Chapter 14
Kapitel 14 Im Netz des General Hetz
Der Raum wollte nicht schweigen. Noch nach Sekunden, die von der letzten flüchtigen Ahnung des Atems seiner Vaterstimme zerrissen wurden, lag eine Kälte auf Noahs Haut – kein Frost, sondern eine drückende, klamme Enge, die sich um seine Brust legte. Leahs Röcheln war zu einem heiseren Flüstern erloschen. Der Druck in seinen Händen löste sich, und die bleischwere Stille setzte sich wie ein dunkler Schleier über die Szenerie.
Noah starrte auf die verblasst blaue Linie an seiner Hand, die sich mit dem Blut von Leah vermischt hatte. Sein Blick wurde trügerisch schwarz, wie ein Pulverfass unter einer dicken Schneedecke. Die Zeit dehnte sich, machte aus Sekunden Minuten, aus Minuten eine unentrinnbare Ewigkeit. Ein Geräusch schnitt durch das Dickicht dieser Stille – Geräusche, die nicht hierher gehörten.
Ein Knacken. Hart, mechanisch, wie das Schwingen eines Metalltores, das sich instinktiv schloss.
"Noah Brenner." Die Stimme klang wie eine Sprengladung, tief, kalt und kontrolliert.
Er riss den Blick hoch, schloss blitzschnell die Finger um Leahs zerfallende Hand, drückte sie gegen seinen Brustkorb, der rast und sackte dann zurück. Schmerzen pochten im Nacken, dann der Knall. Ein Schlag, brutal, unerbittlich. Dunkelheit riß ihn auseinander.
*
Schweiß klebte in seinem Nacken, brechende Geräusche zogen über seinen Rücken, als eisige Hände ihn rissen. Er keuchte, wurde herumgewirbelt, Blitze zuckten vor seinen Augen, die Welt war eine verwaschene Collage aus Fetzen rostigen Lichts.
„Nicht wehren“, knurrte eine Stimme neben seinem Ohr. „Hetz will mit dir sprechen.“
Noah schluckte schwer, sein Kopf dröhnte. Um ihn herum knarrte das Metall der Vorrichtung, in der er lag – ein Gitter aus kaltem Stahl, das die letzten Fetzen seiner Freiheit zerfetzen wollte. Sein Herzschlag trommelte einen panischen Rhythmus, doch seine Finger waren zu schwer, um sich zu wehren.
Zwei Männer mit schwarzverhüllten Gesichtern drängten ihn vorwärts, die grauen, staubigen Straßen lagen unter dem bleiernen Himmel wie ein verrostetes Grab. Hinter ihnen stiegen graue Rauchschwaden empor, die Lehmwände der leeren Häuser schienen vor Angst zu zittern.
Noah tastete instinktiv nach Leah, doch die war verschwunden. Die klaffende Lücke verbrannte ihm die Brust.
„Du lebst noch, Brenner“, hörte er eine Stimme, die alle Stille zerschnitt – scharf wie der Stahl einer frisch gezogenen Klinge.
Er hob den Blick.
General Harland Hetz stand auf einer erhöhten Plattform, das Gesicht hart wie gesplitterter Granit, die Augen wie zwei kalte Feuer. Eine Armee stummer Soldaten hinter ihm, stählerne Waffen im Einklang mit der eisigen Befehlsgewalt, die in der Luft pulsierte.
„Warum erweckst du meine Neugier, Brenner?“ Hetz schritt langsam den Gang entlang, jeder Schritt ein Befehl an die Furcht. „Du bist der letzte Funken, den niemand mehr zu sehen wagt. Oder etwa doch?“
Noah spürte, wie sich der Boden unter seinen Füßen verdrehte, die Worte bohrten sich wie Dolche in seine Rippen. Keine Flucht mehr möglich, kein Engel, der ihn aus dem Verderben schrie.
„Warum ich?“ Seine Stimme klang rau, gebrochen und doch trotzig. Die Schatten um Hetz schienen zu wachsen, legten sich wie ein kalter Mantel um seine Schultern.
„Weil du etwas hast, das ich brauche. Etwas, das tiefer geht als deine Krankheit. Etwas, das du mit dir trägst, ohne es zu wissen.“
Noah biss die Zähne zusammen.
Die Hitze in ihm war nicht von dieser Welt. Er zitterte, nicht vor Angst … sondern vor stiller Wut und einem letzten Funken Trotz.
„Also erzähl mir, Brenner,“ sagte Hetz, jetzt direkt vor ihm. „Welche Bedingungen würdest du akzeptieren, um zu überleben?“
Noah spürte, wie es zu spiralen begann – die Frage, die sich wie ein eisiger Griff um seinen Hals legte. Überleben. Doch was war noch von ihm übrig, wenn er den Preis bezahlte?
Die Menge der blicklosen Soldaten schien zu atmen, und in dieser Pause, nur einen Wimpernschlag zwischen Leben und Tod, wusste Noah: Das Netz hatte sich geschlossen.
Kein Entkommen.
Nur eine Wahl zwischen dem Tod und der Wahrheit, die er so verzweifelt gesucht hatte.
„Sag es mir,“ hauchte Hetz, die Augen glühend in der Düsternis, „und vielleicht hast du noch eine Zukunft.“
Ein leises Zischen fiel durch die Stille.
Noah erkannte den Klang – es war das leise Knistern einer Fessel, die sich spannt.
Der nächste Zug lag bei ihm.
Doch bevor er antworten konnte, wurde die Tür mit einem krachen aufgestoßen. Schatten flossen herein – und die Luft schmeckte nach Verrat und Hoffnungslosigkeit.
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Ende Kapitel 14.