Chapter 14
Kapitel 14 Die nächtliche Falle
Das kalte Lächeln auf Lucians Lippen schnitt tiefer als ein Messer. Damian spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte, wild und ungestüm, als würde es gegen seine Brust trommeln. Der Griff um den Griff seiner Waffe wurde fester, doch seine Finger zitterten – nicht vor Angst, sondern vor Zorn und Adrenalin.
Lucian trat einen Schritt vor, die Neonlichter der Stadt warfen ein gespenstisches Blau auf sein kantiges Gesicht. „Du hast mir viele Jahre geraubt, Damian“, sagte er, seine Stimme war ein giftiges Flüstern, das zwischen den Schatten klebte. „Jetzt zahlst du dafür.“
Hinter Lucian fiel die Tür zu. Ein dumpfer Schlag, der sich anfühlte wie das Rattern fallender Dominosteine.
Damian hob die Waffe, zielte in die Dunkelheit, doch bevor er schießen konnte, durchbrach ein Knall die Stille. Eine Blendgranate zischte zwischen ihnen, explodierte mit einem gleißenden Licht und einem ohrenbetäubenden Knall. Seine Augen brannten, die Welt verschwamm.
Im Staub kniend, rang Damian nach Luft. Sein Schädel pochte, ein stechender Schmerz krallte sich in seinen Nacken. Stimmen schwebten über ihm, ungewohnt fern und doch bedrohlich nah. Schritte, die sich näherten, hallten in den engen Gängen wider.
„Na, König, schon fertig mit dem Kampf?“, höhnte Lucian, seine Stimme von Spott getränkt.
Damian wollte sich aufrichten, doch starke Hände packten ihn grob am Arm. Elektrische Ladungen durchzuckten seinen Körper, als ein paar Sicherheitsmanschetten zuschnappten und seine Bewegungsfreiheit raubten. Sein Blick traf Lucians kalte Augen, und ein dunkler Sturm stieg in seiner Brust auf.
Ein metallisches Klirren und gedämpfte Stimmen kündigten weitere Schritte an. Weitere Männer Lucians traten aus den Schatten, Gesichter verhüllt unter Masken, bewaffnet mit gezeichneten Klingen und futuristischen Waffen.
„Dies ist deine letzte Nacht, Kruger“, knurrte Lucian, während er langsam einen Handscanner aus seiner Jacke zog. Die Maske über seinem Gesicht klappte nach hinten, enthüllte ein künstliches Implantat unter seiner Schläfe, das ein pulsierendes Neonlicht aussandte. „Der Blutkodex endet hier. Deine Herrschaft wird extinkt.“
Damian biss die Zähne zusammen. Dieses kalte Entfernen seiner Freiheit brannte wie Feuer auf seiner Haut. Doch gleichzeitig fühlte er, wie die Wut in ihm wuchs, die düstere Flamme einer unstillbaren Rache.
Mit einem schnellen Ruck riss er den Kopf zurück und schwitzte, als ihm der Schmerz durch den Nacken jagte. Doch Lucian war zu schnell – ein Tritt gegen Damianos Oberkörper schleuderte ihn rückwärts gegen die Wand. Schwindelig sah Damian, wie Lucian auf ihn zustürmte, die Pistole auf seinen Kopf richtete.
„Sag Goodbye, König“, flüsterte Lucian, seine Stimme ein Versprechen des Todes.
In diesem Moment riss Damian seine Hand hoch und entfaltete eine letzte verbliebene Karte: Einen versteckten Schalter, den er unter seinem Ärmel trug, ein improvisierter Störsender.
Der kalte Lichtstrahl der Neonröhren flackerte. Ein elektromagnetischer Puls schlug durch den Raum, ließ Monitore kurz zucken, Kameras ausfallen, und ein leises Zischen kündigte den Ausfall der Sicherheitssysteme an.
Lucians Miene verzerrte sich in einen wütenden Fluch. „Du wirst dafür bezahlen!“
Doch Damian hatte bereits vorgesorgt. Mit einem harten Stoß trat er Lucian aus dem Gleichgewicht. Die Waffe entglitt seinem Gegner, schlitterte über den Boden. Damian griff blitzschnell nach seinem eigenen Messer, dessen Klinge im mageren Licht aufblitzte.
