Chapter 2
Kapitel 2 Schwierige Wege
Die plötzliche Dunkelheit unter Noahs Haut fühlte sich an wie ein kaltes Gewicht, das sich schwer in sein Fleisch bohrte. Jeder Herzschlag zog einen stechenden Schmerz durch seinen Arm, als hätte die verfärbte Stelle eigene kleine Flammen entfacht, die von innen brannten und gleichsam erstickten.
Er presste die Lippen zusammen, um keinen Laut zu erzeugen. Seine Finger krampften, die Haut fühlte sich taub an, fast fremd. Ein Schatten huschte an der grauen, rissigen Wand des zerbombten Gebäudes vorbei, in dem er Zuflucht gesucht hatte. Sein Atem kam schwer, rau, stolpernd – die Verfärbung breitete sich weiter aus, als wollte sie ihn auffressen.
Noah wusste, dass er keine Zeit hatte. Seine Schwester, Leni, war da draußen, irgendwo zwischen den Trümmern und den brennenden Ruinen der Stadt. Zwischen den Gesetzlosen, den Verzweifelten und den Wächtern von General Hetzs eisernem Regime. Und seine Zeit, sie zu finden, wurde mit jedem Moment knapper.
Er zwängte sich durch die schmale Öffnung der zerstörten Tür, sein Blick tastete durch die giftige Dämmerung. Rauch verwehte schwer, vermischte sich mit dem beißenden Geruch von verbranntem Plastik und verdorrtem Holz. In der Luft lag das dumpfe Murmeln von Stimmen – leise, aber töricht, als würden feindliche Schatten ihn beobachten.
„Noah!“ Ein Flüstern. Doch es war nur ein Echo in seinem Kopf.
Seine Beine fühlten sich wackelig an, als er die Straße entlang ging, jeder Schritt vorsichtig, fast betend, kein Geräusch zu machen. Immer wieder drehte er sich um, sah die Leere, das zerstörte Berlin, wie eine offene Wunde, aus der nichts als Asche und kalter Rauch strömte.
Ein Metalldrehen ließ ihn zusammenzucken: der leise Klang von Schritten, das Klicken einer Waffe, die gespannt wurde.
„Bleib stehen“, knurrte eine Stimme, rau und schneidend wie zerbrochenes Glas. „Das hier wird dir nicht gefallen.“
Noah verharrte, sein Herz raste. Vor ihm traten drei Gestalten aus den Schatten. Ihre Gesichter waren dreckverkrustet, die Augen wild und misstrauisch. Am Hals eines der Männer hing eine rostige Kette, sein Mantel war zerschlitzt, selbstbewusst und gefährlich.
„Gesetzlose,“ murmelte Noah. Der Name allein ließ die Luft ersticken.
„Wer bist du?“, forderte einer der Männer, dessen Augen glühten wie Kohlen im Dunkeln. „Noch einer, der vom Regime läuft? Wir brauchen nichts von den Pfuscher-Typen.“
„Ich suche jemanden“, sagte Noah scharf. „Meine Schwester. Sie steht auf ihrem Todesschirm.“
Ein trockenes Lachen schnitt durch die Luft.
„Deine Schwester? Ha! Hier draußen gibt’s nur noch Jagd und Tod. Keine Romantik, versteht du?“
Noah biss sich auf die Zunge, entschied sich für Ruhe, aber sein Blick wurde dunkler. „Dann sag mir wenigstens, ob ich auf der richtigen Spur bin. Du redest, also weißt du was.“
Der Anführer trat näher, sein Blick bohrte sich in Noah wie ein Messer. „Vielleicht. Aber hier zahlt jeder Fehler mit Blut.“
Plötzlich krachte es von der Seite – eine weitere Gestalt stürmte auf sie zu, eine junge Frau mit blitzenden Messern an den Händen und einem Lächeln, so scharf wie ein Zerfleischemesser: „Lasst uns den Neuen direkt mal testen, Jungs.“
Noah richtete sich ruckartig auf, zog eine kleine, rostige Pistole aus der Tasche. Die Frau lachte spöttisch, tanzte wie ein Schatten auf ihn zu.
Sein Puls explodierte, jede Nervenfaser schrie vor Adrenalin. Der Geruch von Schießpulver lag in der Luft, vermischt mit kaltem Schweiß und scharfer Wut.
Im Bruchteil einer Sekunde stieß Noah sich ab, tauchte zur Seite, während die Messer kurz über seiner Haut zischten. Der Klang, als sie im Beton stecken blieben, hallte wie ein Totenruf.
„Du beißt dich ja ganz schön durch“, zischte er, als er sich aufrichtete und die Pistole anhob, zitternd vor Entschlossenheit.
„Das hier ist kein Spiel, Freak!“, knurrte der Anführer. Er griff nach einer zerbeulten Metallstange und schwang sie mit einem Knall gegen Noahs Schulter.
Ein brennender Schmerz schoss durch ihn, als er taumelte, aber er ließ sich nicht fallen.
„Hast du überhaupt eine Ahnung, wofür du kämpfst?“, keuchte er, während um ihn herum die Schatten tanzten.
„Ja“, erwiderte er hart. „Für das letzte bisschen Menschlichkeit.“
Die Messerfrau setzte einen weiteren Angriff an. Noah wirbelte herum, fing ihren Arm ab, und ein dumpfes Krachen erfüllte die Luft, als sie zu Boden stürzte.
„Los, wir fassen ihn!“, schrie der Anführer, während mehr Schritte sich näherten.
Noahs Geist raste. Er musste hier weg. Die Schwere in seinem Arm wuchs, ihm wurde schwindlig.
Sein Blick fiel auf eine zerbrochene Tür neben der Gasse. Die Flucht im Visier, presste er sich gegen die Wand und sprintete los, die Verfolger dicht auf den Fersen.
Die Welt um ihn verschwamm, nur der Klang von hämmernden Herzen und schreienden Atemzügen blieb klar.
An der Ecke bog er hastig ab, rutschte fast auf den splitterigen Steinen aus.
Dann – ein gellender Pfiff schnitt durch die Nacht, und zwei weitere Gesetzlose tauchten auf, eine Falle.
Noah stoppte abrupt, die Pistole erhoben, doch seine Beine fühlten sich an wie Blei.
Der Hinterhalt schloss sich wie ein eisernes Netz. Kein Weg entkommen. Keine Zeit zu überlegen.
Sein Blick suchte den nächsten Schlag, das letzte Aufbäumen.
Nur eine Frage blieb – würde er entkommen? Oder würde die Dunkelheit ihn diesmal verschlingen?
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Das Echo der Schritte, die sich näherten, wurde zum wütenden Sturm um ihn herum. Noahs Herz schoss, seine Finger umklammerten die Pistole zu fest, der letzte Funken Hoffnung in ihm lodert noch auf – er durfte nicht fallen.
Und plötzlich, als er sich dem Chaos ergeben zu müssen glaubte, war da ein Geräusch – gedämpft, aber eindeutig. Ein leises Knacken, ein ferner Ruf.
Der Kampf war noch lange nicht vorbei.
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Ende Kapitel 2