NoveliqaAscheherz: Überleben im letzten Funken / Blutarzt und Geheimnisse :0%
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Chapter 5

Blutarzt und Geheimnisse

Kapitel 5 Blutarzt und Geheimnisse

Das Pochen an der Metalltür hallte nach, als ließe es das Herz selbst zerspringen – rhythmisch, monoton, drohend. Noah presste die Finger an die Schläfen, spürte, wie die Kälte seiner Krankheit sich mit der brennenden Angst vermischte. Jede Faser seines Körpers war auf Zack, jeder Atemzug ein flaches Kratzen in der Kehle.

»Es fängt schon an,« murmelte er, während sein Blick durch den halbdunklen Raum wanderte. Die Wände, brutal in Beton und rostigen Stahl gegossen, schluckten die Geräusche, machten die Luft dick und schwer.

Die Erinnerung an den Spitzel – dieser Verräter, der ihre kleine Zuflucht verraten hatte – brannte wie ein glühendes Eisen in seiner Brust. Doch Zeit zu hadern gab es keine.

Er musste fort. Sofort.

—

Das verlassene S-Bahn-Tunnelnetz unter Berlin war sein geheimer Fluchtweg. Kühle, modrige Luft schlug ihm entgegen, vermischt mit verblasstem Dieselruß und feiner, metallischer Schärfe. Seine Stiefel hallten dumpf auf dem blanken Beton, Schritte zwischen Schatten und Finsternis.

Sein Maskengesicht war starr, unbewegt – doch in seinen Augen flackerte wildes Feuer.

Das leise Klirren einer Kette, das ferne Tropfen von Wasser, sein eigener, hastiger Atem – alles wurde zum Klang einer scharfen, unsichtbaren Bedrohung.

Er musste den Blutarzt finden.

—

Der Blutarzt, ein Mythos unter den Überlebenden. Ein Mann, der tiefer als jeder andere in die Abgründe von Noahs Krankheit blickte – aber auch in seine Vergangenheit, in verborgene Wahrheiten, die besser im Dunkeln geblieben wären.

Noah blieb am Eingang zu einem Kellergewölbe stehen. Ein bröckelndes Schild, halb von Graffitis übermalt, zeigte den Weg: „Dr. Volkmar – Spezialist für Hämatopathologie“. Worte, die wie ein Fiebertraum anmuteten.

Er zögerte. Sein Finger strich über das Metall der Tür. Keine Verriegelung, nur schweres, verbeultes Eisen. Ein einziger Schritt würde alles verändern.

—

Ein leises Knarren, dann das Scharren gewichtiger Schritte im Innenraum. Die Tür schwang auf. Ein Mann, hager, in einen abgewetzten, blauen Kittel gehüllt, schaute hervor. Seine Augen waren scharf, kalt – und doch funkelte darin eine Spur von Mitgefühl.

»Noah Brenner.« Seine Stimme war rau, geschnitten von Jahren in dunklen Kellern. »Du bist also gekommen.«

Noah nickte, hält die Maske fest. »Ich brauche Antworten. Du bist der Einzige, der helfen kann.«

Dr. Volkmar schob die Tür weiter auf, eine Spur von Arztgeruch und etwas Unbestimmbarem, Metallischem strömte heraus. »Komm herein. Aber Vorsicht: Hier spricht man nicht laut über das, was wir tun.«

Das Innere war eine Mischung aus improvisiertem Labor und Bunker: Regale voller grünlicher Fläschchen, staubige Dokumente und blinkende Apparaturen, deren Zweck Noah nicht ganz begreifen konnte.

—

Volkmar führte ihn zu einem Tisch, hob eine Lampe und schien Noah über die Stirn zu scannen. »Dein Blut ist… ungewöhnlich. Es fließt nicht wie normales Leben. Diese Krankheit ist kein Zufall, kein bloßer Virus.«

Noah spürte, wie ein Schauder seinen Rücken hinabrutschte. »Was bist du?«

Volkmar blickte ihn durchdringend an, legte dann schweigend eine dünne Spritze auf den Tisch.

»Du bist kein Mensch mehr, Noah. Du bist ein... Hybrid. Ein Überbleibsel eines Experiments, das nicht für das Tageslicht bestimmt war.«

Die Worte zerfraßen die Luft um sie herum.

Noah presste die Maske fester, seine Stimme war ein Kratzen: »Warum ich? Warum ich sterbe, wenn ich doch stärker sein soll?«

Volkmar seufzte, ein dunkler Schatten fiel über seine bleichen Züge. »Weil niemand weiß, wie man das Gleichgewicht hält. Deine Zellen kämpfen gegeneinander, verschlingen sich – und bald wird nur noch Asche übrigbleiben.«

—

Ein dumpfes Klopfen an der Kellertür ließ beide aufschrecken.

Noahs Augen weiteten sich.

Volkmar nickte verstehend. »Niemand darf von deiner wahren Natur erfahren. Wenn General Hetz’ Leute Wind davon bekommen...«

Seine Stimme brach, als er die drohende Verurteilung in der Luft stehen ließ.

Eine frostige Stille breitete sich aus. Noah spürte, wie das Gewicht der Wahrheit ihn erdrückte – und doch war da auch ein Funke Hoffnung.

»Was soll ich tun?«, hauchte er.

Volkmar beugte sich vor, seine Augen blitzten gefährlich.

»Überleben... um jeden Preis. Und schweigen. Sonst ist alles verloren.«

—

Draußen knackte der Wind durch die zerfetzten Reste der Stadt, als wollte er den Himmel selbst verbrennen.

Noah blickte in die Dunkelheit, die sich wie eine tödliche Umarmung um ihn legte.

Die Jagd hatte begonnen. Und jetzt kannte er den Grund seiner Verfolgung.

Ein scharfes Klirren – und die Tür knallte zu.

Draußen, ganz nah, erklang ein Geräusch.

Ein Wispern.

Jemand wusste, dass er hier war.

—

Ende Kapitel 5