Ein brutaler Zweikampf entbrannte: Schläge, Ausweichmanöver, Funken sprühten, als die Klingen aufeinandertrafen. Ihr Kampf wirbelte um die zerfallenden Überreste einer einst prunkvollen Lagerhalle, Schatten und grelles Neonlicht verschmolzen zu einem wilden Tanz aus Licht und Dunkelheit.
Lucian schnaubte. „Du bist gut, Kruger. Aber nicht gut genug.“
Mit einem plötzlichen Ruck zerrte Lucian Damian zu Boden, presste ihn mit dem Knie gegen den rostigen Metallboden. Damian spürte den kalten Schmerz am Rippenbogen, die Luft wurde ihm knapp.
Dann hörte er es – das leise Klicken schwerer Stiefel hinter ihnen.
Verstärkung.
Lucian grinste, seine Augen funkelten.
„Genug gespielt“, zischte er. „Die Wölfe kommen.“
In diesem Moment barsten die Türen auf. Ein kalter Luftzug wirbelte Staub auf, und eine bekannte Stimme durchschnitt das Knirschen von Metall und den dumpfen Nachhall von Kampfgeräuschen.
„Damian!“
Ein leises Aufatmen entwich aus Damianos Lippen. Doch Lucians mitleidiges Lächeln erstickte jede Hoffnung.
„Zu spät.“
Mit einem Ruck zog Lucian eine kleine schwarze Kapsel aus seiner Jackentasche und warf sie gegen den Boden zwischen ihnen. Ein grünliches Gas strömte sofort aus, füllte die Luft mit einem stechenden Geruch nach Chlor.
Damian hustete, seine Sicht verschwamm. Sein Herz raste, während die Giftwolke sich um sie legte, raubte ihm den Atem.
Er rang nach Kontrolle, nach Bewusstsein. Doch der Boden um ihn wurde schwarz.
Die letzte Klarheit war Lucians triumphierender Blick, der sich über sein Gesicht legte.
Ein Lächeln, kalt wie der Tod.
Dann verschwand alles im Nichts.
*
Ein tiefer, kratzender Husten riss Damian aus dunklem Nichts zurück in die Realität.
Seine Augen öffneten sich langsam. Neonlicht schien gedämpft durch eine zerbrochene Metallluke über ihm.
Langsam zog er schwer Luft in die Lungen, seine Brust brannte.
Die Ketten waren verschwunden. Stattdessen lag er in einem altmodischen Stahltunnel, feucht und kalt. Ein schaler Geruch von Öl und Rost hing in der Luft.
Sein Kopf drehte sich langsam, seine Finger tasteten nach Verletzungen – und dann wurde sein Blick scharf.
Eine feine Linie, kaum sichtbar, zog sich entlang der Tunneleingangstür. Licht reflektierte vom eingebrannten Symbol in der Ecke: Lucians Markenzeichen.
Damian stieß sich schwer hoch, jeder Muskel schrie vor Schmerz. Doch in seiner Brust wuchs ein eisiger Entschluss.
Dies war nicht das Ende.
Dieses Verlies war nur die nächste Prüfung.
Die Nacht war noch jung. Und der Schattenkaiser würde nicht so leicht untergehen.
Plötzlich hallte ein mechanisches Klicken durch den Tunnel – ein Einsatzgerät wurde aktiviert.
Seine Faust ballte sich, ein kaltes Funkeln in den Augen.
„Lucian“, knurrte er leise, „dieses Spiel ist noch nicht vorbei.“
Dann öffnete sich eine andere Tür, hoch am Ende des Tunnels. Dort stand eine Figur, in das fahle Licht getaucht. Die Silhouette unklar.
Ein unverwechselbares Flüstern brach die Stille:
„Wirst du entkommen, König? Oder ist dies wirklich das Ende deiner Reise?“
Damian sprang hoch, bereit sich der Dunkelheit zu stellen.
Doch die Antwort blieb im Schatten verborgen.