Chapter 7
Kapitel 7: Der Hinterhalt
Das scharfe Knacken von splitterndem Holz riss durch die kalte Stille der Nacht. Noahs Herz setzte aus, jemand oder etwas bewegte sich hinter dem zerfallenen Lagerfeuer, die Schatten tanzten im flackernden Licht der brennenden Trümmer.
Er spürte die Veränderung bevor die Sinne ihm sagten, was geschah. Mirella, die noch eben neben ihm stand, spannte sich an, ihr Körper wurde steif, und ihr Atem ging schneller, flachere Stöße, ein Raubtier vor der Jagd.
„Sie sind näher, Noah,“ flüsterte sie, ohne den Blick abzuwenden. Die Stimme hatte sich verändert, war hart geworden, knapp – nicht mehr nur Angst, sondern etwas darüber hinaus.
„Wie viele?“ fragte Noah, kaum hörbar.
„Zwei Gruppen. Schwer bewaffnet. Keine freundlichen Gesichter.“
Ein kalter Wind fegte über die Ruinenstadt, zerrte an den letzten Fetzen von Papier und Stoff, die von den einstigen Menschen hier übriggeblieben waren. Es roch nach verbranntem Metall, nach kalter Asche und modrigem Rauch.
Noah spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. Das Gewicht des Misstrauens schob sich zwischen sie, unsichtbar, schwer und kalt.
Plötzlich brach Chaos aus.
Aus den Schatten stürmte eine Truppe Soldaten, grün-graue Uniformen, ihre Gesichter verborgen hinter abrasiv glänzenden Helmen. Die Schreie hallten durch das ehemalige Industrieviertel, blendend grelles Licht schnitt durch die Dunkelheit.
„Deckung!“ rief Noah und warf sich neben einen umgestürzten Betonblock. Feuer krachte, die Funken stoben hoch, während Kugeln durch die Luft pfiffen.
Mirella bewegte sich geschmeidig, ihre Hand zog den Dolch, blitzte kurz im Schein der Flammen und traf den ersten Angreifer an der Kehle. Ein Knacken, ein dumpfer Aufprall, und der Mann sackte in sich zusammen. Doch die Überzahl begann zu erdrücken.
Noah fühlte, wie sich gleich mehrere Hände an ihn rissen. Er schlug wild um sich, biss zu. Der bittere Geschmack von Blut auf seiner Lippe, der Schmerz, als eine scharfe Klinge seine Flanke traf – heiß, brennend, durchdringend.
„Noah!“ Mirellas Stimme schnitt durch das Gemetzel. Doch ihr Ton war anders – nicht nur alarmiert, sondern vieldeutig, fast verborgen. Ein Blendwerk, das er nicht greifen konnte.
Er wollte sich zu ihr drehen, doch die Dunkelheit verschluckte seine Sicht. Die Welt drehte sich, der Boden kam näher, härter, geflickt mit Splittern und Blut.
Sein Geist war ein Sturm aus Schmerz und Erinnerungen: Seine Schwester, ihre hoffnungslosen Augen, die kalte Klinik, die verbotenen Medikamente. Er wollte nicht fallen. Nicht hier.
Der letzte Blick, den erfangen konnte, war der von Mirella. Ihr Gesicht, beleuchtet vom Flackern des Feuers, zeigte etwas Unbestimmtes – Zögern? Entschlossenheit? Oder Verrat?
Die Soldaten nahmen sie gefangen. Noah fühlte die Last der Hoffnung zerrinnen, doch tief in seinem Inneren brannte noch ein Funke.
„Nicht jetzt… Nicht so…“ flüsterte er, bevor das Schwarz ihn völlig verschlang.
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Ende Kapitel 7