NoveliqaAscheherz: Überleben im letzten Funken / Gefährliche Allianzen :0%
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Chapter 6

Gefährliche Allianzen

Kapitel 6 – Gefährliche Allianzen

Die Schatten schluckten das gedämpfte Wispern, während Noah die Tür mit einem Blick aus kalter Entschlossenheit musterte. Sein Herz pochte noch wie ein erbarmungsloser Trommelschlag, der Druck in seinen Bronchien zog scharf – als wären seine Lungen selbst zu Absperrventilen für die Panik geworden, die sich in ihm regte. Seine Fingerspitzen zitterten, aber das musste verschwinden. Er durfte jetzt nicht schwach sein. Nicht hier.

Die Stille im Versteck war enger geworden, als hätte das Haus selbst die Luft angehalten.

„Sie sind draußen“, murmelte eine rauhe Stimme hinter ihm.

Mirellas Augen blitzten im schummerigen Licht der Öllampe. Ihr Gesicht war eine Maske aus entschiedener Konzentration, doch ihre Hände hielten sich nervös an einem rostigen Schraubenschlüssel fest. „Wir müssen auf einen Angriff vorbereitet sein“, flüsterte sie, die Stimme wurde stark, fast zu stark für die Anspannung. „Hetz’ Leute suchen uns nicht ohne Grund.“

Noah nickte, setzte sich langsam auf die alte Werkbank, spürte das ächzende Holz unter seinen Knochen. „Du hast sie vermutet?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, aber ich wusste, dass es früher oder später so kommen wird. Wir können nicht länger rumeiern. Wenn wir Hetz‘ Truppen nicht zuvor treffen, dann fressen sie uns auf, Stück für Stück.“

Draußen knarrte erneut die alte Holztür, als ob die Dunkelheit selbst daran zerrte. Doch niemand trat ein.

„Wir brauchen Informationen. Was wissen wir über die Militäreinheit, die hier patrouilliert?“

Mirella ließ den Schraubenschlüssel sinken, trat zum Fenstersims, ihre Silhouette gegen die brennenden Ruinen der Stadt dahinter. „Es sind mehr als zehn Soldaten, schwer bewaffnet, mit Drohnenunterstützung. Sie kontrollieren den Nordkorridor, der zu den Wasservorräten führt. Wenn sie dort patrouillieren, bedeutet das, Hetz will die letzte unabhängige Wasserquelle kapern.“

Noah kniff die Augen zusammen. „Das Wasser ist das Nervenzentrum der Stadt. Ohne Kontrolle darüber sind wir verloren.“

„Und ohne Wasser stirbt deine Schwester schneller“, flüsterte Mirella und schlug die Hand vor den Mund, als hätte sie zu viel gesagt.

Er spürte die glühende Scham in der Brust. Julia. Seine kleine Schwester. Ihr leises Röcheln, der schrille Husten, der ihm jede Nacht den Schlaf raubte. Das Verlangen, sie zu retten, war wie eine Klinge, die sich in sein Herz schlug.

„Wir müssen sie aufhalten“, sagte er leise.

Ein Kratzen an der Tür ließ sie beide erstarren.

„Kein Geräusch“, befahl Mirella leise.

Der Kratzer wiederholte sich, gefolgt von einem gedämpften Flüstern – kaum hörbar, aber aufmerksam. Noah näherte sich langsam, das Herz schlug wild. Er drückte sein Ohr gegen die alte Holztür, versuchte, Schatten zu erhaschen, die sich hinter der Pappel vor dem Fenster bewegten.

„Wer ist da?“, flüsterte er, die Stimme mehr ein Wagnis als eine Forderung.

„Bitte... keine Waffen“, kam eine weibliche Stimme zurück, rau und zerbrechlich, doch bestimmt.

Mirellas Hand schnellte zur Seite, zog ein abgewetztes Messer hervor. Noah hob eine Hand, um sie zu stoppen.

„Wer bist du?“

„Ein Freund.“ Das Flüstern wurde ein wenig fester.

Langsam öffnete sich die Tür einen Spalt, und eine schlanke Gestalt schob ihren Kopf herein. Das kalte Licht der Lampe zeichnete scharf die Konturen eines Gesichtes, geschickt hinter einer Stoffmaske verborgen, nur zwei funkelnde Augen blickten hervor – grün und wachsam.

