wandte.

„Verdammt, wer zum Teufel hat uns zersieben lassen?“ Seine Stimme war rau, aber kontrolliert, als er die schweißbedeckte Stirn eines Kollegen wischte, der zusammengesunken neben einem umgekippten Hover-Bike lag.

„Lucians Männer“, keuchte der Gefolgsmann, während seine Finger krampften. „Keine gewöhnlichen Straßenkämpfer. Cyberimplantate, schnell, präzise. Sie suchten uns gezielt.“

Damian biss die Zähne zusammen. Sein Blick wanderte über die zerstörten Barrikaden, zerfetzte Kleidung, die zerfetzten Gesichter seiner Leute. Blutperlen glitzerten unter den Neonstrahlen wie rote Juwelen auf Asphalt.

„Falk“, flüsterte er fast, während er sich aus der Deckung hob und den Horizont musterte, „was hast du gesehen?“

Falk rieb sich den Nasenrücken. „Zwei Gesichter hinter den Masken. Ihre Stimmen habe ich nicht gehört, aber… sie kannten uns. Oder zumindest mich. Einer trug das Emblem von Lucians Clan.“

Ein kalter Schauer kroch Damian den Rücken hinab. Ein Warnsignal. Ein Todesurteil.

Die Luft um sie herum zog sich zusammen, als plötzlich ein leises Summen hinter einer nahen Ladentür begann. Elektronische Geräte, die im Verborgenen ihre Sensoren aktivierten.

Auf Damans Lippen formte sich ein eisiges Lächeln – ein Lächeln, das nur diejenigen tragen, die den Tod in die Augen gesehen haben und trotzdem den nächsten Schlag planen.

„Bereitet euch vor“, sprach er kurz und knapp. „Das ist keine Attacke. Das ist eine Botschaft.“

Die trüben Neonlichter flackerten erneut, als sich Schatten bewegten, genauer, sie jagten auf die verstreute Gruppe zu. Stahlklingen blitzten, schwer bewaffnete Gestalten tauchten aus den dunklen Ecken hervor, begleitet von mechanischem Knacken, das von ihren Cyber-Prothesen herrührte.

„Deckung!“, brüllte Damian, während ein kalter Windstoß durch die Gassen pfiff und Funken von eingeschlagenem Plexiglas aufleuchteten. Sein Herz knallte gegen die Rippen. Noch war er in Form, noch konnte er die Reihen fest zusammenhalten.

Aber diese Nacht – diese Nacht würde mehr kosten als nur Blut.

Ein dumpfer Schlag ließ einen seiner Männer rückwärts taumeln, die Augen wild und unfähig, das Bewusstsein festzuhalten. Über einem anderen zuckte ein blutiges Banner aus Narben, wo Narben sich mit Frischwunden vermischten.

Damian reckte die Hand, signalisierte den Rückzug in die nahegelegene Fabrikhalle – ein dunkler Tempel aus Stahl und Schatten, wo sie zumindest kurzzeitig Schutz finden konnten.

Binnen Sekunden hatte die Gruppe die offene Straße verlassen, geräuschloser Austausch von Blicken, leise Kommandos, die nur die eingeweihten verstanden.

Die Neonstadt ließ derweil ihr Spiel aus Licht und Dunkel weiterlaufen. Aber in diesem Moment war ein Riss sichtbar geworden – eine klaffende Wunde in der Fassade seiner Macht.

Im Schatten der Halle, versteckt vor neugierigen Augen, kniete Damian neben einem am Boden liegenden Mann. Der Puls war schwach, aber noch da.

„Wer…“, presste der Verletzte hervor, „das… Gehirn? Warum?“

„Weil es nicht nur um den Blutkodex geht“, antwortete Damian finster. „Es geht darum, wer diesen Kodex neu schreibt.“

Sein Blick schweifte durch die halbdunkle Halle, wo Drähte wie Adern an rostigen Maschinen hingen, und der kalte Geruch von Öl und altem Metall die Luft durchtränkte.

Plötzlich vibrierte sein Armband – eine verschlüsselte Nachricht.

Damian zog es hervor, ignorierte das flackernde Neonlicht und fokussierte die kryptischen Worte, die auf dem Display auftauchten:

»Unruhe stiften. Erstes Opfer gesät. Schau genau hin, König der Asche.«

Sein Atem stockte. Das war mehr als ein Angriff. Das war ein Spiel mit Blut, Schmerz und Furcht.

Ein gezielter Schlag, der nur eines bedeuten konnte: Lucian Veidt hatte die Stadt nicht nur eingenommen – er zeichnete ein neues Gesetz.

Damian schloss die Augen für einen Moment.

War dieser Angriff nur der Anfang?

Oder war es bereits das tödliche Pflaster, das über den alten Blutkodex gelegt wurde?

Von draußen drang das ferne Heulen einer Alarmdrohne durch die Stahlwände der Halle, begleitet von dem leisen Klirren herannahender Schritte.

Damian richtete sich auf, seine Stimme hart wie geschliffener Stahl:

„Wir haben keine Wahl mehr. Es ist Zeit, der Schattenkaiser spricht zurück.“

Noch bevor das Echo seiner Worte völlig verloschen war, klopfte es unerwartet an der metallenen Tür.

Herzschlag. Stille.

Dann die kalte Frage im Flüsterton:

„Wer da?“

–

Ende Kapitel 8