NoveliqaAufstieg der Schattenklinge / Ein unerwarteter Verbündeter :0%
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Chapter 4

Ein unerwarteter Verbündeter

Kapitel 4 Ein unerwarteter Verbündeter

Der kalte Hauch der Nacht kroch wie eine unsichtbare Hand in Kaels Lungen, als er schwer atmend in einer verwitterten Gasse vor einer abgeblätterten Steinmauer lehnte. Die klaffende Wunde an seinem Unterarm pulsierte rhythmisch mit seinem Herzschlag, ein dumpfer Schmerz, der ihn an den jüngsten Kampf erinnerte. Sein Blick war starr auf die tiefdunkle Öffnung einer Abflussrinne gerichtet, das leise Tropfen von Wasser darin ein unheilvolles Echo seiner Angst.

Sein System hatte ihn durch den Dungeon gezogen — wie durch ein Labyrinth aus Schatten und Schmerz. Doch zumindest für jetzt schien der unmittelbare Sturm abzuflauen. Kael hatte überlebt, aber etwas hatte während des Kampfes in ihm gestockt. Die flüchtige Vision eines fremden, verzerrten Gesichts, das ihn beobachtete, bevor er den finalen Schlag geführt hatte, brannte ihm auf der Seele.

Ein abruptes Rascheln riss ihn aus dem tranceähnlichen Zustand. Kaels Sinne spannten sich an; jede winzige Bewegung in der Dunkelheit konnte der Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Langsam hob er den Kopf und tastete mit den Augen die Schatten ab.

„Du hast gut durchgehalten.“

Die Stimme war überraschend sanft, doch mit einem schneidenden Unterton, der zum Aufmerksamsein zwang. Ein Schritt näher trat eine Frau aus dem Dunkel hervor. Ihre Gestalt war schlank und doch durchtrainiert, umhüllt von einer dunkelgrünen Lederjacke, die an den Schultern mit unbekannten, alten Symbolen bestickt war. Ihr Haar fiel locker über die schmalen Schultern, doch das auffälligste waren die stechenden grauen Augen, die ihn direkt durchbohrten.

Kael richtete sich langsam auf, seine Rechte tastete nach dem Griff seines Kurzschwerts. „Wer bist du?“

Ein leichtes Lächeln spielte um ihre Lippen. „Mein Name ist Lys. Ich bin eine Jägerin — einer von denen, die das Gleichgewicht in dieser Stadt bewahren, auch wenn man uns selten lobt.“ Ihr Blick glitt kurz zu seiner blutenden Hand. „Und du hast offensichtlich deine Lektionen auf die harte Tour gelernt.“

Misstrauen blitzte in Kaels Augen. „Warum bist du hier? Willst du mich jagen?“

Lys’ Miene verhärtete sich. „Nicht ganz. Im Gegenteil. Ich habe von dir gehört, Winter.“ Das scharfe Aufblitzen in ihren Augen ließ keinen Zweifel. „Dein System, das du nutzt, ist... ungewöhnlich. Es könnte sowohl dein Fluch als auch deine Waffe sein.“

Kael ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, doch innerlich raste sein Herz. Das war das erste Mal, dass jemand seine verborgene Fähigkeit erkannt hatte, ohne dass er es preisgegeben hatte. „Und warum sollte mich jemand wie du unterstützen?“

Sie trat einen Schritt näher, der Schatten der Laterne legte sich wie ein Schleier zwischen ihnen. „Weil das, was vor dir liegt, größer ist, als du dir vorstellen kannst. Lord Dareth Valos sucht dich. Er will dein System kontrollieren – und was er nicht kontrolliert, das zerstört er.“ Ihre Stimme sank zu einem Flüstern. „Ich habe Gründe, ihn aufzuhalten. Und du brauchst Verbündete, so wie ich.“

Kael biss sich auf die Lippen. Ihm war bewusst, wie selten echte Verbündete in dieser Welt waren – und wie schnell sie sich als Feinde entpuppten. Ein dumpfes Ziehen im Magen warnte ihn vor der möglichen Falle. „Wie kann ich dir vertrauen?“

Ein kurzes, angespanntes Schweigen. Lys‘ Augen blitzten einen Moment lang mit ungeahnter Dringlichkeit. „Weil ich dir etwas zeigen werde, das beweist, dass ich kein Feind bin.“ Mit einer geschmeidigen Bewegung zog sie ein schmales, in Leder gebundenes Buch aus ihrem Rucksack. „Dieses Buch enthält Informationen über Valos’ Pläne – Pläne, die noch nicht jeder kennt. Und einen Schlüssel, um gegen ihn zu kämpfen.“

Kael griff zögernd nach dem Buch, spürte das raue Leder unter seinen Fingern. Seine Sinne wurden schärfer, während er die ersten Seiten aufschlug, die handschriftlich mit verblichenen Zeichen gefüllt waren. Alte Prophezeiungen. Verborgene Rituale. Hinweise auf eine Machtquelle, die Valos nutzte – und die ein System wie seines infragestellt hätte.

„Das hier könnte den Unterschied machen“, murmelte Lys, während sie Kaels Blick suchte. „Aber es kommt auf den Willen an. Auf deinen Willen.“

Kael spürte eine Mischung aus Hoffnung und Frustration in sich aufsteigen. Sein Leben hatte sich so schnell verändert, dass er kaum hinterherkam, geschweige denn jede neue Wendung vollständig einschätzen konnte. Noch immer war da diese nagende Frage: Wird er tatsächlich die Kraft finden, die Wahrheit hinter seinem System und seiner Herkunft zu enthüllen? Oder wird er in diesem Netz aus Dunkelheit gefangen bleiben?

Ein plötzlicher, scharfer Klang ließ sie beide zusammenfahren – ein dumpfer Schlag an der Metalltür am Ende der Gasse. Kaels Herz kroch in seine Kehle. Lys reagierte blitzschnell, griff nach einem kleinen Dolch an ihrem Gürtel und zog ihn mit einem leisen Zischen.

„Wir sind nicht allein.“ Ihre Stimme war knapp, doch entschlossen. „Entweder Spione von Valos oder andere, die dein Geheimnis wollen.“

Kael zog sein Kurzschwert, die Klinge funkelte kalt im schwachen Licht. „Dann sollten wir vorbereitet sein.“

Der Schatten vor der Tür bewegte sich rasch, die Schwärze der Nacht schien zu leben. Kael und Lys waren augenblicklich aufeinander angewiesen — Verbündete in einer Welt voller Verrat und Dunkelheit.

Doch tief in Kaels Brust pochte ein Zweifel heftiger als das Pochen seiner Wunde:

Kann er ihr wirklich vertrauen?

Oder ist Lys nicht nur eine Jägerin, sondern auch eine Trägerin ihres eigenen dunklen Spiels?

Ein kaltes Lächeln huschte über Lys’ Lippen, während sie die Klinge fester umschloss und die Tür sich mit einem unerwartet lauten Knarren öffnete.

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Ende Kapitel 4

Wird Kael die Wahrheit hinter Lys’ offerierter Hilfe erkennen – oder fällt er in die Falle der Schatten, die noch tiefer reichen als gedacht? Die Klinge ist geschärft, die Allianzen ungewiss. Die Jagd geht weiter…