„Ich heiße Lene“, sagte sie, „Ich habe gehört, ihr plant etwas gegen Hetz.“

Mirella fixierte sie misstrauisch. „Und warum sollten wir dir vertrauen?“

Eine winzige, bitterernste Linie legte sich um Lenes Mund. „Weil ich den Krieg satt habe. Und weil ich Informationen habe, die euch interessieren – wenn ihr wisst, wie ihr sie nutzt.“

Der Raum schien sich auf einen Atemzug zu verengen, die Spannung schnitt fast schmerzhaft in die Luft.

„Was für Informationen?“, verlangte Noah, jede Faser seines Körpers wachsam, bereit, sie mit einem einzigen Schlag zu durchbohren, wenn nötig.

Lene trat vollständig herein, die Stoffmaske baumelte nun lose am Hals. In ihrer Beweglichkeit lag eine Mischung aus Nervosität und scharfer Selbstbeherrschung.

„Hetz plant, sein Hauptquartier zu verlegen – näher an die Grenze der verseuchten Zonen. Die Militäreinheit, die ihr angreifen wollt, ist die Vorhut. Sie sind nur ein Teil eines größeren Plans.“

Noah spürte, wie sich die erste Woge von Zorn und Hoffnung vermischte.

„Und was willst du von uns?“

„Eine Allianz.“

Eine schwer schimmernde Stille breitete sich aus, als hätte das Wort eine unsichtbare Linie gezogen.

Mirella schnappte nach Luft. „Eine Allianz? Wir kämpfen seit Monaten gegen die Armee. Warum sollte Hetz dir trauen? Und warum sollten wir es?“

Lene sah sie direkt an, noch immer mit einem Funkeln in den Augen, das Fragen mit der Hartnäckigkeit des Überlebenskampfes beantwortete.

„Ich bin nicht Hetz. Ich gehöre zu den Rebellen, die tief in der Stadt operieren. Aber alleine können wir nichts ausrichten. Ihr habt Fähigkeiten, die wir nicht haben. Und wir verfügen über Untergrundnetzwerke, die die Soldaten beeinträchtigen können.“

Noah ließ den Blick durch den verfallenen Raum schweifen. Alte Waffen, rostige Munition, improvisierte Sprengstoffe auf dem Boden. Wenn diese Frau die Wahrheit sagte, dann war sie eine Chance. Aber auch eine Gefahr.

„Wie können wir sicher sein, dass du nicht Hetz‘ Spionin bist?“

Lene zog langsam die Maske ab, enthüllte ein Gesicht, das weder makellos noch einschüchternd war, sondern geprägt von Narben und müden Augen.

„Das kann ich nicht beweisen. Nur, dass ich euch helfen will, diesen Albtraum zu beenden. Sonst würde ich nicht hier stehen.“

Die Sekunden zogen sich wie gefrorene Tropfen. Die fragile Spannung hämmerte in allen Herzen.

„Was schlägst du vor?“

„Ein gemeinsamer Angriff auf die Nordpatrouille. Meine Leute haben eine Route entdeckt, um sie zu umgehen und hinter ihre Linien zu gelangen. Wenn wir zuschlagen, können wir das Wasser sichern – und Hetz‘ Versorgung lahmlegen.“

Mirella schnaubte leise. „Das klingt zu gut, um wahr zu sein.“

„Vielleicht“, sagte Noah langsam. „Oder genau das, was wir brauchen.“

Ein plötzliches Kratzen am Fenster ließ alle Köpfe herumfahren.

Dort, zwischen den zerbombten Ruinen und dem giftigen Rauch, stand eine Gestalt mit dunklem Mantel, verborgen hinter einer Kapuze. Nur die kalten Augen stachen hervor.

„Wer da?“, rief Mirella.

Die Gestalt hob eine Hand zum Gruß – kein Messer, keine Waffe sichtbar.

„Ich bin hier, um zu helfen“, sagte sie mit einer Stimme, die durch die Nacht schnitt.

Und in diesem Moment wusste Noah, dass dieses Gespräch erst begonnen hatte.

Das Gewicht des Vertrauens hing schwer in der Luft. Und irgendwo da draußen lauerte der Tod – näher, als sie glaubten.

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Ende Kapitel 6