NoveliqaAscheherz: Überleben im letzten Funken / Das geheime Versteck :0%
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Chapter 4

Das geheime Versteck

Kapitel 4 Das geheime Versteck

Noahs Atem wogte schwer in seiner Maske, der kalte Nachthauch schnitt wie Messer gegen seine Wangen. Das Klirren der fernen Sirenen verschwand hinter einem dumpfen Knochenbrecher, einem Rumpfen, das die brüchige Stille der zerstörten Stadt wie ein Vorzeichen durchdrang.

Er stand hinter den verbeulten Überresten eines Passatwagens, dessen Lack von dichter Rußschicht mattgrau wirkte. Von hier aus konnte er das düstere Labyrinth des Untergrunds sehen: verbogene Stahlträger, halb eingestürzte Mauern, schiefe Schuppenreihen, die wie aus dem Nichts auftauchten und wieder verschwanden. Der Geruch nach verbranntem Metall, heißem Draht und abgestandenem Öl hing in der Luft.

Sein Blick war starr, doch sein Herz schlug wehklagend gegen die Rippen, ein dumpfer, unerbittlicher Trommelschlag. Neben ihm stand Mirella wie eine dunkle Statue aus Schatten und Angst, Augen zu großen schwarzen Schlünden geweitet, aber die Stimme kaum mehr als ein Flüstern:

„Noah… Wir müssen… wir dürfen nicht länger warten.“

Sein Puls raste. Er wollte aufspringen, fliehen, alles hinter sich lassen – doch der Klang ihrer gebeugten Hoffnung hielt ihn zurück.

Ihre Flucht vor General Hetz’ Truppen war kein Zufall mehr. Das Netz zog sich enger, die Rebellengruppe zerfiel unter permanentem Druck von Hunger und Angst. Heute musste er das Versteck finden, von dem alle sprachen. Der Ort, der noch ein Funken sein konnte in dieser Aschewelt.

Er atmete tief ein.

„Dann lasst uns gehen“, sagte Noah rau, die Stimme rauchig vor Erschöpfung.

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Ein schmaler Durchgang öffnete sich zwischen den Steinen der zerfallenen Mauer. Noah folgte Mirella mit schnellen, geduckten Schritten in die Dunkelheit. Der Boden war schleimig von Ölverschmutzungen, und irgendwo tropfte stetig Wasser in kleinen Tropfen auf rostige Blechplatten. Jedes Geräusch schien zu hallen, eine Melodie aus Gefahr.

Der Weg führte sie tiefer in den Bauch der Stadt, durch ein Labyrinth aus Schutt, rostenden Containern und zerbrochenen Holzlatten. Über ihnen spannten sich verrußte Stahlträger, an denen Fetzen von Stoff und zerfledderten Plakaten daherschwankten.

Plötzlich verbog sich der Gang zu einer kleinen, verborgenen Kammer. Ein Flackern von Kerzen enthüllte Männer und Frauen, deren müde Augen sie flankierten wie verlorene Sterne. Karten waren auf dem Boden ausgebreitet, zerknitterte Notizen lagen auf alten Kisten, und irgendwo summte leise ein kaputtes Radio.

Ein stilles Raunen ging durch die Gruppe, als Noah eintrat.

„Da ist er“, flüsterte ein rauer Bass. Klaus, ein kegelförmiger Mann mit Narben über dem rechten Auge, trat vor. Sein Blick war stechend, als ob er die Dunkelheit selbst in Stücke reißen wollte.

„Wir dachten, du wärst gefallen“, murmelte er mit schwerem Nachhall in der Stimme.

Noah nickte knapp, sein Blick suchte die reglosen Gesichter. Mirella stand leise daneben, den Arm schützend um seine Taille gelegt.

„Wie schlimm ist es?“ fragte Noah, ohne den Blick abzuwenden.

Klaus atmete schwer, die Hände zu Fäusten geballt. „Nichts Gutes. Die Ressourcen sind knapp. Medikamente, Lebensmittel – alles wird immer knapper. Wenn wir nicht bald mehr finden, sind wir verloren.“

Eine Frau, deren Haar zu einem wilden Knoten verflochten war, schob sich hervor. „Wir haben Verstecke abgesucht, die Vorräte sind verteilt… doch das wird nicht reichen.“ Ihre Stimme vibrierte vor Sorge und Wut.

Noah fühlte den Druck auf seiner Brust wachsen, ein brennendes Gewicht. Die Krankheit in ihm, die ihn von innen zu zerreißen drohte, war wie ein Schatten, der sich auf die ganze Gruppe zu legen schien.

„Wir können nicht aufgeben“, sagte er mit einer Stimme, die härter war, als er selbst erwartet hatte. „Nicht jetzt. Nicht, wenn noch eine Chance bleibt.“

„Die Chance kennt ihren Namen: Hetz“, knurrte Klaus und trat näher. „Sie hassen uns. Und sie jagen uns.“

Ein kalter Windstoß kroch durch die zerfallenen Mauern, wehte den Geruch von verbranntem Holz und Rauch in den Raum. Plötzlich hielt jeder den Atem an.

Aus der Dunkelheit schälte sich eine kleine Gestalt – Jonas, der Funker. Sein Gesicht war blass unter der olivgrünen Kapuze, Augen nervös hin und her huschend.

„Wir haben Nachrichten“, murmelte er, die Stimme kaum hörbar. „Jemand in unseren Reihen verrät uns.“

Ein stilles Erschrecken breitete sich aus. Worte blieben in der Luft hängen, schwer vor Wahnsinn.

„Wer?“, zischte Mirella, ihre Lippen fast zitternd vor Angst und Wut.

Jonas blickte zu Boden, suchte verzweifelt nach Halt.

„Wir wissen es nicht genau… aber jemand hat Informationen an Hetz durchgestochen. Unsere letzten Bewegungen… unsere Verstecke.“

Ein Frost kroch durch Noahs Rücken. Die Flamme der Hoffnung flackerte bedrohlich – so zerbrechlich wie die dünne Maske, die er trug.

„Ein Spitzel in unserer Mitte“, sagte Klaus leise, die Stimme ein kaum vernehmbares Gift.

Der Blick aller versank in misstrauischen Augen, jagte Schatten durch die gequälte Gruppe.

Noah spürte, wie seine Maske brüchig wurde. Dieses Versteck, das ihnen Zuflucht geben sollte, wurde zur Todesfalle, ehe sie dies überhaupt bemerkten.

Er ballte die Hände zu Fäusten.

„Wir müssen ihn finden“, sagte er eisig. „Bevor wir alle im Feuer untergehen.“

Doch während diese Worte durch den Raum hallten, vergiftete eine Frage die Luft:

Wer war es?

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Das dumpfe Pochen an der Metalltür ließ Noah rucken, alle Sinne geschärft. Der Spitzel hatte sein Werk begonnen – und die Jagd war eröffnet.

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Ende Kapitel 4